Rekord-Engagement beim CorporateLearningCamp #CLC14

Sketchnote: Inga Wiele

Sketchnote: Inga Wiele

159 Teilgebende haben insgesamt 58 Sessions an den zwei CLC14-Tagen gestaltet. Für 60 Sessions hatten wir Zeiten und Räume vorgesehen. Zu wenig, wie sich am ersten Tag für die anwesenden 152 Teilgebenden zeigte. . Und obwohl am Samstag, dem zweiten Tag, mit 68 Teilgebenden erwartungsgemäß deutlich weniger kamen, wurden auch hier mit 28 Sessions, fast genauso viele Sessions von den Teilgebenden auf die Agenda gesetzt, wie am Vortag. Für den Samstag kann man sagen, dass rechnerisch 41% der Teilgebenden eine Session gestaltet haben.

Bild: Frank Rumpenhorst

Bild: Frank Rumpenhorst

Die Nielsen-Regel (90-9-1), die aus Beobachtungen in Internet-Communities entstand, besagt, dass dort nur 1% der Mitglieder die Initiative ergreifen und ein neues Thema einbringen. 9% beteiligen sich dann an der Diskussion und 90% lesen einfach nur mit. BarCamps sind die real umgesetzte Form dieser virtuellen Internet-Communities. An ein oder 2 Tagen kommt die Community an einem Ort zusammen. Man gibt sich die gleichen Erfolgsregeln, die sich in den virtuellen Communities im Laufe der Zeit herausgebildet haben: Kommunikation auf gleicher Augenhöhe unabhängig von Titel und Status, unterschiedliche Perspektiven sind willkommen und ein wertschätzender Umgangston wird angestrebt. Damit wäre zu erwarten, dass sich auch die Aktivitäts-Verteilung bei den physischen Community-Treffen ähnlich zeigt, wie in der virtuellen Welt.

Am ersten CLC14-Tag haben aber etwa 20% der Anwesenden und am zweiten Tag 41% eine Session angeboten. Das entspricht irgendwie dem Einbringen eines neuen Themas, den 1% in virtuellen Communities. Der Unterschied überrascht, zumal man kaum sagen kann, das Gestalten einer Session sei einfacher oder risikoloser als das Verfassen eines neuen Posts. Auch scheint mir kein wesentlicher Unterschied erkennbar bei der Zusammensetzung von virtuellen und realen „BarCamp“-Communities. Damit kann man jedenfalls nicht mehr sagen, nur 1% der Menschen sind die Initiatoren, die Impulsgeber. Reale Treffen unter gleichen Rahmenbedingungen zeigen ein aktives Gestaltungs-Bedürfnis bei einer viel größeren Zahl von Menschen, als bisher angenommen. Leider haben wir den Aktivitätsgrad der Teilgebenden in einer Session nicht gemessen, aber dass sich hier mehr weit als 9% aktiv an der Diskussion beteiligen scheint mir ziemlich sicher. Aus meiner Sicht bringen sich eher 90% der Anwesenden innerhalb von Sessions ein.

Bild: Frank Rumpenhorst

Bild: Frank Rumpenhorst

Das sind sehr ermutigende Zeichen. Aus der Erfahrung vieler BarCamps zeigt sich ganz grob eine um die 30% schwankende Session-/Teilgeber-Quote. Dabei spielt sicher auch die steigende Zahl der BarCamp-Erfahrenen eine Rolle. Diesmal hatten schon etwa 50% der CLC14-Teilgebenden Erfahrungen mit mindestens einem BarCamp, wie die kurze Abfrage bei der Eröffnung zeigte. Die Session-/Teilgeber-Quote kann man auch als grobe Engagement-Kennzahl werten. Sie beeinflusst damit auch die Qualität von BarCamps. Einerseits steigen durch eine höhere Session-Anzahl die Wahlmöglichkeiten der Anwesenden – man hat also theoretisch eine höhere Chance, ein persönlich interessierendes Session Thema zu finden. Andererseits wird dadurch auch der Wettbewerb um die Session-Besucher stärker, was wiederum zu mehr Anstrengungen bei ansprechender Session-Gestaltung und -Ankündigung führen wird.

