Selbstorganisation als mächtiges Prinzip in Web 2.0 und BarCamps

Für mich sind BarCamps eigentlich nur die reale Form dessen, was uns Menschen im Web 2.0 ja ständig vormachen, der Austausch von Gedanken und Ideen mit Anderen, und die Suche nach Gleichgesinnten für diesen Austausch. Ein BarCamp-Teilnehmer meinte, ein BarCamp sei doch so etwas wie das Treffen der Dorfgemeinschaft damals. Da hat auch jeder seine Geschichten zum Besten gegeben, und es haben sich Gruppen gebildet. Offenbar treffen die technischen Möglichkeiten des Web 2.0 und auch die BarCamps auf einen uralten Wunsch nach Austausch, Orientierung und Kontakten. Vielleicht haben die Lebensformen in unserer Gesellschaft diese Bedürfniserfüllung bisher erschwert – selbst Familien sind ja heute oft räumlich stark getrennt, und die oben genannten Dorfgemeinschaften dürfte es auch nur noch sehr selten geben.

Wer nun die Rahmenbedingungen dafür wieder schafft, gibt diesem Kontakt-, Austausch- und Orientierungs-Bedürfnis wieder Raum. Das war vermutlich nicht die Absicht, die hinter der Entwicklung zum Web 2.0 stand. Aber wir Menschen sind sehr anpassungsfähig, und nehmen offenbar sich bietende Möglichkeiten wahr, um unsere Bedürfnisse wieder optimal zu befriedigen. Während das Internet ja inzwischen für jeden der es möchte, verfügbar ist, braucht es bei den realen Formen, z.B. BarCamps, immer jemanden der den Rahmen dafür bereitstellt, also das BarCamp terminisiert, bekannt macht und organisiert.

Selbst dar Anstoß zum Organisieren eines BarCamps kommt ja praktisch nie als Auftrag von außen. Da finden sich meist ein paar Überzeugte, die sich aus freien Stücken vornehmen, ein BarCamp zu organisieren. Selbstorganisation ist also schon das Prinzip bei der BarCamp-Vorbereitung. Das Web 2.0 ist ohne Selbstorganisations-Prinzip nicht vorstellbar – und der Ablauf eines BarCamps schon gar nicht. (Wenn das Selbstorganisations-Prinzip bei BarCamps mal unterbrochen wird löst das i.d.R. sofort kontroverse Diskussionen aus – zuletzt beim EduCamp in Hamburg durch Einbau einer Fishbowl-Diskussion http://educamp.mixxt.de/networks/wiki/index.ec10hh_Nachlese ).

Selbstorganisation scheint ein Prinzip zu sein, das wir Menschen wohl gut beherrschen, dass uns niemand beibringen muss, und das erstaunliche Ergebnisse bringt. Oder wie kann man sich den Erfolg des Web 2.0 oder von BarCamps anders erklären? Und wenn Selbstorganisation so gut funktioniert, warum vertrauen wir nicht viel öfter darauf? Weil wir uns nicht vorstellen können, dass Menschen auch ohne Steuerung zu vernünftigen Ergebnissen kommen? Oder weil wir befürchten, dass unsere eigenen Absichten dann gefährdet sein könnten?

Ja, Mut gehört wohl dazu, loszulassen und auf Selbststeuerung zu vertrauen. Zumal das ja noch recht ungewöhnlich ist in unserer Gesellschaft – wer hat schon bewusst Erfahrungen damit gesammelt? Da ist es doch erfreulich, dass uns das Web 2.0 hier vielzählig beweist, dass so etwas sogar im virtuellen Raum geht. Und die steigende Zahl von BarCamps und anderen Unkonferenzen beweist, dass Selbstorganisation auch zu ganz realen exzellenten Ergebnissen führt!

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