Guerilla Learning?

Der Besuch des HR BarCamps #hrbc13 hat sich schon wegen dieser Session von Sirka Laudon und zwei Kolleginnen gelohnt. Lernen im Unternehmen mal ganz anders auslösen, als mit üblichen Weiterbildungs-Formaten, wie langen Trainings oder trockenen E-Learnings. Mit dieser Absicht hat Sirka Laudon einfach mal die Session-Teilnehmer mit dem ungewöhnlichen Beispiel-Video aus dem Marketing eingestimmt.

Überraschend, Betroffen machend, frech, grenzüberschreitend, Regeln brechend – so funktioniert Guerilla Marketing und das auch noch mit nachhaltiger Wirkung. Vielleicht lässt sich ja auch nachhaltiges Lernen in Unternehmen so ungewöhnlich und überraschend auslösen? Keine langen Erörterungen, stattdessen startete Sirka Laudon gleich die Produktion von möglichen Lern-Nuggets mit Hilfe der kreativen Power aller Session-Teilnehmer – zunächst nur durch Sammeln von Antworten auf folgende Fragen:

An welchen – auch ungewöhnlichen Orten  - könnte Lernen stattfinden?

Eine kleine Auswahl der vielen Antworten:
Fahrstuhl, Kantine, Online, U-Bahn, Seminarraum, Flur, Kaffeeküche, Kopierer, Tiefgarage, Toilette, Büro, Schreibtisch, Foyer, Raucherecke, Flugzeug, …

Welche Zeiten könnten für Lernen zur Verfügung stehen?

30 Sekunden, morgens von 5 bis 7 Uhr, auf dem Weg zur Arbeit, am Feierabend, in der Mittagspause, beim Sport, ….

Welche Zielgruppen – mal anders als üblich geschnitten – könnte man im Unternehmen ansprechen?

Hundebesitzer, gleiche Sternzeichen, gleiches Alter, Raucher, Eltern, Sportbegeisterte, Frauen, IPhone-Besitzer, alle unter 30, Silver-Ager, Lohas, …

Welche Methoden oder Formate könnten Lernen vermitteln?

Vortrag, Simulation, Podcast, WorldCafe, Projekt, gezeichnete Videos, Rätsel, Apps, Wettbewerb, Lunch and Learn, Theater, Zeitschriften, Spiel, QR-Code, …

Nun werden alle aufgefordert, 3 Begriffe aus verschiedenen Kategorien zu verwenden, um damit eine mögliche Idee für ein Lernsetting zu konstruieren. BINGO – in wenigen Minuten sind 11 ungewöhnliche Lernideen entstanden, die hier nur stichwortartig angedeutet sind:

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Ein Beispiel könnte so aussehen: Fahrstuhl, 30 Sekunden, Podcast:

Über die im Fahrstuhl vorhandenen Lautsprecher wird die „Frage des Tages“ gestellt.

Oder auch: Treppe, Sportbegeisterte, QR-Code:

Wer an der Treppe unten und oben den QR-Code jedesmal scannt, kann Score-König der Gesundheitsbewussten werden.

In den 50 Minuten können die Ideen natürlich nicht umsetzungsreif ausgearbeitet sein. Dennoch war allein die Vielzahl von durchaus denkbaren Vorschlägen mit dieser Methode beeindruckend. Einen besonderen Dank an die Session-Gestalter – einmal für die Idee, und zum anderen für das gleich fitmachende Training der Session-Teilnehmer, das ja auch unerwartet und ungewöhnlich war – und damit schon ein wenig vom Guerilla-Lernen hatte.

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Open und die Grenzen von Open (#mmc13)

Im derzeit laufenden MOOC-Maker Kurs  wird gerade die Frage behandelt “Wie open sind MOOCs wirklich?”. Das einstündige Hangout on Air vom 31.1.2013 lohnt sich wirklich anzusehen.

Einer der Experten in diesem Gespräch war Ton Zijlstra, Experte zu Lernen und Wissensarbeit im Netzwerkzeitalter aus den Niederlanden. Er betrachtet unsere Gesellschaft als Netzwerk. Aus diesem Blickwinkel hat er in einem interessanten Blogbeitrag das Thema Open anschaulich umrissen.

