Ellen Trude zu Social Learning: Sehr treffende Aussagen!

Lese gerade die Folien von Ellen Trude für Ihren LEARNTEC-Workshop. Da sind so viele schön auf den Punkt bringende Sätze drin. Hier ein paar Beispiele:

  • „Warum ein Transfer-Szenario, wenn Lernen dort stattfinden kann, wo Wissen und Kompetenz benötigt werden.“
  • „Es muss auch „gelernt“ werden, so zu lernen, wie man arbeitet – nämlich ohne Traineransage, was als nächstes gemacht wird.“
  • „Im Grunde geht es um die „Digitale Transformation des Trainers“, denn nicht die Lernenden müssen sich verändern, sondern die Trainierenden.“
  • „Lernangebote (Fachinhalte) so anzurichten, dass sich die Lernenden selbst bedienen und frei wählen können, ob sie alleine speisen möchten, oder in Gemeinschaft mit anderen.“
  • Oder zur Entscheidung für einen Kurs:
    „Mit Klick auf Buchen stimmen Sie zu, nur im Rahmen des Drehbuchs zu handeln, sich auf vorgegebene Methoden einzulassen und nur diese zu nutzen, sich erst nach Traineransage mit anderen auszutauschen und sich an die vorgegebene Reihenfolge zu halten.“

Hier gehts zur unbedingt lesenswerten Präsentation.

Lern-Menü Ellen Trude

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CL20 MOOC – ein erster Rückblick

Gut 2 Monate ist der großartige Corporate Learning 2.0 MOOC mit 1700 Teilnehmenden nun schon wieder vorbei. Jedenfalls offiziell, denn fast alles Material steht ja noch auf der mooin-Plattform zur Verfügung. Sie können also auch weiter mit dem auch für uns unglaublich reichhaltigen Material arbeiten. Nur die Videos der Deutschen Bahn mussten leider nach dem MOOC entfernt werden. Das ist ein kleiner Tribut für die große Offenheit, mit der die acht wochengestaltenden Unternehmen tiefe Einblicke in ihre internen Projekte gewährten – und die auch noch öffentlich zur Diskussion stellten. Hochachtung, das war wirklich mutig und ungewöhnlich von den MOOC-Wochen-Gestaltern! Und es hat sich wohl auch gelohnt: Alle 8 wochengestaltenden Unternehmen haben gesagt, sie hätten viele Anregungen gewonnen und neue hilfreiche Kontakte geknüpft.

CL20_logo_web_kMehr noch als die Inputs der Wochengestalter, haben aber die rund 2100 konstruktiven Beiträge der Teilnehmenden zum Gelingen dieses konnektivistischen cMOOC beigetragen. Wenn wir die Befragungsergebnisse repräsentativ verstehen, dann waren knapp 80% der Teilnehmenden in Wirtschaftsunternehmen freiberuflich, selbständig oder in einer Bildungseinrichtung tätig. Und das waren eher ältere Experten, 27% haben angegeben, dass sie zwischen 50 und 59 Jahre alt sind, ebenfalls 27% zwischen 40 und 49, 24% zwischen 30 und 39 Jahre und nur 10% sind zwischen 20 und 29 Jahre alt. Dieses reine Online-Lernformat wurde also von den sog. „Digital Immigrants“ bestens angenommen.

Weitere MOOC-Auswertungen entstehen noch. Dazu demnächst hier mehr.

Besonderheiten des CL20 MOOC

Lern- statt Lehr-Situation

Beim CL20 MOOC gab es keine „Lehrenden“. Stattdessen Experten, die ihr Vorgehen und ihre Fragen öffentlich machten. Das löste intensive Diskussionen mit unterschiedlichen Sichtweisen aus. Schon beim Mitverfolgen der Diskussion, mehr aber noch beim aktiven Beitragen, ist Lernen für die Beteiligten kaum vermeidbar.

Basis dafür ist das „Gleiche-Augenhöhe-Prinzip“, dass in diesem MOOC durchgängig spürbar war. Und das, obwohl wir alle hierarchische Lehr-Situationen gewohnt sind.

Öffnung, Openess

Wie oben schon beschrieben, es ist noch ungewöhnlich, dass Unternehmen interne Projekte außerhalb zur Diskussion stellen, um damit die eigene Entwicklung zu beschleunigen. Wer in Communities gibt, kann sehr oft mehr mitnehmen, als er eingebracht hat. Das lehrt uns die Erfahrung aus Fachforen im Internet. Und in diesem MOOC hat das auch funktioniert.

Selbstgesteuert: Ohne Auftrag, ohne Budget

Alle Beteiligten haben freiwillig, ohne Auftrag und ohne Budget mitgemacht. Die 8 Unternehmen hatten das nicht eingeplant, und trotzdem sehr schnell zugesagt. Die CLA-Experten haben als Paten auch viel Zeit und Energie reingesteckt.

