BarCamp-Kultur: Untersuchung von Marcel Bernatz

BarCampkultur: Lernökologie mit Potentialen zur Netzwerk- und Communitybildung?“ ist der Titel der demnächst als pdf erhältlichen Diplomarbeit von Marcel Bernatz. In seinem Blog hat er schon mal die wesentlichen Ergebnisse zusammengefaßt. Theoretisch unterlegt er die Community-of-Practice-Idee von Wenger und die Konnektivismus-Gedanken von Siemens (Lerntheorie für das digitale Zeitalter).

Bei letzterem findet er die Verbindung von Lernen und Netzwerken:
„Siemens sieht erfolgreiches Lernen als einen Netzwerkbildungsprozess. Durch hinzufügen neuer Knoten gewinnt ein bestehenden Netzwerk an Bedeutung(en). Netzwerke können generell als interne und externe Netzwerke aufgefasst werden.
Ein internes Netzwerk ist beispielsweise unser Gehirn, in welchem das bestehende Netzwerk durch Aufbau neuer Synapsen (Verbindungsleitungen) erweitert wird, und so an Bedeutung gewinnt. Man denke an ein Gespräch in welchem neue Informationen dazu führen, dass „alte Informationen“ (bzw. bestehedes Wissen) an Bedeutung gewinnen. Externe Netzwerke hingegen befinden sich außerhalb unseres Körpers und liegen als Verbindungen zwischen Personen (oder Computern) vor. Entscheidend ist die Auffassung, dass das Verbinden mit neuen Knoten, seien es nun Personen außerhalb unseres Körpers oder neue „Wissensobjekte“ in unserem Kopf, als Lernprozess gesehen werden kann.“

Lernen scheint das zentrale Thema bei BarCamps für Marcel Bernatz zu sein:
„Siemens modelliert im Rahmen seiner Theorie einen Raum, eine sogenannte Lernökologie. Eine solche Ökologie bietet bestmögliche Voraussetzungen, dass sich dort Konnektionen bilden können. Da der Aufbau von Konnektionen für Siemens gleichbedeutend mit Lernen ist, wird von einer Lernökologie gesprochen.
Eine solche Ökologie sollte laut Siemens optimalerweise folgende Eiegnschaften besitzen:

# Unstrukturiert und informell
# Tool-Rich
# Beständig
# Vertrauensvoll
# Einfach
# dezentralisiert, förderlich, verbunden
# Fehler- und Experimentiertolerant“

Irgendwie scheint mir das plausibel. Das erklärt auch, warum so viele nach einem BarCamp sagen, sie hätten so viel gelernt. Wenn es aber stimmt, dass diese Rahmenbedingungen Lernen fördern – z.B. unstrukturiert und infomell – dann müssen wir uns in üblichen Lehrsituationen fragen, ob wir da wirklich Lernen unterstützen.

Die Einordnung von BarCamps beschreibt er treffend so: „Bei genauerer Betrachtung stehen Konferenzen und Barcamps ungefähr zueinander wie das klassische Internet und das Web 2.0. Auf der einen Seite finden sich feste oder vorgefertigte Strukturen, wenig Interaktivität und einseitige Kommunikation – auf der anderen Seite stehen der Community-Gedanke, der ständige Austausch und das aktive Beteiligen im Vordergrund.“

Bin gespannt auf die angkündigte ausführliche Fassung der Diplomarbeit. Danke, Macel Bernhard, für das schnelle und auführliche Vorab-Informieren!

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2 Antworten zu BarCamp-Kultur: Untersuchung von Marcel Bernatz

  1. Marcel B schreibt:

    Es scheint folgerichtig, dass traditionelle Lernumgebungen überdacht werden müssen, allerdings basiert die Wahrnehmung der Aspekte einer Lernökologie auf der persönlichen Einschätzung der Befragten. Dies muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass tatsächlich viel gelernt wurde. Um dies herauszufinden müsste man den Lernzuwachs gesondert evaluieren. Jedoch scheint vor allem die offene, vertrauensvolle Umgebung grundsätzluch geeignet eine gewisse „Begeisterung“ für das Lernen hervorzurufen.

    Kleine Anmerkung: Der Name ist Marcel Bernatz (nicht Macel Bernhard)😉

  2. khpape schreibt:

    Oh, sorry, Marcel Bernatz natürlich. Irgendwie ließ wohl meine Konzentration gestern nach.
    Besten Dank auch für Deinen Kommentar. Ich sehe auch das nicht gelöste Problem, des Nicht-Beweisen-Könnens von vermutetem intensiverem Lernen bei BarCamps und anderen Lerngelegenheiten.
    Auch eine Evaluation auf Lernzuwachs würde mich da nicht wirklich zufrieden stellen. Da läßt sich ja nur messen, was sich ein Beobachter als Lernerfolg vorstellt. Bezogen auf den Lernenden ist das vermutlich nur ein ganz kleiner Teil dessen, was der als Lernerfolg für sich spürt – und offensichtlich brauchte.
    Außerdem geht eine Lernerfolgsmesung von gleichem Ziel für alle aus. Das allein schon scheint mir hinterfragenswert. Warum haben wir eigentlich die Vorstellung, alle müssten am gleichen Maßstab gemessen werden? Warum sollten wir nicht gerade die Unterschiedlichkeit von Kompetenzen und Persönlichkeiten fördern?

    Beste Grüße
    Karlheinz Pape

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