Ton Tijlstra sieht “Open” als eine Konsequenz der Anwendung der Netzwerk-Metapher auf unsere Gesellschaft. Heute ist es das Internet, dass als neue Vernetzungs-Infrastruktur auf die Gesellschaft zurückwirkt, wie das damals die Eisenbahn war, die zur Einführung einer einheitlichen Zeit, der “Railway Time” führte. Der Netzwerk-Charakter des Internets – und die dort ungeplant und vielzählig entstehenden Netzwerke beweisen immer deutlicher das große Möglichkeitspotential von Netzwerken, die selbstgesteuert entstehen und sich weiterentwickeln. Das stellt natürlich unsere bisherigen Vorstellungen hierarchischer Organisationsformen zumindest in Frage. Die vielen Ansätze von Open-Innovation bis Open Science sind nur ein Beispiel dafür, dass die Netzwerk-Metapher auch unsere Organisationen beeinflusst. Und das hat dann gar nichts mehr mit On- oder Offline zu tun – wir Menschen beginnen immer mehr, uns als Teil eines Netzwerkes zu verstehen.

In Netzwerken gelten andere Regeln als die hierarchisch gewohnten. Im Netzwerk bin ich ein Netzwerk-Knoten, der aktiv Verbindungen zu anderen Netzwerk-Knoten aufbauen kann. Auch andere Netzwerk-Knoten können Verbindungen zu mir aufbauen. Voraussetzung für eine Netzwerkbildung ist die Sichtbarkeit und der freie Zugang zu diesen Knoten. Sichtbarkeit entsteht durch Aktivität im Netz. Der freie Zugang zeigt sich erst beim Versuch des Verbindungsaufbaus mit einem Netzknoten. Aktives Antworten auf von anderen eingebrachte Beiträge sind eine Form der Offenheits-Bestätigung. Eine ganz andere Form freien Zugang zum „eigenen Netzknoten“ zu gewähren, ist eine erlaubende Lizenzierung der Verwendung der eigenen Inhalte. Also, wenn im Extremfall jeder darauf besteht, dass alles von ihm produzierte nur von ihm verwendet werden darf, fehlt der freie Zugang zu anderen Netzknoten und das Netzwerk hätte keinen Wert.

Netzwerke erfordern also Offenheit, das Gestatten der Verwendung eigener Inhalte, die Erlaubnis der Verbindung. So ausgedrückt, wird deutlich, dass es ein individueller Akt sein darf, trotzdem Grenzen von Offenheit zu ziehen. Netzwerke funktionieren auch, wenn nicht alles von mir (und anderen) offen zugänglich ist. Ganz im Gegenteil, Ton Tijlstra weist mit dem Begriff Transparenz auch auf die Durchsichtigkeit oder „Nichtsichtbarkeit“ eines total offenen Knotens hin. Wenn also alles von mir – und unabhängig von mir – im Netz verfügbar ist, dann hat mein Knoten keine Relevanz mehr. Anders ausgedrückt: Um weiter im Netzwerk mitwirken zu können, muss es für Andere irgendwie interessant sein, sich mit mir zu vernetzen. Das bedeutet, nicht total vorherberechenbar zu sein (man weiß schon was da kommt), sondern eher für immer wieder überraschend Neues bekannt zu werden.

Dank an Ton Tijlstra für den Hinweis auf die notwendigen Grenzen von Open! Ein Open kann es ja auch nur geben, solange es ein Geschlossen gibt. Eine doch ganz beruhigende Botschaft für die immer wieder aufflammende Diskussion um die Privatsphäre. Und außerdem ist ja der Umgang in Netzwerken eine sehr vertraute Angelegenheit im alltäglichen Umgang mit unseren realen Netzwerken. In virtuellen Netzwerken gelten keine anderen Regeln.