Erstaunlich, dass so ein großes Projekt von so vielen Profis noch on Top und freudig freiwillig gestemmt wird. Es gab auch keine Ausfälle nach den gegebenen Selbstverpflichtungen. Ein deutlicher Hinweis auf die mächtige Wirkung von Selbststeuerung und Selbstorganisation.

CL20 mooin Starsteite

Lernen in Netzwerken

Lernen in Netzwerken ist ein deutlich sichtbarer Trend in Unternehmen und auch außerhalb. Beim CL20 MOOC haben Menschen teilweise sehr intensiv miteinander diskutiert, die sich vorher nicht kannten. Aus wenigen Beiträgen war zu erkennen, dass daraus auch persönliche Treffen entstanden. Von zwei CL20 Lerngruppen, eine in Nürnberg und eine in Stuttgart, haben wir erfahren.

Aber: Kaum jemand hat auf eigenen Social Media-Kanälen mit dem Hashtag #CL20 gepostet. Das weist auf die geringe öffentliche Online-Aktivität der Zielgruppe Corporate Learning Professionals hin. Beinahe die gesamte Kommunikation lief über bereitgestellte Plattformen (mooin-Plattform, Facebook-Gruppe). Daraus ist zu vermuten, dass auch die Netz-Lern-Kompetenz dieser Zielgruppe noch nicht selbstverständlich ist. Wenn Lernen in Netzwerken aber das Zukunfts-Thema ist, dann müssen die Lern-Gestalter dafür die Vorreiter sein.

Mitglieder der Corporate Learning Alliance – CLA haben dafür verschiedene öffentliche Plattformen eingerichtet, auf denen das Lernen unter Corporate Learning Professionals auch nach dem CL20 MOOC fortgeführt werden kann:

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Großer Dank an alle CL20 MOOC-Beteiligten!

Ein ganz herzliches Dankeschön

  • an die Macher der 8 MOOC-Wochen aus den Unternehmen Deutsche Bahn, Swisscom, ÖAMTC, Festo, Miele, Sick, SAP, adidas!
  • Ein ebenso herzliches Dankeschön an die FH Lübeck, die uns ihre bewährte MOOC-Plattform mooin und einige andere Unterstützung kostenlos zur Verfügung gestellt hat!
  • Danke auch den vielen MOOC-Teilnehmenden für die vielen Beiträge!
  • Einen ebenso herzlichen Dank an die CLA Paten für die organisatorische Gestaltung des CL20 MOOC!
  • Danke für Unterstützung bei Infrastruktur und unvermeidlichen Kosten an die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände VhU und den Stifterverband für die deutsche Wissenschaft!

Mein Fazit:

Das Experiment, Corporate Learning Professionals selbst in einer innovativen Lernform zum Lernen zu bringen, scheint gelungen. Lernen voneinander im CL20 MOOC-Netzwerk hat offenbar vielfältig stattgefunden. Dazu brauchte es keinen „Wissensvermittler“, nur eine Community, die auf gleicher Augenhöhe miteinander umgeht. Auch den viel beschworenen „Lern-Begleiter“ brauchte es hier ganz offensichtlich nicht. Dafür waren aber verschieden ausgeprägte Community-Manager-Rollen in den einzelnen Wochen zu spüren. Und das jede Woche ganz anders ablief – der CL20 MOOC also nicht aus einem Guss war – schien fürs Lernen ganz und gar nicht hinderlich, vielleicht war es sogar förderlich, wöchentlich andere Impulsgeber, andere Vorgehensweisen zu erleben.

Der CL20 MOOC war in jedem Falle ein Gemeinschaftswerk – von allen, die sich aktiv eingebracht haben. Wenn die Arbeitsstunden gezählt würden, die zu Beiträgen geführt haben, dann liegt der Schwerpunkt vermutlich gar nicht bei den wochengestaltenden Unternehmen, sondern bei den vielen „Teilgebenden“. Ein sicher noch ungewöhnlicher Gedanke für die Gestaltung von Lern-Situationen.

 

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Podcasts zum Lernen?

In meinem letzten Blogpost habe ich die Vorteile des Micro-Blogging (Twittern) fürs Lernen dargestellt. Dort führt das „öffentliche Schreiben“ zu mehr Reflexion über das Thema, das „Anderen-etwas-erklären“ zu mehr eigenem Verstehen und das interessierte Folgen selbst ausgesuchter Experten zu stetigem Erkenntnisgewinn. Bei Twitter und auf Blogs geschieht das überwiegend durch geschriebene Texte.

