Trainingsdauer – die falsche Zielgröße

Donald Clark hat in seinem Blogbeitrag 10 Regeln angegeben, um Kurse kurz zu halten.

Die Länge von Trainings ist aus meiner Sicht tatsächlich ein Schlüssel-Thema, das bisher viel zu wenig diskutiert wird. Lerner und Trainingsinvestoren wünschen sich möglichst kurze Einheiten, Trainer und Veranstalter kämpfen um Mindest-Zeiten, die sie nicht unterschreiten wollen.
Solange es fast nur Classroom-Trainings gab, konnten Veranstalter ihre Vorstellungen von mehren Tagen Training gut durchsetzen. Ich kenne einige Training Center, die fünftägige technische Trainings anbieten. Die offizielle Begründung: Erst dann kann der Teilnehmer wirklich selbständig damit arbeiten. Im weiteren Gespräch erfährt man aber auch, dass es ja unwirtschaftlich sei, ein kürzeres Training anzubieten, man könne ja für den Rest der Woche das TC nicht mehr auslasten. Aus dieser verständlichen Sicht, wundert es dann auch nicht, dass die unterschiedlichsten Themen immer gleichen „Längen-Rastern“ entsprechen. Und halbe oder gar drittel Trainingstage sind bei den meisten Trainings-Anbietern praktisch nicht zu finden.
Derzeit steigt aber die Nachfrage nach Online-Trainings, z.B. den Webinaren, stark an. Da ist es gar nicht mehr möglich Teilnehmer über mehrere Tage – oder mehrere Stunden – am PC zu halten. Plötzlich steht die Notwendigkeit im Raum, vernünftig wirkende Trainingseinheiten mit weniger als 1 Stunde Dauer zu gestalten. Und das auch noch unter erschwerten Bedingungen: Man kann die Reaktion der Teilnehmer während des Trainings ja nicht mehr sehen.

Mal abgesehen davon, dass es noch einen großen Lernbedarf bei Veranstaltern und Trainern zur didaktischen Aufbereitung dieser Online-Trainings gibt, wird damit ganz unterschwellig auch die Diskussion über die Dauer von Trainings angestoßen. Es ist schon eigenartig, dass Lernen offenbar immer nur in bestimmten Zeitrastern stattfinden muss: Wochen, Tage, Stunden sind die Maßeinheiten dafür. Auch die „Jahres-Leistung“ von Training Centern messen wir in „Teilnehmer-Tagen“.
Natürlich ist das nur eine Hilfs-Größe, weil es kaum möglich ist, den erreichten Kompetenz-Zuwachs zu messen. Aber offenbar hat sich diese Hilfsgröße „Dauer“ heimlich zur messbaren Zielgröße entwickelt. Auch bei etlichen Ausbildungen müssen bestimmte Mindestzeiten nachgewiesen werden.

Da ist es ganz gut, wenn wir uns in den Trainingsorganisationen wieder auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren, die Teilnehmer bei ihren ganz persönlichen Entwicklungszielen zu unterstützen. Nur dafür zahlen die Geld und opfern ihre Zeit. Also mehr Partner der Lerner zu werden, und weniger der Lehrer, der vorgibt zu wissen, was nötig ist. Ich weiß auch, dass Letzteres z.T. auch von unseren Kunden erwartet wird – weil wir sie ja jahrzehntelang daran gewöhnt haben.

Also, aus meiner Sicht könnten wir in eine sehr produktive Diskussion zur Neuausrichtung von Trainings kommen, getriggert von den Anforderungen für Online-Trainings. Und dafür sind die 10 Thesen von Donald Clark ein hilfreicher erster Schritt (Auszug):

Lernziele: Langweilig für Teilnehmer “You need to interest learners not turn them off.”
Einführung weglassen: “‘The history of…’ is particularly irrelevant.”
Hübsche aber nutzlose Grafiken: “Don’t insert graphics that simply match key nouns in the text“
Text: “Cut, cut and cut again.”
Animation: Meist weglassen “Animation is only useful if you have to show movement.”
Beende starre Zeiten: “Make it only as long as it needs to be.

Hier der Link zu Donald Clarks Blog

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