 

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Alles Lernen ist selbstgesteuert – jedes Lernen

Das neue Jahr fing gut an. In meiner Timeline tauchte ein Hinweis auf einen TEDx-Vortrag von Jeffrey Cufaude auf „Life’s a great teacher, are you a great student?“ . Jeffrey Cufaude führt zu Beginn des 10 Minuten-Vortrages folgende Gedanken aus:

„Wenn wir erfolgreiche Studenten im Classroom of Life sein wollen, dann gibt es ein simples Prinzip: All learning is self directed – all learning! Es macht keinen Unterschied, ob Lernen im Sandkasten stattfindet, am Arbeitsplatz oder im Klassenraum. Jedes Lernen ist selbstgesteuert, und erst recht das lebenslange Lernen.“ Das macht er dann schön deutlich mit der Frage „Was denken Sie über lebenslanges Lernen? Eine Antwort wie “Ich hab das vor 4 oder 5 jahren mal probiert, und dabei festgestellt, das ist nichts für mich” würde Niemand geben.

Würde man lebenslanges Lernen designen wollen, dann sieht Jeffrey Cufaude 2 Grundprinzipien: Steigende Diversität und andauerndes Entdecken. Quelle der Grafik .design for lifelong learning Jeffrey Cufaude 130102

„Diversität steigt mit den Menschen mit denen wir zusammentreffen, mittels der Orte zu denen wir gehen, über die Dinge die wir tun, über die  Erfahrungen die wir machen, und den Inhalten, die wir nutzen. Wenn wir diese Diverstität in unser Leben bringen, dann engagieren wir uns mit andauerndem Entdecken. Das bedeutet Offenheit, Neugier, Beginner-Geist.“

Leitfrage für Lerner „Was dachten andere?

Dieses vom eigenen Interesse gesteuerte Lernen bringt er in einem Satz auf den Punkt: „What were they thinking?“ Mit „Was dachten andere?“ erläutert er seine systemisch konstruktivistische Sicht auf das Erschließen der eigenen Wahrheit als ein Interessieren für die „Wahrheit“ die sich Andere gebildet haben. Jede Wahrheit gilt immer nur aus der jeweiligen Perspektive. Da ist es interessant, möglichst verschiedene Perspektiven kennen zu lernen, um das eigene Bild zu ergänzen oder in Frage zu stellen.

Was haben andere gedacht? Ist das nicht die wesentliche Leitfrage für das Lernen in der Wissensgesellschaft? Ob aus Büchern, Vorträgen, Gesprächen, Foren, Blogs und allen sozialen Medien – immer wollen wir wissen, was andere zu einem uns interessierenden Thema denken. Und das wird erst richtig wertvoll, wenn wir das von ganz unterschiedlichen Menschen mit verschiedenen Blickwinkeln erfahren. Was ja nicht heißt, diese Mosaiksteine für das eigene Bild auch alle zu übernehmen. Manche werden da so gar nicht passen. Es erfordert immer eine ganz persönliche Bewertung ob ein neuer Erkenntnis-Baustein das eigene Bild gut ergänzt, gerade nicht passt, oder gar das eigene Bild in Frage stellt.

Lernen kann nicht von außen gesteuert werden

Lernen so verstanden, ist immer individuell, und kann überhaupt nicht von außen gesteuert werden. Selbststeuerung ist hier das einzig funktionierende Prinzip. Für das Zusammensetzen des eigenen Bildes ist die Diversität von Meinungen und Erkenntnissen eine Voraussetzung. Das spricht für die selbstverständliche Nutzung mehrerer Quellen – und schon deshalb gegen nur einen Lehrenden. Soziale Medien bieten diese produktive Meinungs- und Perspektiven-Vielfalt. Wieder ein Vorteil fürs Lernen in Netzwerken.

