Siebentes CommunityCamp 2014 in Berlin

Immer noch am gleichen Ort in einem alten ehrwürdigen Industriebau im zweiten Hinterhof in der Windscheidstraße in Berlin Charlottenburg findet das jährliche „Klassentreffen“ der Community- und Social-Media-Manager statt. 250 waren es diesmal. Mehr nehmen die 5 Räume des Raum-Sponsors Cimdata auch nicht auf. Eng war es in etlichen Sessions. Sogar auf dem Fußboden zwischen den Tischen saß man, z.B. bei der Session „SEO-optimiertes Texten“ von Caroline Kliemt. Dieser Zulauf zeigt das große Interesse Tipps und Erfahrungen abzuholen von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Organisationen. Und die Bereitschaft seine eigenen Erfahrungen ebenfalls einzubringen war mindestens genauso groß, was an der Vielzahl der angebotenen Sessions (26 am Samstag und 24 am Sonntag) und an den intensiven Diskussionen in den Sessions überdeutlich wurde. Die Bezeichnung „Teilgeber“ versteht man hier sofort.

Frank Feldmann, der Haupt-Initiator des CCB14 gibt hier im Interview ein paar Infos zur Entwicklung des CommunityCamps:

Community Manager

scheinen oft Community-Managerinnen zu sein, wenn man sich die Teilgebenden des CCB14 so ansieht. Die Mehrheit hier betreut Organisations-externe Communities, wie Kunden und Fans. Die Gruppe der internen Community-ManagerInnen scheint aber zu wachsen.

Bosch: 18.000 interne Communities,

mit aktuell 150.000 wöchentlich aktiven Community-Mitgliedern. Und das, obwohl man erst vor eineinhalb Jahren damit gestartet ist. Dieses eindrucksvolle Beispiel, stellte Katharina Perschke, Tanja Knorr-Sobiech und Sebastian Weiss in ihrer Session vor, und fragten, was denn bei externen Communities anders sei. Viele Unterscheide gibt es nicht. Ungewöhnlich und vermutlich einer der Erfolgsfaktoren ist die völlige Themenfreiheit bei Bosch. Dort kann jeder seine eigene interne Community bilden, egal zu welchem Thema. Eine Kontrollinstanz gibt es nicht. Wenn sich andere finden, die mitmachen, dann ist es ok. So sind etwa 70% der entstandenen Communities offensichtlich geschäftsrelevant – und das sind immerhin rd. 13.000 – 30% haben eher persönlich interessierende Themen. Aber auch das wird als hilfreich angesehen, irgendwie sind das die virtuellen Kaffee-Küchen, an denen sich Bosch-Mitarbeiter treffen, austauschen, und Beziehungen pflegen. Interne Überzeugungsarbeit für die Community-Bildung machen die drei nicht mit Folien. Ein „Wimmelbild“ mit mehreren Metern Länge ist die Diskussions-Grundlage mit den Bosch-Mitarbeitern.

Nach der Session haben die 3 ein kurzes Video-Interview gegeben. Denen traut man diesen Erfolg auch zu:

Leser zu Community-Mitgliedern machen

Eine ganz andere Frage bewegt eine oberpfälzische Lokalzeitung: Wenn die Print-Leserzahl abnimmt, wie können wir dafür Mitglieder auf den Online-Seiten gewinnen, und was können wir online besser machen, als mit der Print-Ausgabe? „Reiten auf einem toten Pferd“ war der provokante Titel der Session von Sonja Kaute und Christian de Vries. 300 Lokalzeitungen gibt es in Deutschland. Die oberpfälzische hat schon eine ganze Weile eine Online-Redaktion. „Ein Content-Problem haben wir nicht“ sagt Christian de Vries und macht damit gleich einen Unterschied deutlich: Viele Community-Manager sehnen sich nach gutem Content als Anregung für Diskussionen ihrer Mitglieder. Die beiden Online-Redakteure berichteten, dass sie am Anfang den Print-Inhalt einfach Online gestellt haben. Heute entsteht ganz neuer Content in der Online-Redaktion, oft ausgelöst durch aktive Online-Leser. Davon profitiert nun auch die Print-Ausgabe.

Aktive Online-Leser – Community-Mitglieder – scheinen der Schlüssel zu einem neuen Verständnis einer Lokalzeitung. Nicht mehr wenige Redakteure bestimmen was für alle relevant ist, sondern die Bürger der ganzen Gegend werden zu Autoren. Und ein zweiter Vorteil wurde deutlich: Online-Informationen haben ein viel längeres Haltbarkeitsdatum. Während die Zeitung von gestern schon im Altpapier liegt, ist die Online-Information noch Jahre später zu finden. „Wir sind auf dem Weg, wissen aber nicht, wo der uns hinführen wird“ sagen beide zuversichtlich. Noch ist der Online-Content kostenlos. Sollte der mal hinter einer Bezahlschranke liegen, dann hat das für die virale Verbreitung Konsequenzen. In den sozialen Medien ist dann das Weiter-Verbreiten nicht mehr möglich, was wiederum die Attraktivität deutlich mindert.