Irgendwo muss aber ein Optimum für die Session-/Teilgeber-Quote liegen. Man stelle sich nur eine Quote von 100% oder gar 200% vor, jeder Teilgebende möchte eine oder sogar zwei Sessions gestalten. Die Zahl der Session-Besucher (Session-Mitgestalter wäre der bessere Ausdruck) würde naturgemäß sehr klein, was wiederum die Session-Qualität beeinflusst. Wir werden wohl noch weitere Erfahrungen mit solchen selbstorganisierten Un-Konferenzen machen müssen, um ein Gefühl fürs Optimum zu bekommen. Das darf aber nicht zu rigoros eingreifender Steuerung führen, weil damit der Rahmen für Selbstorganisation spürbar eingeschränkt wird. Und das hat schädliche Wirkungen auf Ablauf und Klima eines BarCamps.

Bild: Frank Rumpenhorst

Bild: Frank Rumpenhorst

Sicht auf BarCamps als Lernevents

Persönliche Aktivität von Lernenden ist ein Ziel aller Lern-Settings. Meist mühevoll versuchen wir Teilnehmer in Seminaren „zu motivieren“ aktiv zu werden. Irgendwie ist klar, nur wer sich persönlich zum Thema engagiert, wird wirklich lernen. Es ist schon auffällig, dass BarCamps keinerlei Motivations-Strategien kennen. Und trotzdem (oder gerade deshalb?) ist das persönliche Engagement aller Teilnehmenden extrem hoch. Man nennt sie deshalb ja auch zu Recht „Teilgebende“. Anders als in anderen Lehr- und Lern-Settings handeln die Lernenden hier ausschließlich nach ihren eigenen Interessen. Sie gehen vollständig selbstgesteuert auf die Suche nach Antworten für ihre eigenen Fragen. Sie sind offenbar Meister im Selbst-Lernen – und das auch noch mit sichtbar großem Engagement. Das macht offenbar auch Freude, davon künden die fast ausschließlich freundlichen Gesichter auf allen BarCamps.

BarCamp-Teilgebende lassen sich auch von anderen Teilgebenden anstecken, neue Kompetenzen zu entwickeln. Ziemlich sicher scheint mir, dass BarCamps öfter der ansteckende Anfang zum Twittern waren. Inga Wiele hat z.B. beim CLC14 ihre Fähigkeiten Sketchup-Protokolle zu gestalten trainiert, und gleich allen zur Verfügung gestellt. Ein überraschendes Learning waren auch die diesmal spontan von verschiedenen Teilgebenden gestalteten Video-Interviews nach Sessions, deren Ergebnisse sich wirklich sehen lassen können.

Bild: KhPape CC BY

Bild: KhPape CC BY

Das alles ist „nicht-angeleitetes-Lernen“. Niemand steuert hier von außen Lernschritte oder den ganzen Lernprozess. Nun werden einige einwenden, zu BarCamps kommen nur die ohnehin schon gut selbstorganisierten Typen. Beim CLC14 mag das vielleicht stimmen. Nachdem ich bei schon vielen großen klassischen Konferenzen sog. BarCamp-Foren, also Mini-BarCamps für alle Konferenzteilnehmer machen konnte, kann ich von gleichen Erfahrungen dort sprechen. Und auch BarCamps als Konferenz-Form innerhalb von sonst hierarchischen Organisationen zeigen ganz ähnlich professionelle Selbst-Steuerungs-Effekte. Es scheint, als sei selbstgesteuertes Lernen eine menschliche Ur-Fähigkeit, der man immer vertrauen kann.

Zielstrebigkeit bei Selbstorganisation

Erstaunlicherweise engagieren sich die Teilgebenden auch sehr zielgerichtet zum angekündigten Thema – so jedenfalls bei den Themen-BarCamps zu beobachten. Beim CLC14 ging es ums Corporate Learning. Hier die von den Teilgebenden eingebrachten Session-Themen:   Die Session-Themen am Freitag (30):