So verstandenes Lernen setzt aber auch Diversität als erstrebenswertes Ziel voraus. Das bedeutet, dass eben nicht jeder zum gleichen Ergebnis kommen muss. Nicht eine Lösung ist die (prüfbar) einzig richtige. Wo es nicht die eine Wahrheit gibt, darf es auch unterschiedlich konstruierte Sichten geben. Die Beurteilung von erfolgreichem Lernen sollte also eher den Prozess der Auseinandersetzung mit dem Thema beurteilen – was am besten mit einem real erzielten Projekt-Ergebnis gekrönt wird – und nicht als das üblicherweise gleichartige Widergeben von vorgegebenen Inhalten. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung setzt unterschiedliche Sichten und Erkenntnisse voraus. Bildung und Weiterbildung müssen Diversität „produzieren“ und nicht Gleichartigkeit.

Das 10-Min-Video von Jeffrey Cufaude:

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Die Rolle von Fachzeitschriften heute und morgen

Fachverlage und Weiterbildungsorganisationen haben Eines gemeinsam, sie vermitteln Content an Lerner. Mit dem Aufbereiten und Bereitstellen von Lern-Content wird man aber künftig immer weniger Geld verdienen können. Deshalb ist es für Corporate Learning Professionals höchst interessant zu beobachten, wie sich Verlage darauf einstellen. Erste Gedanken dazu habe ich hier schon mal beschrieben.

Ich durfte heute an einem Konzeptgespräch teilhaben, bei dem ein Fachverlag gerade seine künftige Ausrichtung plant. Im Gespräch entstand ein möglicher grober Plan, den ich hier gern zur Diskussion stellen möchte.

Ausgangspunkt war die These, dass die Preise für aufbereiteten Content künftig stetig sinken werden, weil

  • einerseits die Verteilung dieses Contents im Internet aufwandsarm und beinahe kostenlos ist
  • und anderseits auch das Angebot von aufbereitetem Lern-Content im Internet zunimmt, auch mit sogar kostenlosem Lern-Material.

Eine Fachzeitschrift liefert ausschließlich aufbereiteten Content, und braucht damit dringend ein neues Geschäftsmodell, um in Zukunft weiter bestehen zu können. Aber wie könnte das aussehen?

Warum kauft heute jemand eine Fachzeitschrift?

Auf den Punkt gebracht, geht es ausschließlich um persönliche Entwicklung. Ich kaufe diese Fachzeitschrift

  • weil ich Anstöße für Innovationen in meinem Job brauche
  • weil ich von Erfahrungen anderer profitieren möchte
  • weil ich in meinem beruflichen Umfeld sicherer argumentieren können möchte
  • weil ich die ständige Orientierung zum Geschehen in meiner Branche brauche
  • weil ich mich selbst im Vergleich mit Anderen einschätzen können möchte
  • weil ich mein persönliches Netzwerk auf- und ausbauen möchte

So oder ähnlich könnten die zusammengefassten Antworten einer Umfrage lauten. Lesern einer Fachzeitschrift geht es i.d.R. um die Weiter-Entwicklung eigener Kompetenz zur Erfüllung ihres Jobs. Kompetenz zeigt sich im Tun. Es ist also das Können, das diese Leser anstreben – nicht das Wissen. Praktisch niemand wird für sein Wissen bezahlt. Immer ist es eine Handlungserwartung die erfüllt werden muss.

Genau da liegt aus meiner Sicht der Schlüssel für künftige Ausrichtungen für Fachmagazine, die heute alle ausschließlich vom Service der Wissensverteilung leben. Wissen wird natürlich auch in Zukunft die notwendige Basis sein, um Kompetenz zu entwickeln, aber der Content-Verteilungsservice wird immer weniger profitabel, siehe oben. Die für Leser schwierige Aufgabe, ihr Können zu entwickeln, könnte ein Ansatz für neue Dienstleistungen sein, die über das Vermitteln von Wissen weit hinausgehen.

Wie kann man sich solche Dienstleistungen vorstellen?