Die natürlichere Form der Kommunikation ist das Hören und das Sprechen. Jeder kann müheloser sprechen als schreiben. Und auch das Zuhören ist so eingängig, dass man nebenbei auch anderes tun kann, z.B. Autofahren oder Bügeln. Wenn Text schon hilfreich zum Lernen ist, dann müsste es das gesprochen Wort doch erst recht sein. Zumal mit gesprochenem Wort auch gleich unterschwellig Bewertungen und Bedeutungen mitgeliefert werden: Betonung, Sprechgeschwindigkeit, Pausen, Sprech-Melodie – das alles überträgt zusätzliche Informationen, die dem geschriebenem Text fehlen. Das ist übrigens aus meiner Sicht ein gewichtiges Argument gegen professionelle Sprecher an Stelle der Original-Experten. Nur wer sich im Thema wirklich auskennt, transportiert diese Begleitinformationen unbewusst mit.

Das Bloggen übers gesprochene Wort nennt sich Podcasting. Seit etwa 2007 reden wir von Podcasts, die – ähnlich wie Blogs – im Internet von jedem angeboten und abonniert werden können. Inzwischen ist aber ein wesentlicher Verbreitungs-Ermöglicher hinzugekommen: Die vielen Smartphones (fast jeder hat heute eines) erlauben nun Podcasts überall anzuhören – und auch selbst zu produzieren. Jedes Smartphone ist ja heute auch ein hervorragendes Tonstudio. Auf den bisher nur üblichen Hör- oder Sendeplatz PC ist man jetzt nicht mehr fixiert.

Bild: Seografika https://pixabay.com/de/

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Trotzdem gibt es wesentlich mehr Blogs als Podcasts. Das scheint mit Gewohnheiten zu tun zu haben. Schreiben fällt zwar auch etlichen schwer, aber in Bildungsinstitutionen von Schule bis Hochschule wird uns das Schreiben antrainiert, weniger das Reden. Und Redebeiträge setzen durch Hörfunkangebote einen hohen Qualitäts-Standard, an den sich viele nicht herantrauen. Das ging übrigens den ersten Video-Produktionen genauso: Als nur das Fernsehen üblich war, orientierte man sich an diesem hohen Standard. Youtube beweist heute, dass auch deutlich geringere Video-Qualitätsansprüche gut dargestellten Inhalten keinen Abbruch tun. Das lässt hoffen auf die weitere Entwicklung neuer Podcasts, einfach produziert, aber authentisch und interessant.

Vieles spricht also für Podcasts zum Lernen. Akzeptanz und Verbreitung hängt aber immer von Angebot und Nachfrage ab. Wenn es keine nützlichen Angebote gibt, wird es keine Podcast-Hörer geben. Und wenn es nicht genügend Podcast-Hörer gibt, wird sich niemand die Mühe des Produzierens machen. Mutige und Neugierige auf beiden Seiten sind also gefragt. Anlässlich ihres zwanzigsten Podcasts – und auch noch am internationalen Podcast-Day – haben die Macher des Knowledge-on-air-Podcasts, Simon Dückert und Ulrich Schmidt, ihren Beitrag dem Podcasten selbst als Wissensmanagement-Tool gewidmet. Man kann das alles auch gut auf Lernen übersetzen. Eine sehr hörenswerte Episode.

Knowledge-on-air

P.S. Dieser hörenswerte Podcast dauert 50 Minuten. So lange interessant sprechen will gut geübt sein. Eigentlich sollte es auch so etwas wie Twitter bei den Podcasts geben, vielleicht mit maximal 140 Sekunden. Wer nur 140 Sekunden füllen muss, wird möglicherweise eher zum Podcast-Produzenten.

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Twitter als Lern-Booster?

Laut Jane Hart ist Twitter schon im siebenten Jahr ununterbrochen auf Platz 1 unter den 100 besten Learning Tools. Auch in 2015 kürten 2000 Learning Professionals wieder Twitter auf den ersten Platz. Was ist es, was Twitter zum Learning-Tool macht? Und warum nutzen es dann so wenige Weiterbildungs-Profis in Deutschland?

Noch nicht einmal auf deutschen Konferenzen für Weiterbildner empfehlen viele Veranstalter einen Twitter-Hashtag, auch Twitterwalls sieht man dort noch selten. Twitter und Lernen, das passt offenbar für viele noch nicht zusammen. Das war bei mir auch so – bis mich Lutz Berger beim ersten KnowledgeCamp 2009 mit dem Satz erstaunte „Den Livestream verfolgen derzeit mehr Leute, als hier in der Session sitzen.“ Wir wussten damals nicht, dass Lutz Berger das Geschehen einiger Sessions live ins Internet streamen würde, haben das deshalb auch nicht ankündigen können. Er hat den Link während des Camps per Twitter verbreitet, und damit hat sich die Session-Teilnehmerzahl spontan mehr als verdoppelt. Ein wenig später meldete sich ein anwesender Session-Teilgeber und sagte dem Session-Geber, er habe hier einen Tweet zu seinen Aussagen bekommen. Damit wurde der Tweet – und der Twitterer – ein Teil der Session. Mir wurde als Veranstalter schlagartig klar, welch massive Wirkung Twitter auf die Teilnehmer eines Lernevents haben kann. Ich startete sofort mit einem eigenen Twitter Account.

