Cloud Computing: Vorbild oder Abbild sozialer Systeme?

BarCamp-Besuche sind immer wieder überraschend. Habe heute auf dem EduCamp in Hamburg eine Session von Thomas Metschke, einem der Gründer von http://www.meinprof.de/ erlebt, mit dem Titel Cloud-Computing. Das Modell könne man sich für IT-Dienste so vorstellen, wie die Bereitstellung von jederzeit abrufbarer Energie. In den Anfängen der Elektrifizierung haben Unternehmen auch ihr eigenes Kraftwerk betrieben. Heute ist das Erzeugen und Bereithalten von Elektroenergie ein ausgelagerter Prozess: Strom bezieht man von externen Providern nach Bedarf. So ähnlich muss man sich das in Zukunft auch mit IT-Leistungen in Unternehmen vorstellen. IT-Dienste, wie das Bereitstellen von Serverkapazität, Netzinfrastruktur, oder auch von Software – alles das gehört nicht zu den Kernprozessen eines Unternehmens, und kann auch als Leistung von außen eingekauft werden. Das hat große Vorteile, weil die Investition in eigene IT-Infrastruktur grundsätzlich immer zu groß dimensioniert sein muss. Schließlich müssen ja auch die zu erwartenden Spitzen-Bedarfe abgedeckt werden, und die schwanken ja schon innerhalb eines Tages erheblich. Ein Abruf von Serverleistung nach Bedarf, oder auch die Nutzung von Software-Applikationen, nur wenn sie wirklich gebraucht werden, ist preisgünstig und erfordert keine Investitionen, die sich ja immer erst viel später amortisieren.

SaaS (Software as a Service), PaaS (Plattform as a Service) und IaaS (Infrastructure as a Service) sind Dienste, die schon seit einiger Zeit angeboten werden. Ein großer Player auf dem Gebiet ist Amazon. Man kennt ja auch bisher schon von Amazon, dass sie ihre Infrastruktur auch anderen zur Verfügung stellen. So können Händler ihre Waren bei Amazon lagern, und nach Angabe an Kunden versenden lassen, so als wenn es der eigene Versand wäre. Da Amazon aber für die eigene Geschäftsabwicklung auch weltweit verteilte IT-Infrastrukur betreibt, liegt es nahe, diese IT-Systeme auch für Interessenten gegen eine Gebühr verfügbar zu machen. Damit ist Amazon nun auch in den Markt der IT-Service-Provider mit IaaS, SaaS und PaaS eingestiegen.

Dabei werden die eigenen weltweit IT-Ressourcen so genutzt, dass immer die Systeme, die noch freie Kapazitäten haben für diese Services genutzt werden. Damit sind auch sich dynamisch ändernde Lasten gut zu bewältigen. Der Kunde merkt gar nicht, ob für ihn gerade Rechner in Amerika oder Europa arbeiten. Auch nicht, wenn mehrere Computer Systeme verteilt für ihn arbeiten. „Amazon Elastic Compute Cloud“ ist dort der Produktname dafür.

Mir fällt dabei auf, das Cloud Computing ja eine schön erklärbare Analogie zum Arbeiten in sozialen Netzen ist. Kann man sich ein Unternehmen nicht auch so vorstellen, dass hier die gesamte Bearbeitungskapazität auf viele Menschen verteilt ist, die alle untereinander vernetzt sind? Auch hier verschieben sich im Idealfall Arbeitspakete bei steigender Nachfrage auf weitere Personen. Der Ausfall eines Mitarbeiters durch Krankheit wird in der Regel schnell durch jemand Anderen ausgeglichen. Voraussetzung für das „Verschieben“ von Arbeitspaketen ist auch hier eine gute Vernetzung und das Wissen um vorhandene Kapazitäten und Kompetenzen.

Vielleicht können wir uns bei Cloud Computing noch etwas abschauen: Dort handeln die Computer untereinander automatisch aus, wer bei steigender Last noch welche Aufgaben übernimmt. Eine gut vernetzte Organisation mit Transparenz bei Auslastung und Kompetenz und klarer Zielausrichtung (alle „wollen“ auch), könnte auch große Laständerungen selbstorganisiert verteilen. Irgendwie funktioniert das in Unternehmen nur teilweise so.

An ganz anderer Stelle finden wir Cloud Computing ja schon perfekt selbstorganisiert umgesetzt: Wikipedia ist eines von vielen Web 2.0-Beispielen für das selbstorganisierte Bearbeiten gut vernetzter, verteilter „Bearbeitungskapazitäten“.
Oder ist es vielleicht doch anders herum, das Cloud Computing uns Menschen nachmacht?

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4 Antworten zu Cloud Computing: Vorbild oder Abbild sozialer Systeme?

  1. Pingback: Educamp Hamburg 2010 – eine Reflexion « Mediendidaktik 2.0

  2. Pingback: EduCamp – Fazit « Imagepool

  3. Winrich Klatt schreibt:

    Super, das ist mir neu. Danke für den Hinweis! Dafür benutze ich das Internet, dass man fix auf solche wichtigen Informationen stößt🙂. Vielen Dank nochmal und schöne Grüße, Winrich Klatt

  4. Pingback: EduCamp – Fazit – AnaSphäre

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