Hier einige Service-Ideen, die aus meiner Sicht hilfreich sind für Leser – wir sollten ab jetzt besser von „Lernern“ sprechen, die ja Leser eigentlich sind:

  • Vorauswahl von gut aufbereitetem Lerncontent.
    Wenn immer mehr Content zur Verfügung steht, wird es für Lerner schwer, aus der Masse das gute Material herauszufinden. Nun gibt es schon heute nicht das „eine“ gute Lern-Material. Das hängt auch von den Erwartungen der Lerner ab. Also gilt es eine überschaubare Auswahl verschiedener gut aufbereiteter Materialien für Lerner auszuwählen, und die Besonderheiten kurz zu beschreiben. Lerner sollen wählen können, was für sie selbst am geeignetsten erscheint.
  • Anbieten von verschiedenen möglichen Lernpfaden, die zum Ziel führen.
    „Andere waren auf diesen Wegen erfolgreich“, so könnte eine Navigationshilfe für Lerner beginnen. Es gibt immer verschiedene Wege um zu seinem Ziel zu kommen. Jeder neue Lerner könnte auch einen interessanten neuen eigenen Weg aufzeigen. Deshalb ist das Beobachten des Verhaltens der Lerner wichtig – und das Mut machen, selbst seinen eigenen Weg zu gehen.
  • Ziele darstellen, Etappenziele vorschlagen
    Lerner, die einen Weg noch nicht gegangen sind, können schwer abschätzen, wie schnell sie wie weit kommen können. Wenn es gelingt aus der Beobachtung anderer Lerner Ziele und Etappen zu definieren, könnte das ein sehr hilfreicher Empfehlungs-Service werden.
  • Experten-Communities für den direkten Austausch bilden, unterstützen.
    Erfahrung macht man schneller auf der Basis von anderen Erfahrungen. Und nach George Siemens steckt das Wissen im Netzwerk, und Lernen ist die Fähigkeit in diesem Netzwerk Verbindungen zu knüpfen. Viele Fach-Communities bestehen ja schon, man muss die nicht immer selber aufbauen, vielleicht aber den Lernern den Zugang verschaffen. Aus meiner Sicht sind hier reine „Lerner-Communities“ weniger hilfreich, da steckt ja noch nicht genügend Wissen im Netzwerk. Die Unterstützung und ggf. Aufbau und Pflege von echten Experten-Communities scheint mir eine für Fachverlage sehr naheliegende Dienstleistung, die Experten-Kontakte sind ja schon vorhanden.
  • Fach-Events anbieten
    Der direkte persönliche Kontakt war für Lernen und Netzwerkbildung schon immer hilfreich. Und Fachverlage haben ja auch bisher schon Kongresse veranstaltet. Neben Kongressen gibt es noch viele weitere Arten von Präsenzveranstaltungen, von regionalen Stammtischen bis zu Fach-BarCamps. Auch klassische Seminare gehören in diese Kategorie.

Die Liste von Dienstleistungen für Lerner lässt sich weiter ausbauen. Allein die oben gezeigten könnten schon die Basis für ein tragfähiges neues Geschäftsmodell sein.

Wie lässt sich damit Geld verdienen?

Wenn man sich ein bisheriges Fachzeitschriften-Abo mal als Flatrate für Basis-Leistungen aus dem o.g. Katalog vorstellt, hätte man schon einen gestaltbaren Übergang zum neuen Geschäftsmodell, sogar auf der Basis von bestehenden Kundenbeziehungen. Natürlich muss man mit den eigenen Kunden darüber ins Gespräch kommen. Aber das ist ohnehin wohl die größte Herausforderung: Solche Leistungen erfordern ganz viel Hinhören und einen echten Dialog mit Experten,  Kunden und potentiellen Kunden.

Zu den Basis-Leistungen (man gehört zur Community) kann man sich – wie bisher ja auch – bezahlte Premium-Leistungen, z.B. Seminare, Events, persönliche Coachings, … vorstellen – oder auch eine erweiterte Flatrate.

Und auf der Kostenseite wird man sich bemühen müssen, nicht alles selbst zu machen. Das fängt beim Fremd-Content an, den man mehr und mehr nur noch empfehlen wird. Und da Selbstorganisation als mächtiges Prinzip im Internet sichtbar geworden ist, kann man z.B. in der Community-Pflege oder bei Events durch gute Rahmenbedingungen den Raum für Selbstorganisations-Prozesse schaffen, so dass man eigenen Aufwand reduziert. Dafür gibt es überraschend viele gute Beispiele.