  • Interne MA als Referenten in der betr. Weiterbildung
  • Trainingstransfer: Wie aus Wissen Kompetenzen werden
  • Trainer-Koordination im Web
  • #e20mooc: Online-Session SocBiz Excellence
  • Wie können Lernerfahrungen gestaltet werden?
  • Was fehlt damit Online-Lernen im Unternehmen fliegt?
  • Gamification – Spaß am Lernen…
  • Kompetenz – das große Missverständnis
  • Erfolgsfaktoren von Videos im Corporate Learning
  • Hilfe meine Lernenden bringen sich ein!
  • Wie können Lernerfahrungen gestaltet werden?
  • Der Wurm muss d. Fisch schmecken, nicht dem Angler
  • Podcasting
  • Mobile Devices im Trainingsalltag – Erfahrungen, Ideen.
  • Authentisch bewerben! Hierarchie kippen…
  • Future of Learning?
  • Mehr Interaktivität in E-Learnings
  • Boden- und Wissensmanagement – Web 2.0 und das Amt
  • Einblicke in die Ausbildung interner Community Manager
  • Animations-Tools, Erklärvideos, Screencasts usw.
  • e-Learning-Projekte anders organisieren: agil, stressfrei, mit besseren Ergebnissen
  • Reverse Mentoring – Einblicke & Lessons learned
  • Erfolgsmodell Community? Erfahrungsaustausch
  • Warum wir Fußballweltmeister sind? Wir-Kulturen in der Wirtschaft
  • Mobiles Lernen
  • Video-Learning statt Präsenz?
  • Videokommentierung (Social Video Learning…)
  • Erklärvideos, Screencasts & Co. – Video-Lerntypen, –stile
  • Studium Onlinekommunikation: BarCamps enthalten
  • Digital Lifestyle in der Bildungsveranstaltung
Bild: Frank Rumpenhorst

Bild: Frank Rumpenhorst

Die Session-Themen am Samstag (28):

  • Allmacht + Ohnmacht im Corporate Learning
  • Traumjob „Ideale Weiterbildung“
  • Selbstlern-Kompetenz,
  • OER für Trainer und Ausbilder ->Chancen oder Bedrohung?
  • Aufbau der weltbesten Trainingsakademie
  • Authentisch im Vorstellungsgespräch
  • Und wie lernst du? Erfahrungen, Methoden u Quellen
  • WBT- Testen/ Ablauf
  • Podcast + Video-erstellung an einem Beispiel,
  • Was kann Mobile Video Learning?
  • MOOC WTF
  • Mobiles Lernen warum
  • Lerntrends, Empathie und die Sache mit der Nerf-Pistole,
  • Podcast + Video-Erstellung an einem Beispiel,
  • Corporate Learning – QuoVadis,
  • Wer traut sich? Wir machen ein Video
  • Storytelling
  • #weekly-challenge
  • Quantified Self im Corporate Learning,
  • Lernerfolg evaluieren
  • Gamestorming für den Wissenstransfer
  • Video-Producing in house,
  • Screencasting Tipps + Tricks,
  • Digital learning Place, Digitalisierung, Collaboration,
  • Fearless Journey
  • Braucht die Welt mehr Bar Camps?
  • Lernen in der verschmolzenen Organisation,
  • Betriebsräte und Lernen 2.0

Die Sorge, Menschen (Mitarbeiter) könnten bei der Aufforderung nur ihren eigenen Interessen nachzugehen, in ganz andere Themenfelder abschweifen, ist offenbar unbegründet, wie man an den Session-Themen z.B. des CLC14 sieht. Kein einziges Thema oben hat nichts mit Corporate Learning zu tun. Und die Bandbreite der vom Plenum eingebrachten Themen ist wesentlich größer, als das ein Veranstalter jemals hätte planen können.   Selbstorganisiert Lernen und dabei die Community nutzen, das könnte ein Modell für künftige Lern-Settings sein. Dass selbstorganisiert Lernen effektiver ist, als viele angeleitete Lehr-Settings, davon bin ich mehr und mehr überzeugt. Und auch davon, dass das jeder kann.

Bild: KhPape CC BY

Bild: KhPape CC BY

Noch ein paar Daten zum CLC14:

Veranstalter: Frankfurt University of Applied Sciences und der Arbeitgeberverband HESSENMETALL.

Datum: Freitag, 26.9. und Samstag 27.9.2014

Teilgeberzusammensetzung: Von insgesamt 159 Teilgebenden kamen 63 aus Personalentwicklung und Weiterbildung von 44 Unternehmen, 28 kamen von Hochschulen und 68 waren selbständige Trainer, Berater und Trainingsanbieter.

Homepage mit weiteren Infos: http://colearncamp.hessenmetall.de/.

CLC14 Stimmungsvideo von Lutz Berger

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