Ein ganzes MBA-Studium kostenlos im Internet – um mehr Geschäft zu machen?

Vorreiter war wohl das renommierte und teure M.I.T., das schon 2002 begann, zunächst 50 der eigenen Universitäts-Kurse für jedermann kostenlos ins Netz zu stellen. 2010 sind das bereits 2000 solcher Kurse, sogar in mehreren Sprachen mit insgesamt 100 Millionen Abrufen. Infos zu MITOPENCOURSEWARE.

Ich kann mich noch an die Begründung damals erinnern: „Wenn es doch nur das Wissen wäre, was uns ausmacht, dann bräuchten wir ja nur die Bibliothek“. Inzwischen sind ganz viele Universitäten dem Beispiel gefolgt, die ebenfalls ihre Vorlesungen auf Video aufnehmen und kostenlos ins Netz stellen. Die Open Educational Ressources (OER)-Initiative wird heute auch von vielen anderen Bildungseinrichtungen unterstützt, und wächst weltweit stetig.

Vor wenigen Tagen hat nun die London School of Business & Finance verkündet, man werde nun auch die gesamte MBA-Ausbildung für jedermann kostenlos im Netz anbieten. Als Plattform hat man sich für Facebook entschieden. Alle Lektionen sind kostenlos buchbar, nur wer am Ende die Prüfung machen möchte, muss dafür bezahlen. Der Preis wurde bisher noch nicht bekanntgegeben. Diese Entscheidung der LSBF ist deshalb spannend, weil sie auch bisher schon einen Online-MBA anbieten, für ₤ 11.500. (http://www.studyinteractive.org/studying-with-interactive/tuitionandfees/ )

Nach eigenen Angaben erwartet die London School of Business schon im ersten Jahr über 500.000 Teilnehmer an diesem Programm. Das sind, verglichen mit den bisher 12.000 Studenten der LSBF, ganz andere Größenordnungen. Aus der Pressemitteilung kann man entnehmen, dass man wohl auf steigende Anmeldungen fürs Präsenzstudium oder für die Prüfungen setzt: “This revolutionary „try before you buy“ approach offers two unique advantages: Firstly it means that those interested in learning business skills can now do so from some of the best business lecturers, through an innovative and familiar delivery channel at no cost; and secondly those considering going for formal MBA qualification can test both the quality of the programme and their aptitude and interest before any financial commitment.”

Das ist aus meiner Sicht auch ein Denkanstoß für Produkttrainings in Unternehmen:

Einerseits wird immer mehr Wissen öffentlich zugänglich kostenlos bereitgestellt werden, so dass auch hier Kundenerwartungen entstehen werden, andererseits sind Produktionskosten für Präsenztrainings mit begrenzter Teilnehmerzahl immer recht hoch. Da stellt sich schon die Frage, ob es nicht besser wäre, die Theorie-Teile, oder möglicherweise auch einige Praxis-Übungen, einmal bei einem guten Trainer als Video-Stream aufzunehmen, und dann im Netz online kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Für das Zertifikat ist jedoch der persönliche Nachweis des Könnens in der Trainingsorganisation zu erbringen.

Für dieses „Kompetenz-Zertifikat“ vom Hersteller kann dann auch eine ordentliche Gebühr fällig werden. So ganz grob überschlagen, könnte das auch für Trainingsorganisationen als Profit-Center die wirtschaftlich interessantere Alternative sein. Schließlich lässt sich dadurch viel Aufwand bei Räumen, Trainern und Verwaltung einsparen. Gleichzeitig ließe sich das kostenlos erhältliche Produkt-Wissen auch im Marketing für die Unternehmensprodukte gut „vermarkten“ – immer mit dem Hinweis auf die anschließende kostenpflichtige Kompetenz-Zertifizierung durch den Hersteller.

Natürlich braucht es mutige Vorreiter dafür – allerdings scheint es dem hochpreisigen M.I.T. in den letzten 8 Jahren ja auch nicht geschadet zu haben!

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