Fachverlage sehen ihre Lerner schon immer als autonome Lerner

Damit haben Fachverlage sogar einen Vorteil gegenüber Weiterbildungsorganisationen für die Umsetzung so eines Geschäftsmodells. Das setzt nämlich den mündigen Selbstlerner voraus, der selbst weiß, was er braucht und wie er vorgehen will. Trainingsorganisationen haben diesen Lernprozess ja immer für ihre Lerner gestaltet. Fachverlage haben zumindest diese Hürde des Loslassens nicht zu überwinden, ihr Content war immer nur Angebot.

Allerdings ändert sich aus meiner Sicht dadurch auch die Rolle von Fachverlagen grundlegend. Das bisherige Vorgehen ist ja sehr hierarchisch geprägt: Der Verlag wählt die aus seiner Sicht kompetenten Experten aus, die ihre fachliche Wahrheit dann auf die Leser „herunter fließen“ lassen.

Das oben beschriebene neue Modell erfordert einen Umgang mit den Lernern auf gleicher Augenhöhe. Erwachsene Lerner sind ebenfalls Experten, die nur noch weitere Expertise erwerben wollen. Im Konnektivismus-Modell von George Siemens ist jeder mal Lernender und mal Lehrender. Viele Community-Mitglieder sind also auch eine schier unerschöpfliche Quelle für neues Wissen und für neue Anknüpfungspunkte für Netzwerk-Mitglieder. Und wenn George Siemens mit dem Konnektivismus Recht hat, dann ist das ja die ideale Basis für Lernen in Netzwerken. Ich bin davon überzeugt.

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OER – Wem gehört die Bildung (#sloer)

Irgendwie hatte ich mir viel von der Ankündigung versprochen: Einsatz von OER und Urheberrecht waren die beiden Stichworte, die mich anzogen, gestern zum Speedlab nach München zu fahren.

“Open Educational Resources – Was ist das? Was kann das?” und “Open Educational Resources – Urheberrechtsfragen” mit diesen beiden Vorträgen von Jan Neumann und Matthias Spielkamp startete das Speedlab gestern im Münchner Jugendzentrum “Feierwerk”. Danach sollten Leitfragen zu OER an 4 Thementischen von den etwa 60 Teilnehmern gruppenweise diskutiert werden.

Beide Vorträge waren eine exzellente Einstimmung zum Thema. Die Diskussion an den Thementischen war eher ernüchternd. Obwohl kaum Lehrer anwesend waren (war ja auch ein ganz normaler Schultag), versuchten die meisten Teilnehmer OER als Lehrmaterial hauptsächlich für die Verwendung durch Lehrer zu bewerten. Und natürlich gibt es da eine Menge Kriterien, die das OER-Material dann auch erfüllen müsse. Freigaben für “richtige Inhalte” bis “Verhindern von redundantem Lehr-Material” lautete der Forderungskatalog  etlicher Teilnehmender gestern.

OER für Lehrende oder für Lernende?

Die UNESCO-Idee Open Educational Resources  ist ganz sicher nicht entstanden, um Lehrenden in Deutschland  besseres oder anderes Unterrichtsmaterial an die Hand zu geben. OER will Lernmaterial für jedermann sein. OER zielt auf lebenslanges Lernen, und will besonders auch das informelle Lernen unterstützen. Also sind Lernende die Hauptzielgruppe. Deshalb sollte OER auch vorwiegend aus Lern-Material und weniger aus Lehr-Material bestehen. Und natürlich können Lehrende dieses Material auch in Lehrkontexten verwenden. Nur mit dem Ersatz von eigenem Lehrmaterial wird aber das Potential von OER-Lernmaterial überhaupt nicht genutzt.

