Corporate Learning als Kantine oder als Imbiss?

Gestern, beim Treffen der Community of Training Practice HESSENMETALL diskutierten wir über folgendes Bild:
Lernen ist eigentlich gut vergleichbar mit dem Essen. Beim Essen geht es um die Zufuhr von Nährstoffen als Vorbedingung für das Funktionieren des Organismus und für jegliches menschliche Schaffen.

Lernen bezeichnet man zuweilen auch als „geistige Nahrung“. Ganz ohne Lernen würde sich wohl niemand in einer Organisation zurechtfinden. Und auch erwartete Leistung setzt immer Lernen voraus, was man an Einarbeitungszeiten gut erkennen kann.

Bleiben wir beim Essen: Zu meiner Studentenzeit – das liegt 40 Jahre zurück – gab es klar geregelte Gelegenheiten satt zu werden. Die Mensa fürs Mittagessen wurde später von der Kantine abgelöst. Beide boten vorbestimmte Mahlzeiten, praktisch ohne Wahlmöglichkeiten. Und draußen gab es nur sehr selten einen Imbiss, zu dem man ausweichen konnte. Aber Mensa- wie Kantinenbetreiber versicherten, dass sie auf ausgewogene Ernährung für uns achteten. Sie wussten was gut für uns ist. Wir waren davon allerdings nicht so überzeugt.

Irgendwie ist das heute anders. Jeder Bäcker bietet kleine Snacks, unzählige Imbisse laden zum schnellen Sattwerden ein. Mensa und Kantine haben ernsthafte Konkurrenz, was dort auch zu deutlichen Verbesserungen führte.

Ist die Trainingsabteilung nicht so etwas wie die Lern-Kantine?

Vorbereitete Seminare vermitteln alles, was der Mitarbeiter benötigt. So jedenfalls werden die relevanten Inhalte zusammengestellt und möglichst bekömmlich aufbereitet. Diese kompakte und inhaltsreiche „Nahrung“ sind die Mitarbeiter auch gewohnt, man hat ja (noch) keine Alternative zur meist mehrtägigen Inhalts-Aufnahme. Wenn’s denn sein muss – mit dieser Einstellung fügen sie sich dem Unvermeidlichen.

Was wäre anders, wenn es der Trainingsabteilung gelänge, viele interessante Learning-Imbisse zu installieren? Mit kurzen Lernsequenzen zu den wichtigsten Themen. Jederzeit verfügbar, so dass jeder Mitarbeiter sich die Infos holen kann – wenn er sie braucht: Ohne Vorbestellung, ohne Wartezeiten, ohne Buchungshürden. Vielleicht sind ja auch kleine Menü-Zusammenstellungen dabei, das empfohlene Mc-Menü der Trainingsabteilung?

Wie werden Mitarbeiter darauf reagieren? Wird das Learning-Imbiss-Angebot angenommen? Werden konventionelle Seminare dann gar nicht mehr nachgefragt? Oder wird es ein neues Gleichgewicht geben, zwischen Lern-Kantinen-Besuchen und Lern-Imbiss-Nutzung? Werden sich Ansprüche an Seminare damit verändern?

Spannende Fragen, die wir gestern natürlich nicht abschließend klären konnten. Das beschäftigt uns sicher noch einige Zeit.

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