Inverted Classroom: Erfahrungstipps vom Experten Loviscach

Die 2. Inverted Classroom Konferenz – #icm2013 – am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Philipps Universität Marburg  wurde mit einem sehenswerten Vortrag von Prof. Jörg Loviscach am zweiten Tag gestartet. Mit 8,8 Millionen Zugriffen, mehr als 2000 selbsterstellten Youtube-Videos zur Vorbereitung seiner Mathe- und Informatik-Vorlesungen – und als erster deutscher Dozent mit einer laufenden Lehrveranstaltung bei Udacity mit inzwischen 20.000 Teilnehmern – ist Prof. Loviscach ein ausgewiesener Experte für Flipped Classroom und Massive Open Online Courses (MOOC).

In knapp 24 Minuten berichtet Prof. Loviscach wie er seine Lernvideos erstellt, wie die Verknüpfung mit den Präsenzphasen bei ihm läuft und welche Vor- und Nachteile der Flipped Classroom hat. Natürlich hat er diesen Vortrag auch aufgezeichnet und seinen vielen Videos auf Youtube hinzugefügt:

Wer sich mit dem Gedanken trägt, das Flipped Classroom Modell zu übernehmen findet in den 25 Minuten eine komplette praktische Anleitung, von der Aufzeichnung bis zur Handhabung in der Lehre. Wer das Video auf sich wirken lässt, der bekommt Lust mehr davon zu sehen, oder selbst gleich anzufangen eines zu produzieren.

Hier ein paar bemerkenswerte Aussagen daraus:

Loviscach nimmt seine Videos vor realem Publikum auf. Da muss man kontinuierlich weitermachen, man kann nicht wiederholen, wenn etwas nicht gut genug erschien. Im Studio oder Büro ist man nie mit der eigenen Leistung zufrieden und wiederholt ständig, was viel Zeit kostet. Die Live-Aufzeichnung mit allen Versprechern und Zwischenfragen der Studenten ist einfach viel authentischer.

Mit einem selbst erstellten kleinen Programm (das übrigens hier kostenlos heruntergeladen werden kann), wird auf jedem Film die CC-Lizenz eingeblendet, und bei Bedarf ein Zeitstempel zum Wiederfinden für eine Stelle, die Loviscach nachbearbeiten will. Damit braucht er nicht das ganze Video anzusehen. Nachbearbeitung findet aber kaum statt: Fast alle Videos sind sofort nach der Aufnahme ins Netz gegangen. „Ich werde die allermeisten meiner Videos zeitlebens nicht sehen“ so Loviscach. „Nur so schafft man es 2000 Videos zu produzieren“.

Das Dozentenbild lenkt nur ab, und der sprechende Kopf ist beim möglicherweise notwendigen nachträglichen Schneiden nur hinderlich. „Hochglanz“ ist schädlich, kalt und statisch, das belegen sogar Studien.

Die Lernenden müssen konsequent zum Vorher-Anschauen erzogen werden. Wiederholungen in der Präsenzphase gibt es nicht, stattdessen startet Loviscach gleich mit Aufgaben im Plenum. Dort gibt er ungern Antworten, eher stellt er weitere Fragen. Und das auf Augenhöhe: „Gehen Sie in die Knie, wenn Sie mit den Studenten sprechen. Das macht einen großen Unterschied.“

Die Klausurergebnisse sind mit Einführung des Flipped Classroom Prinzips „nicht schlechter geworden“, wohl aber die Eingangsvoraussetzungen die Studenten mitbringen, klagt Loviscach. Die Vorteile des Flipped Classroom gleichen das wieder aus. Und gegenüber Lehrbüchern haben Videos doch einige Vorteile, z.B. dass man sie nicht scannen, also mit querlesen überfliegen kann, wie das wohl von Studenten mit vielen Texten gemacht wird. Außerdem zwingt Video auf den Punkt zu kommen, nur das Wesentliche darzustellen. Beim Video muss man informell sein, kann nicht auf Fußnoten verweisen, und das „dual coding“ über Grafik und gleichzeitige Sprache ist ein Vorteil gegenüber dem Lehrbuch.

Dennoch ist der Flipped Classroom nicht das Wundermittel. Studierende müssen schon mitmachen wollen.

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