Betriebliche Trainingsleistungen im Wert von Fachzeitschriften?

Gerade hat das Institut der deutschen Wirtschaft die Weiterbildungserhebung 2010 veröffentlicht . Die Erhebungsdaten stammen von 2254 Unternehmen Alle 3 Jahre erfolgt diese Erhebung – aus 2007 stammen also die letzten Vergleichsergebnise.

Einige Ergebnisse 2010:

  • 83% der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Weiterbildung an,
  • Im Durchschnitt hat jeder Mitarbeiter 29 Stunden Weiterbildung erlebt (2007: 22 Stunden).
  • Pro 100 Mitarbeiter gab es 227 Teilnahmen an einer als Weiterbildung bezeichneten Veranstaltung.
  • Dabei wurden im Durchschnitt je Beschäftigtem 1035 € insgesamt für Weiterbildung ausgegeben (2007: 1053€).
  • Hochgerechnet ergibt das in Deutschland insgesamt 28,6 Milliarden Euro betriebliche Weiterbildungskosten (+6% gegenüber 2007)

Nun war 2010 ja ein deutliches Krisenjahr. Für uns Trainings-Profis gab es in dieser Krise erstmals die Überraschung, dass die Weiterbildungsbudgets diesmal nicht sofort gekürzt wurden. Ganz im Gegenteil, viele Unternehmen haben nach Wegen gesucht, wie denn die Kurzarbeit zu zusätzlichen Qualifizierungsmaßnahmen genutzt werden könne. Damit ist 2010 sicher kein repräsentatives Berichtsjahr für die betriebliche Weiterbildung. Dennoch sind einige Werte aus der Studie beachtenswert.

So liegt der Durchschnittswert (aller Beschäftigten) bei 29 Stunden jährlicher Weiterbildung – das sind bei einer 35-Stunden-Woche immerhin mehr als 4 Tage. Wieviel % der Beschäftigen an einer betrieblichen Weiterbildungsmaßnahme teilnehmen, habe ich in der Studie nicht gefunden. Es scheint ganz sicher, dass ja nicht alle Mitarbeiter jährlich betriebliche Weiterbildung erleben, so dass die durchschnittliche Stundenzahl für die teilnehmenden Mitarbeiter deutlich höher sein muss.

Wenn für die 29 Stunden Weiterbildung nur 1035 € durchschnittlich je Mitarbeiter ausgegeben werden, und darin auch Arbeitszeit-, Reise- und Übernachtungskosten enthalten sind, dann bleibt als Kostenbeitrag für die Trainingsdurchführung relativ wenig übrig. In der Studie wird sauber unterschieden, zwischen

  • 30,4% direkten Weiterbildungskosten (Honorare, Teilnehmergebühren, Reise-, Übernachtungskosten, Mieten)
  • zusätzlich noch gut 9% für Weiterbildungsorganisation, inkl. Weiterbildungspersonal
  • und gut 60% indirekten Weiterbildungskosten (Arbeitszeitkosten der Mitarbeiter)

Angenommen, die direkten Weiterbildungskosten bestehen zu 50% aus Teilnahmegebühren, dann landen nur etwa 15% der genannten durchschnittlichen Weiterbildungskosten oder 155 € je Mitarbeiter bei den Trainingsorganisationen. Rechnet man noch die Kosten für Weiterbildungsorganisation und -personal dazu (96 €), sind das sind 251 € je Mitarbeiter und Jahr, die an interne und externe Weiterbildungs-Dienstleister fließen.

Diese 251 € in Beziehung gesetzt zum jährlichen Brutto-Arbeitnehmerentgelt von durchschnittlich 34.211 € (Angaben aus dem statistischem Taschenbuch 2010 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales) können Trainingsorganisationen nur mit 0,73 % des Arbeitsentgeltes für ihre Leistungen rechnen.

Zum Vergleich: Für 251 € pro Jahr bekommt man nicht mal ein Tageszeitungs-Abo (z.B. Süddeutsche 523 €), wohl kann man dafür ein oder zwei Abos für eine Fachzeitschrift erhalten (z.B. Wired 96 €, oder Qualität und Zuverlässigkeit 184 €).

Haben Trainingsorganisationen wirklich nur den „Weiterbildungs-Wert“ von Fachzeitschriften? Sind Trainings-Dienstleistungen nur eine Randerscheinung in der so viel beschworenen Lernenden Organisation? Findet Lernen möglicherweise vielfältig auf ganz andere Weise informell statt?

Meine Vermutung: Lernen in Unternehmen ist sehr viel umfangreicher, als es in einer Studie erfasst werden kann, weil dabei nur messbare Werte einfließen. Informelles Lernen ist aber nicht messbar. Wenn aber das Lernvolumen größer ist, dann wird die aktuelle Rolle der Trainings-Dienstleister ja noch kleiner. Beachtet man, dass Arbeitgeber für Trainingsleistungen ja nur 25% an die Trainings-Organisation zahlen, und 75% für Arbeitszeit und Reisekosten anfallen, dann wird deutlich, wie sehr neue Lern-Dienstleistungen – ohne Präsenzpflicht und mit geringem Arbeitszeiteinsatz – notwendig sind.

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