Erfahrung als Teilnehmer einer Online-Konferenz – Beitrag zum 10. Wissenswert Blog Carnival


Vor wenigen Wochen hatte ich die Gelegenheit zum ersten Mal an einer zweitägigen Online-Konferenz teilzunehmen. Mich hat das Thema interessiert, aber noch mehr die Frage, wie es mir als Teilnehmer einer solchen Konferenz am Schreibtisch im Büro geht. Dabei muss ich zugeben, dass ich ein komfortables Einzelbüro habe, in dem ich auch ungestört arbeiten kann. PC-Lautsprecher sind dort auch nutzbar, ohne dass es Andere stört.

Gespannt loggte ich mich also kurz vor der Veranstaltung ein. Zwei Moderatoren begrüßten die langsam eintreffenden Teilnehmer. Die Moderatoren, die in einem kleinen Video-Fenster zu sehen waren, schufen damit schon ein wenig angenehmes Klima. Von den anderen Teilnehmern sah ich nichts, mich hätte natürlich interessiert, wer denn wohl noch dabei ist. Aber dann sah ich in den Chat-Beiträgen, dass ohnehin viele nur ihren Nickname angegeben hatten, um nicht wirklich bekannt zu werden in dieser Runde.

Der erste Vortrag startete, und ich war ganz fasziniert, das das für mich ein Feeling, wie in einer realen Konferenz ist. der Referent ist in kleinem Fenster zu sehen, die Sprachübertragung war hervorragend, seine Folien liefen schön sichtbar direkt vor mir ab – und ich konnte mich entspannt zurücklehnen und zuhören. Dann ertappte ich mich dabei, während des Vortrages immer wieder mal ins Internet zu gehen, um einige Begriffe nachzuschlagen, zu denen ich mehr wissen wollte. Im Chat stellte ich einr Frage an den Referenten, die er zwar nicht gleich beantwortete, aber der Moderator griff die dann am Ende auf und stellte dem Vortragenden meine Frage.

Der erste Vortrag dauerte eine halbe Stunde. Das war auch genug, so war mein Eindruck am Büro-PC. Dann meldeten sich die Moderatoren wieder mit einigen Anmerkungen zur Teilnehmerzahl und zu den weiteren Themen, und es folgte der zweite Vortrag. Die Übertragungsqualität des Tons war deutlich schlechter, aber auch erträglich. Dabei stellte ich fest, dass ja auch die Referenten nur an Ihren Schreibtischen in ihren Büros sitzen, weshalb die Internet-Verbindungen unterschiedlich sind. Irgendwie sprach mich der zweite Referent aber nicht so an, sein Thema schien mir auch nicht so spannend. Also der Blick auf die Agenda, wann wohl der nächste Vortrag startet. Das waren noch 15 Minuten. Ok, dann kann ich ja noch schnell ein paar Mails bearbeiten.

So verging der Tag dann sehr wählerisch. Ich schaute mir einige Vorträge sehr interessiert an, und klinkte mich dort im Chat auch ein, andere besuchte ich erst gar nicht. Am zweiten Tag gab es längere Vorträge von 45 Minuten bis zu einer Stunde. es fiel mir ungleich schwerer, am PC dabei zu bleiben. Also eine erste Erfahrung für mich: Online-Vorträge müssen kurz sein, eine halbe Stunde scheint mir schon das Maximum.

Am Ende war ich trotzdem fasziniert über diese Online-Konferenz. Irgendwie war es ja wie bei einer realen Konferenz. Auch dort gibt es mehr oder weniger interessante Referenten und Beiträge. Nur kann ich bei einer klassischen Real-Konferenz dem kaum ausweichen. Natürlich kann man den Saal verlassen. Aber dann? Im Büro kann ich die Zeit ganz gut nutzen. Und das schnell mal zu-dem-Thema-woanders-informieren ist in einem Konferenzsaal auch schwierig. Die Möglichkeit über den Chat Fragen an den Referenten loszuwerden, wenn sie mir kommen, erscheint mir auch ein echtes Plus.

Was einzig fehlt, ist das Networking mit anderen Teilnehmern. Das fand in dieser Online-Konferenz überhaupt nicht statt. Trotzdem war mit klar: Wer eine Online-Konferenz so erlebt hat, geht doch kaum wieder zu einer klassischen Konferenz, auf denen das Networking ja meist auch nicht so im Vordergrund steht.

Mein Schluss daraus: Vermutlich werden sich die mehr vernetzenden Realformate – das sind aus meiner Sicht alle Unkonferenz-Formate – weiter stark verbreiten. Auf der anderen Seite werden sich die Online-Konferenzen mehr und mehr etablieren, weil es immer mehr Menschen geben wird, denen das zur umfassenden Information völlig ausreichen wird. Wer reale Vernetzung sucht, findet zu BarCamps und ähnlichen Formaten. Wer nur Information sucht, wählt Online-Konferenzen – was ja auch wirtschaftlich gesehen die günstigere Alternative ist, schon wegen der fehlenden Reise- und Übernachtungskosten. Die klassischen Konferenzen werden es dann sicher schwer haben, dazwischen noch in großer Zahl zu bestehen.

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3 Antworten zu Erfahrung als Teilnehmer einer Online-Konferenz – Beitrag zum 10. Wissenswert Blog Carnival

  1. Pingback: Beiträge zum 10. Wissenswert Blog Carnival: Funktionieren eigentlich Online-Seminare und -Konferenzen? – WissensWert

  2. eLEx schreibt:

    Lieber Karlheinz,
    interessant, Deine Sicht der Dinge in punkto Online-Konferenzen zu lesen!
    … Du bist ein Gedanken-Anreger, wie immer!

    Ich habe mich übrigens auch im Rahmen des BlogCarnival dazu ausgelassen, und zwar hier: http://lernspielwiese.wordpress.com/2009/12/03/live-und-synchron-funktioniert-das-uberhaupt/

    Es grüßt Dich ganz ganz herzlich (und freue mich auf Hamburg)

    Deine Monika

  3. Pingback: Ausgabe 10: Funktionieren eigentlich Online-Seminare und -Konferenzen? - WissensWert

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