Klassische Konferenzen mit BarCamp-Elementen mischen?

Einige Augsburger Studentinnen haben beim EduCamp 2010 in Hamburg ihr Konzept für eine Mischung einer klassischen Konferenz mit BarCamp-Elementen zur Diskussion gestellt. Der Wunsch nach einer Verbindung beider Formate taucht öfter auf, und ab und zu hört man auch von mehr oder weniger gelungenen Versuchen.
Aus meiner Sicht ist eine Kombination beider Formate nicht recht möglich. Das liegt an völlig unterschiedlichen Rahmenbedingungen für jeweils erfolgreiche Veranstaltungen.

Klassische Konferenzen, etwas überzeichnet dargestellt:

Der übliche Ablauf ist wie ein Ritual zur Verehrung ausgewählter exzellenter Experten. Nach einer wert-erhöhenden Anmoderation lauschen die Zuhörer den meist etwas erhöht positionierten Referenten. Von den Zuschauerplätzen unten fällt es dann sichtlich schwer, sich dann am Ende eines Vortrages mit einer Wortmeldung nicht zu blamieren. Die meisten unterlassen das dann auch ehrfürchtig.
Und in den Pausen will auch kein so richtiges Fachgespräch aufkommen, schließlich kann man nach den hochwertigen Ausführungen des Vortragenden ja nur noch schwach wirken.

Alles läuft aber so, wie man es auch erwartet hat: Für den oft hohen Preis will man auch die Großen hören, um von ihnen ein wenig abzubekommen. Das nutzt dem Veranstalter genauso, wie dem Referenten, der sich als Ausgewählter geehrt fühlt, wie dem Teilnehmer, der seine Erwartungen bestätigt sieht.

Die klassische Konferenz lebt recht stabil von der Experten-Hierarchie und dem Abstand zu den Zuhörern. Das erfordert entsprechende Einstellungen und Verhaltensweisen auf beiden Seiten, was wiederum die Atmosphäre, das Klima solcher Veranstaltungen prägt.

BarCamps etwas überzeichnet dargestellt:

Schon zu Beginn wird das Du eingeführt. Professoren- oder andere Titel werden damit unsichtbar. Es scheint, dass alle hier auf gleicher Augenhöhe miteinander umgehen. Wegen der niedrigen Mitmach-Hürde (kein Eintritt), kommen auch Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen aus Interesse dazu.

Selbstorganisiert füllt sich das „Grid“ mit Themen und Menschen, die es am meisten schätzen, wenn alle zu Wort kommen. Ganz verschiedene Perspektiven zum gleichen Thema werden in den kurzen Sessions schnell sichtbar. Die dürfen aber meist akzeptiert im Raum stehen bleiben. Ein Streit unter Experten entsteht praktisch nicht. Im Idealfall gibt der Session-Owner nur den Einstieg. Die Gestaltung der Session übernehmen dann die Teilnehmer als Experten zum Thema.

Das BarCamp lebt von der Nicht-Hierarchie und der Selbstorganisation der Teilnehmer. Das prägt ganz andere Einstellungen und Verhaltensweisen als bei klassischen Konferenzen.

Mein Fazit: Mischung scheint schwer möglich

Wenn in einer klassischen Konferenz BarCamp-Elemente wirksam werden sollen, dann müssten die Teilnehmer blitzschnell innerlich auf „gleiche Augenhöhe“ umschalten. Außerdem scheint mir da großer Mut erforderlich, neben den offiziell ausgewählten Größen nun eine Session anzubieten. Das wirkt ja schon fast vermessen. Und eine Blamage will man in so einem hochwertigen Kontext mit nur Fachleuten aus dem eigenen Themenbereich ja auch nicht riskieren.

Also meine Empfehlung: Beide Formate nicht mischen. Aber direkt nacheinander Klassische Konferenz und am nächsten Tag ein BarCamp, damit kann man experimentieren. Nur sicherstellen, dass es auch aus Sicht der Teilnehmer wirklich um einen andere Veranstaltung geht. Übrigens umgekehrt würde ich die Abfolge nicht empfehlen. Die klassische Tagung wäre dann sicher nicht mehr die vorher geplante.

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