Open und die Grenzen von Open (#mmc13)

Im derzeit laufenden MOOC-Maker Kurs  wird gerade die Frage behandelt “Wie open sind MOOCs wirklich?”. Das einstündige Hangout on Air vom 31.1.2013 lohnt sich wirklich anzusehen.

Einer der Experten in diesem Gespräch war Ton Zijlstra, Experte zu Lernen und Wissensarbeit im Netzwerkzeitalter aus den Niederlanden. Er betrachtet unsere Gesellschaft als Netzwerk. Aus diesem Blickwinkel hat er in einem interessanten Blogbeitrag das Thema Open anschaulich umrissen.

Ton Tijlstra sieht “Open” als eine Konsequenz der Anwendung der Netzwerk-Metapher auf unsere Gesellschaft. Heute ist es das Internet, dass als neue Vernetzungs-Infrastruktur auf die Gesellschaft zurückwirkt, wie das damals die Eisenbahn war, die zur Einführung einer einheitlichen Zeit, der “Railway Time” führte. Der Netzwerk-Charakter des Internets – und die dort ungeplant und vielzählig entstehenden Netzwerke beweisen immer deutlicher das große Möglichkeitspotential von Netzwerken, die selbstgesteuert entstehen und sich weiterentwickeln. Das stellt natürlich unsere bisherigen Vorstellungen hierarchischer Organisationsformen zumindest in Frage. Die vielen Ansätze von Open-Innovation bis Open Science sind nur ein Beispiel dafür, dass die Netzwerk-Metapher auch unsere Organisationen beeinflusst. Und das hat dann gar nichts mehr mit On- oder Offline zu tun – wir Menschen beginnen immer mehr, uns als Teil eines Netzwerkes zu verstehen.

In Netzwerken gelten andere Regeln als die hierarchisch gewohnten. Im Netzwerk bin ich ein Netzwerk-Knoten, der aktiv Verbindungen zu anderen Netzwerk-Knoten aufbauen kann. Auch andere Netzwerk-Knoten können Verbindungen zu mir aufbauen. Voraussetzung für eine Netzwerkbildung ist die Sichtbarkeit und der freie Zugang zu diesen Knoten. Sichtbarkeit entsteht durch Aktivität im Netz. Der freie Zugang zeigt sich erst beim Versuch des Verbindungsaufbaus mit einem Netzknoten. Aktives Antworten auf von anderen eingebrachte Beiträge sind eine Form der Offenheits-Bestätigung. Eine ganz andere Form freien Zugang zum „eigenen Netzknoten“ zu gewähren, ist eine erlaubende Lizenzierung der Verwendung der eigenen Inhalte. Also, wenn im Extremfall jeder darauf besteht, dass alles von ihm produzierte nur von ihm verwendet werden darf, fehlt der freie Zugang zu anderen Netzknoten und das Netzwerk hätte keinen Wert.

Netzwerke erfordern also Offenheit, das Gestatten der Verwendung eigener Inhalte, die Erlaubnis der Verbindung. So ausgedrückt, wird deutlich, dass es ein individueller Akt sein darf, trotzdem Grenzen von Offenheit zu ziehen. Netzwerke funktionieren auch, wenn nicht alles von mir (und anderen) offen zugänglich ist. Ganz im Gegenteil, Ton Tijlstra weist mit dem Begriff Transparenz auch auf die Durchsichtigkeit oder „Nichtsichtbarkeit“ eines total offenen Knotens hin. Wenn also alles von mir – und unabhängig von mir – im Netz verfügbar ist, dann hat mein Knoten keine Relevanz mehr. Anders ausgedrückt: Um weiter im Netzwerk mitwirken zu können, muss es für Andere irgendwie interessant sein, sich mit mir zu vernetzen. Das bedeutet, nicht total vorherberechenbar zu sein (man weiß schon was da kommt), sondern eher für immer wieder überraschend Neues bekannt zu werden.

Dank an Ton Tijlstra für den Hinweis auf die notwendigen Grenzen von Open! Ein Open kann es ja auch nur geben, solange es ein Geschlossen gibt. Eine doch ganz beruhigende Botschaft für die immer wieder aufflammende Diskussion um die Privatsphäre. Und außerdem ist ja der Umgang in Netzwerken eine sehr vertraute Angelegenheit im alltäglichen Umgang mit unseren realen Netzwerken. In virtuellen Netzwerken gelten keine anderen Regeln.

 

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