OER für Lernende ermöglicht neue Formen des „Lehrens“

Gutes OER-Lernmaterial entlastet „Lehrende“ vom Aufbereiten und vom Vermitteln von Inhalten. Tatsächlich findet man schon heute so gut aufbereitetes Lernmaterial im Internet, dass es einem einzelnen Lehrer sehr schwer fallen dürfte, diesen Stoff selbst besser zu vermitteln. Darin sehe ich eine große Chance: OER schafft für Lehrende den Freiraum, sich auf die Unterstützung von Lernenden beim Erarbeiten des Stoffes zu konzentrieren. Das ist ja die eigentliche pädagogische Aufgabe. Die Inhaltsvermittlung erforderte bisher nur notgedrungen den größten Teil der Zeit.

Mit steigendem Einsatz von OER in formalen Lehr-Settings wird sich die Rolle der ehemals „Lehrenden“ wandeln. Lern-Begleiter oder Lern-Coaches sind dann bessere Begriffe für diese neue Form von Entwicklungs-Unterstützung. Das klingt noch ungewohnt. Aber eigentlich ist das doch der Traum aller Pädagogen, endlich die volle Aufmerksamkeit auf die individuelle Unterstützung der Lernenden richten zu können. Ein derzeit rasch wachsendes Modell dafür ist z.B. das „Flipped-Classroom-Prinzip“.

P.S.:

An einem Thementisch stellten Dominik Neumann und Christoph Fey das Projekt „Bildungsmedien Online“ vor. In deutscher Sprache seien 900.000 Lehr-Dokumente für die Schule kostenlos im Internet zu finden, ist ein erstes Ergebnis des Forschungsprojektes. Mehrmals betonten sie, wie bedenklich es sei, wenn Unterrichtsmaterial ungeprüft und mit dem Logo von Unternehmen in die Schule käme. Darüber kann man sicher nachdenken. Pikant dabei ist nur, dass dieses Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem „Verband Bildungsmedien“ läuft, was i.d.R. bedeutet „von diesem finanziert wird“. „Der Verband Bildungsmedien vertritt die Interessen jener Unternehmen, die Medien und Lernlösungen für das Bildungswesen produzieren“ so die eigene Darstellung im Internet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

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Folterkammer für Lerner?

Gestern durfte ich zu einem Workshop zur Neuausrichtung einer großen Akademie beitragen. Es ging unter anderem um die Dienstleistungen, die so eine Lehr-Institution bisher ihren erwachsenen Lernern anbietet, und welche das in Zukunft sein sollen.

Hier eine unvollständige Liste von Dienstleistungen für Teilnehmende, die in Lehr- und Lern-Settings heute üblich sind:

  • Vordefinierte Lernziele für diese Maßnahme
  • Zielgenau abgestimmt auf den typischen Lerner dieser Zielgruppe
  • Vorbereitungsmaterial zum Durcharbeiten vor dem Seminar
  • Aufforderung eigene Fälle zur Bearbeitung im Seminar mitzubringen
  • vorgeplanter inhaltlicher Aufbau
  • vorgeplanter zeitlicher Ablauf
  • aufeinander aufbauende Module
  • klar didaktisch gestalteter Lernweg
  • Eingangstests
  • Zwischentests
  • Abschlusstests
  • Leicht verständliche Kurs-Dokumentation, auch zum Nachschlagen nach dem Seminar
  • Umfangreiche Kursdokumentation wird als Ordner im Seminar ausgehändigt
  • Regelmäßig eingebaute didaktisch gestaltete Übungen
  • Gemeinsames Arbeiten in Kleingruppen
  • Präsentation der Gruppenergebnisse im Plenum
  • ….

Erfahrene Seminarteilnehmer können diese Liste bestimmt mit weiteren „Dienst-Leistungen“ ihres jeweiligen Seminaranbieters ergänzen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen da als Lerner in solch üblichen Seminaren geht. Ich jedenfalls empfinde viele dieser gut gemeinten „Dienstleistungen“ fast immer als Übel, durch das ich wohl durch muss. Und die Gesamtheit dieser „Dienstleistungen“ wirkt auf mich eher wie die Ausstattung der Folterkammer für Lerner.