Auch dazu gibt es ein kurzes Video-Interview mit den Session-Gebern:

SEO-optimiertes Texten

war eine der übervollen Sessions. Caroline Kliemt hat ihre jahrelangen Erfahrungen mit dem Erstellen von Texten für Verkaufsplattformen in dieser Session sehr anschaulich dargestellt. Natürlich geht es dabei um das Optimieren von Texten für Suchmaschinen – eigentlich nur für Google – aber die Suchmaschinen suchen ja gerade nach für Menschen gut lesbaren informativen Texten. Damit ist Search Engine Optimization eben auch eine Text-Optimierung für Menschen. An Beispielen aus ehemaligen und aktuellen Jobs hat sie Regeln aufgestellt, nach denen man Texte am besten gestaltet. Die Überschrift für ihre verkaufsfördernde Texte entnahm Sie der brand eins-Titelseite 02/2014 „Kauf, du Arsch“.. Etwas abgeschwächt „Kauf Du Sau“ war ihr drastischer Platzhalter für Überschriften und Schluss-Sätze. Sie schlägt folgende Text-Struktur vor, die man nicht nur fürs Verkaufen verwenden kann:

  • Kauf Du Sau
  • Hier, ich helf Dir
  • Mood, Stimmung
  • Fragen
  • Kennerschaft, Leidenschaft
  • Kaufreue verhindern
  • Kauf du Sau

Interessant und neu für viele war ihre Einordnung der angesprochenen Menschentypen in die Limbic Map, sowie die Konsequenzen daraus in der textlichen Ansprache. Das Ansprechen von Emotionen im Text ist ihr ganz besonders wichtig. Nachdenklich verlassen die meisten die Session. So manch einer der Teilgeber wird sich wohl vorgenommen haben, die nächsten Texte zu optimieren.

Auch hier ein kurzes Interview mit der Session-Gestalterin:

Snapchat: Bilder, die nach 3 bis 10 Sekunden verschwinden

Wieder eine gut besuchte Session. Sascha Pfeiffer gab einen Überblick über Möglichkeiten und Erfolge von Snapchat, der Erfolgs-Plattform, die die versendeten Bilder nach 3 bis 10 Sekunden (einstellbar) beim Betrachter löscht. Schon jetzt wird Snapchat mit 1 Milliarde Nachrichten pro Tag mehr als Twitter genutzt. Die Variante für kommerzielle Anbieter löscht die bereitgestellten Inhalte nach 24 Stunden. Enormes Wachstum in den USA. Offenbar sind Inhalte mit Verfallsdatum begehrt, stellen sie doch einen Gegenpol zum sonst nicht vergessenden Internet dar. Sascha Pfeiffer räumte auch mit dem Vorurteil auf, da seien nur Sex-Bilder unterwegs. Irgendwie scheint eine kurze Bild-Botschaft – mit der Möglichkeit Text und Grafik zu überlagern –anderen Informations-Formen überlegen zu sein. Und wenn man dann noch weiß, das ist nicht für die Ewigkeit gedacht, nutzt man das wohl schneller mal.

Neu und anders ist die Möglichkeit für Unternehmen, Botschaften mit Verfallsdatum 1 Tag bereitzustellen. Anders als bei den privaten Botschaften, die solange gespeichert werden, bis der Empfänger sie kurz angesehen hat, beginnt hier die 24 Stunden-Lösch-Zeit beim Bereitstellen der Information. Wer es also nicht geschafft hat in dieser Zeit reinzuschauen, der kann die Info auch nicht mehr lesen. Das scheint Vorteile zu haben. Menschen sind neugierig und wollen nichts verpassen. Dann wird man täglich schauen. Noch fallen mir keine sinnvollen Anwendungen dafür ein, aber das es die gibt, scheint sehr wahrscheinlich.

Das Kurz-video mit Sascha Pfeiffer:

Social Media für Behörden

war der Session-Titel von Christiane Germann, die Community-Managerin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge BAMF in Nürnberg ist. Etwas überraschend war der leidenschaftliche Erfahrungsbericht zum externen Social Media Auftritt einer Bundes-Behörde. Man will dort wirklich den Dialog mit den Bürgern. „Wer irgendetwas dazu zu sagen hat, der soll mit uns diskutieren, Wir brauchen das für unsere Arbeit“ so Christiane Germann, der man das auch glaubt, so wie sie es sagt. Und das Diskutieren macht sie öffentlich auf Facebook https://www.facebook.com/bamf.socialmedia gemeinsam mit zwei Kolleginnen. Dort werden auch bewusst kritische Diskussionen mutig angeregt, derzeit z.B. zu den rechtsradikalen Hooligan Demonstrationen.

