Personalentwicklung für die Generation Y – ZEIT Corporate Learning Day

Wenn die ZEIT über Bildung schreibt, oder zum Thema Corporate Learning einlädt, darf man sich großer Resonanz sicher sein: 61 Angemeldete füllten den ersten Corporate Learning Day in Hamburg. Thema: Personalentwicklung für die Generation Y. 

Innerhalb des Zeitverlages gibt es die ZEIT Akademie, die bisher schon sehr erfolgreich Wissen ausgesuchter Experten zu verschiedenen beruflichen und gesellschaftlichen Themen auf DVD‘s vermittelt. Verständlich aufbereitetes Wissen, in relevante Zusammenhänge gestellt – das scheint das Erfolgsrezept der ZEIT zu sein, die im letzten Quartal nach eigenen Angaben das Beste aller Zeiten erlebte. Auch die Zahl der zahlenden Abonnenten steigt, ganz entgegen dem Trend der meisten Print-Medien.

Das Thema Nr. 1 in der ZEIT ist natürlich Politik. Am zweithäufigsten werden aber die Bildungsthemen von den ZEIT-Lesern konsumiert. Da liegt es nahe, Angebote für diesen Bereich weiter auszubauen. Corporate Learning stand bisher weniger im Fokus der ZEIT. Das soll sich aber mit der Ausrichtung der ZEIT Akademie jetzt ändern. Schließlich findet ganz viel Lernen in unserer Gesellschaft in Unternehmen oder besser im Zusammenhang mit beruflicher Arbeit statt – vermutlich sehr viel mehr als in den traditionellen Bildungsinstitutionen wie Schule und Hochschule.

Mit „Personalentwicklung für die Generation Y“ hatte Dr. Lars Peter Linke, Leiter der ZEIT Akademie, offenbar gleich ein Schlüsselthema für Lernen und Lernkultur in Unternehmen gefunden. Da kommt eine Generation mit anderen Vorstellungen von Arbeit, Zusammenarbeit und persönlicher Entwicklung, als es die Masse der Mitarbeiter  in den Unternehmen gewohnt ist. Dabei kann die Generation Y sich auch noch auf ihre Wichtigkeit verlassen: Demografische Entwicklungen machen sie unverzichtbar. Man wird sich um deren Wünsche kümmern müssen, wenn man sie haben oder halten will. So etwa könnte man die Vorträge und Diskussionen des Corporate Learning Days am 5.6.2013 in Hamburg zusammenfassen.

Dr. Felix Langness, Leiter der Kienbaum Academy, sprach hochachtungsvoll von den jungen Kienbaum Consultants, die er als hochgradig vernetzt und nicht konkurrierend, sondern kooperierend erlebt. „Die machen uns das vor“ sein anerkennendes Statement für diese Nachwuchsgeneration. Trotzdem die Warnung mit Generationen-Zuschreibungen zurückhaltend zu sein. Die kam von Simon Kerbus, dem jungen Chefredakteur von ZEIT CAMPUS, selbst ein Vertreter der Gen Y. Aus seiner Sicht gibt es viel unbemerkten Einfluss der Etablierten in den Unternehmen auf das Verhalten der Gen Y, das erzeugt Reaktionen, die ohne diesen Einfluss gar nicht von dieser Generation kommen würden.

„Bildung aus journalistischer Perspektive“ war das Thema des ZEIT-Redakteurs Martin Spiewak. Im internationalen Vergleich ist unser Bildungssystem sogar ganz gut, so seine Aussage. Die Negativ-Stimmung zu Bildung hänge wohl viel mit der eigenen Zunft zusammen, die die Krisen-Meldungen liebt. Und die auch nur zielgruppenangepasst. So wird kaum über die 15 bis 20 % Bildungsverlierer in Deutschland gesprochen, die keinen Abschluss und keine Ausbildung bekommen. Dafür gibt es in der Gesellschaft insgesamt wenig Interesse, auch wenn es in Berlin ganze Klassen mit ausschließlich Hartz IV-Kindern gibt. Etwa eine halbe Stunde lang bekam Martin Spiewak viele Fragen aus dem Publikum, die er auch geduldig beantwortete.

Zu beobachtende Rollenverteilung

Nun ist Martin Spiewak Journalist. Im Publikum saßen die Experten aus Personalentwicklung und Corporate Learning. Die Experten fragten also den Journalisten. Müsste nicht eher der Journalist die Experten fragen? Aber irgendwie fügte sich jeder in die (scheinbar) vom Veranstalter zugeschriebene Rolle: Der Experte steht vorn und darf reden, alle anderen dürfen zuhören und am Ende Fragen stellen.
Ich will damit weder Martin Spiewak, noch die Teilnehmer kritisieren. Für mich wurde dabei nur das eingeübte Ritual in Lehr-Veranstaltungen schön deutlich. Ohne es auszusprechen, verteilt allein das Setting – in diesem Falle Vortrag – die Rollen, hier ein gebender Lehrender und viele aufnehmende Lernende. Dabei kamen nur erfahrene Erwachsene zusammen, die in der Zeit voneinander vermutlich noch viel mehr profitiert hätten, als nur von einem Referenten
Vielleicht sollten wir Lehren und Lernen bei Erwachsenen weniger „arbeitsteilig“ gestalten, bei der nur einer die Rolle des Lehrenden bekommt. Die Rollen dürfen ständig wechseln, mal ist man Lernender, mal Lehrender. So funktionieren Gespräche. Sollten wir uns dieses natürliche Lernen als Vorbild für Lern-Settings nehmen?

Fazit

Ein gelungener Nachmittag im ZEIT Pressehaus – trotz dem sehr konventionellen Vortrags-Format mit anschließenden Teilnehmerfragen. Da der Veranstalter aber vom 1. Corporate Learning Day spricht, ist sehr wahrscheinlich eine Weiterentwicklung bei nächsten Corporate Learning Days zu vermuten. Und das ganz viel Kompetenz im Plenum saß, wurde an den Fragen und Teilnehmerbeiträgen mehr als deutlich. Das sollte Mut machen für mehr Teilnehmer-Dialog zu Lasten von Experten-Vorträgen.

Dass die ZEIT sich jetzt mehr um Corporate Learning kümmert, kann uns Corporate Learning Professionals nur recht sein. Corporate Learning gehört viel mehr ins gesellschaftliche Bewusstsein. Deshalb freut es mich ganz besonders, dass die ZEIT in diesem Jahr auch Sponsor unseres Corporate Learning Camps CLC13 sein wird!

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3 Antworten zu Personalentwicklung für die Generation Y – ZEIT Corporate Learning Day

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  2. Oliver Tacke schreibt:

    ‚Vielleicht sollten wir Lehren und Lernen bei Erwachsenen weniger “arbeitsteilig” gestalten, bei der nur einer die Rolle des Lehrenden bekommt. Die Rollen dürfen ständig wechseln, mal ist man Lernender, mal Lehrender. So funktionieren Gespräche. Sollten wir uns dieses natürliche Lernen als Vorbild für Lern-Settings nehmen?‘

    Womit ich mich wieder an LdL erinnert fühle🙂

    • khpape schreibt:

      Ja, Lernen durch Lehren ist auch ein faszinierendes Konzept. Auch da steht das selbständige Erarbeiten im Vordergrund, weniger das „and-die-Hand-nehmen“ eines Lehrenden. Mehr „Loslassen“ der Lehrenden scheint der Schlüssel für besseres Lernen zu sein.

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