„Ich wollte doch nur eine Antwort für meine Fragen. Das war der Grund, weshalb ich dieses Seminar buchte. Und statt einer einfachen Antwort kommt ein riesiges Beschäftigungspaket, fein granular durchstrukturiert, alles ist vorgeplant und muss nur noch nach Vorgabe abgearbeitet werden. Es gibt nur diesen einen Weg, egal wie ich das finde. Freiraum für eigene Wege gibt es nicht, der ist im Ablaufplan des Trainers nicht vorgesehen. Ich merke, wie sehr ich mich zwingen muss, da mitzumachen. Glücklicherweise ist aber auch das Ende des Seminars minutiös geplant. Das ist meine einzige Hoffnung.“

So oder ähnlich könnten sicher viele Lernende von ihren Seminar-Erfahrungen berichten. Wir machen was falsch, wenn wir so mit Erwachsenen – mit meist gestandenen Experten in ihrem jeweiligen Job –  umgehen. Schon die Vorstellung, wir wüssten wie man sich einen Stoff richtig erarbeitet, halte ich für eine Anmaßung. Aber wir planen Lehrsituationen genau so. Wir können nur von Glück reden, wenn sich unsere Teilnehmer fügen und nicht protestierend den Raum verlassen. Aber leider haben wir damit den Begriff „Lernen“ von eigentlich freudigem Erleben mit etwas anstrengendem, unangenehm fremdgesteuerten verbunden, das man möglichst meidet.

Lernen geht anders. Aus meiner Sicht ist Lernen immer ein individueller und ein selbstgesteuerter Prozess. Lasst uns Dienstleistungen finden, die selbstgesteuertes Lernen unterstützen. Dazu später mehr.

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Junge Journalisten zeigen wie man Lern-Content digital aufbereitet

Ein Blogbeitrag der Netzpiloten hat mich heute auf den Next Media Report von Next Media : Hamburg aufmerksam gemacht. Darin werden Journalisten in verschiedenen Städten nach ihrem Umgang mit digitalen Medien befragt. Das kurze Interview (3:43) mit Bernhard Riedmann von der IPad Redaktion des Spiegel hat mich intensiv angesprochen.

“Das Tablet hat eine ganz entscheidende Eigenschaft: Man kann damit eingreifen” sagt Bernhard Riedmann gleich zu Beginn. Damit wird Interaktion möglich. Das bedeutet Abkehr vom passiven Aufnehmen dessen, was serviert wird. Und seine Absicht ist, Journalismus so zu gestalten, dass Interaktion möglich wird, „ein Filmchen abzuspielen ist zu wenig“. Und wie er das meint, demonstriert er dann auch kurz in einem interaktiven Video aus einem Pekinger Gründercafe. Zuschauer können (vorformulierte) Fragen an die Cafe-Besucher stellen, die dann antworten.

Sicher noch ein erster Versuch. Aber die Absicht von Bernhard Riedmann ist hoch interessant: Er will

  • die Leser (irgendwie passt der Begriff am interaktiven IPad nicht mehr richtig) dorthin bringen wo die Geschichte passiert
  • die Geschichte selber fühlbar und erfahrbar machen
  • das Eintauchen in die Geschichte durch Interaktivität erreichen

Wenn „Stoffe plastischer werden, das Erleben intensiver wird, wird damit auch die Teilnahme des Lesers intensiver. Dadurch wird sie unvergesslich.

Ist das nicht genau die Beschreibung, die gut aufbereiteten Lern-Content ausmacht? Wenn Stoff unvergesslich geworden ist, ist er gelernt! Die 2 Haupt-Botschaften, die Bernhard Riedmann uns Learning Professionals für digitalisierten Content gibt, scheinen mir eindeutig:

  • Interaktivität nutzen, um in die „Geschichte“ hineingezogen zu werden
    (Dazu gehört auch die interessant dargestellte Geschichte)
  • Intensives Erleben, Empfinden auslösen, „Fühlen“ ermöglichen

Das klingt nach Aufwand. Stimmt. Das klingt aber auch nach mehr Effektivität als bei vielen Präsenz-Darstellungen. Und dieser Aufwand fällt nur einmal an.

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