Auch einen Shitstorm haben sie gut überstanden. Damit ist die Zahl der Facebook-Freunde sogar drastisch angestiegen. Die internen Dienstwege sind ganz kurz: Das Online-Team darf selber schreiben und posten – ohne interne Abstimmung. Aber im Dreier-Team gilt immer das 4-Augenprinzip, ein anderer muss drüber schauen. Nur bei politisch ganz heiklen Themen muss die Pressesprecherin eingeschaltet werden. „Holt uns aus jeder Besprechung raus, wenn nötig“ ist dort die Devise. Scheint vorbildlich gelöst.

Auch Christiane Germann (privater Blog: http://amtzweinull.com/ ) hat sich nach der Session interviewen lassen:

Über jede dieser Sessions könnte man berichten – wenn man sie alle besuchen könnte. Alle Teilgeber hatten zu jeder Stunde die Qual der Wahl. Meistens fanden 5 Sessions gleichzeitig statt. Hier der Überblick aller Session-Themen:

26 Sessions am Samstag, den 25.10.2014:

  • Recht, Recht, Recht
  • Von 0 auf 100 – Foren- und Community-Aufbau
  • Forenaktivität fördern, Trolle bekämpfen
  • Emotionen in sozialen Netzwerken
  • Social Recruiting – Zahlen und Fakten
  • Community Management intern vs. Extern (Bosch)
  • CMs Weapons of Choice
  • Challenging the Online- / Offline-Gap
  • Krisenkommunikation #neuland #Angela Merkel
  • Community Management auf Unternehmensebene
  • BVCM Berufsbilder: Social Media und Community Manager im Profil
  • Corporate Change
  • Alles über ELLO
  • Digitale Fließband-Ausbeuter oder CEO?
  • Monetarisierung von Blogs und Communities
  • Community Manager Selbsthilfegruppe
  • Reiten auf einem toten Pferd #Journalismus # Regionalzeitung
  • Dating / Escort Communities
  • Präsentation Umfrageergebnisse CCB13
  • Ausbildung interner Community Manager
  • AGB-Änderungen „leicht“ gemacht
  • 10 Schritte für ein erfolgreiches Facebook-Gewinnspiel
  • Social Media Kundenservice
  • Quality Content
  • Gute-Nacht-Geschichten
  • Umgang mit schwierigen Zielgruppen

24 Sessions am Sonntag, 26.10.2014

  • BVCM Stammtische
  • Interkulturelles Community Management
  • Rezepte aus der SEO-Texterküche
  • Social Media Kundenservice
  • Weiterentwicklung von Community Programmen
  • Social Media Monitoring & Content Strategy
  • Events und Verlosungen
  • Sind Mobile Messaging Apps die neuen sozialen Netzwerke?
  • Deutsche Diabetes Online Community & ihre Baustellen
  • Snapchat
  • Show me your Kids
  • BVCM Social Media Podcast
  • Social Media in Behörden
  • Learning by Blogging
  • Community Management Tools
  • Social Media Sprechstunde
  • Quo Vadis Facebook !?
  • #CCB15 Social Media Event Brainstorming
  • Angebot und Nachfrage bei Kommunikation / Kooperation mit Bloggern
  • Content Marketing Workflows
  • Reddit für Beginner
  • Grundlagen der Social Media Strategie
  • Email Kampagnen am Beispiel MailChimp
  • Best of 165+ Social Media Tools

Eine wirklich beeindruckende Themenbandbreite, die von den Teilgebern an jedem Morgen neu zusammengestellt wurde. Einige Sessions wurden dokumentiert und etliche Blog-Beiträge sind entstanden. Alle Informationen findet man auf der letztmalig eingesetzten mixxt-Plattform http://communitycamp.mixxt.de/. Während des Camps wurde die neue tixxt-Plattform bekanntgemacht https://communitycampberlin.tixxt.com/pages/startseite. Auch die CCB-Community-Manager müssen die Herausforderung lösen, die 1722 CommunityCamp-Mitglieder zum Umzug auf die neue Plattform zu bewegen. Aber wenn die es nicht schaffen, wer dann!

Insgesamt war auch dieses CommunityCamp ein lohnendes Ziel. Wer das Web 2.0 richtig verstehen will: Hier berichten die Experten aus ihrem virtuellen Kommunikations-Alltag. Das CCB15 findet bestimmt statt – und wieder in Berlin.

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