Mein Twitter-Anfang war ganz entspannt: Nur neugierig lesen, was andere schreiben. Noch auf dem Camp habe ich mich umgehört, wem ich denn folgen solle. Mein Interesse war ja rein beruflich, und Wissensmanagement gehört in jedem Fall dazu. Ich folgte so zwischen 10 bis 20 Experten mehrere Monate lang. Nun schreiben die meisten ja nicht täglich, andere dafür umso mehr. Es gab also immer ein paar Neuigkeiten aus dem Wissensmanagement. Mir fiel auf, dass viele Tweets nur kurz ein Thema anrissen und einen Link für weitere Informationen angaben. Das führte öfter auch auf einen eigenen Blog. Einerseits die nur 140 Zeichen auf Twitter für die kurze Übersicht und andererseits die ausführliche Darstellung – das schien mir so ähnlich wie das Zeitunglesen. Dort überfliege ich ja auch immer erstmal die Überschriften, und nur bei einigen bleibt man hängen und liest den Artikel darunter. Und wie bei einer Zeitung reicht es oft für die eigene Orientierung, nur die Überschriften gelesen zu haben. Und da sich die 140 Zeichen nicht erweitern lassen, muss jeder Schreibende auf den Punkt kommen, den Extrakt liefern, wenn er etwas vermitteln will. Das war mir von Anfang an sympathisch.

Bild: Kaboompix https://pixabay.com/de/

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Immer nur lesen?

Irgendwann meldete sich mein Gerechtigkeitsempfinden: Du kannst nicht nur immer nehmen, du musst auch mal geben. Also wagte ich meine ersten Tweets. Und plötzlich bekam ich von Twitter per Mail die Nachricht, dass mir Leute folgen – Unbekannte und nur wenige Bekannte. Die Zahl der Follower stieg mit meinen eigenen Tweets. Sogar große Experten wollten auf einmal lesen, was ich schreibe. „Jetzt gib Dir Mühe, keinen Unsinn zu schreiben“ war mein Gedanke. Öffentliches Schreiben verlangt mehr Reflexion als eine nur für mich selbst gemachte Notiz. Man vergewissert sich mehr, ob das denn auch wirklich so ist, prüft eher mal nach, sucht die Quelle noch einmal auf. Schließlich will man sich ja auch nicht blamieren.

Auch bekam ich Antworten und Kommentare zu meinen Tweets. Manchmal (aber selten) entstand auch eine richtige Twitter-Konversation – immer nur in jeweils max. 140 Zeichen. Irgendwann begann ich, meine Notizen auf Konferenzen als Tweets zu schreiben. Das ist mehr Herausforderung als normales Mitschreiben, schließlich muss man jede Aussage in 140 Zeichen fassen. Die Aussagen des Redners sind oft länger. Man muss also selber konzentrieren, auf den Punkt bringen – selber über das Gesagte nachdenken. Wie beim Mitschreiben im Studium damals, dachte ich zunächst, Zuhören und kurzgefasst schreiben – beides geht nicht. Aber mit ein wenig Übung geht es dann doch. Heute fällt mir auf, dass ich an der Menge meiner Tweets bei einem Vortrag ablesen kann, wie viel Interessantes Neues für mich dabei war. Es gibt Vorträge, da kann ich ständig Tweeten, und andere, da fällt mir kein einziger Tweet ein.

Dann wollte ich auch mal ausführlicher schreiben. Das geht nur auf dem eigenen Block. Das „Micro-Bloggen“ auf Twitter machte mich erst mutig, auch einen eigenen Blog (diesen hier) zu starten. Jetzt begann ich meine Blogposts auf Twitter anzukündigen, die Kurzaussage dort zu posten mit dem Link zum Blog-Artikel. Ich hatte ja bei anderen gesehen, wie gut sich Twitter und Blog ergänzen. Oder: Twitter für die Überschriften und im Blog den langen Artikel. Aber bei weitem nicht jeder Tweet erhält eine Link zum eigenen Blog, das lassen schon die Zahlen erkennen: Über 6000 Tweets und rund 140 Blogposts bis heute.

Was hat das alles mit Lernen zu tun?

Twitter als Fach-Nachrichten-Kanal:

Twitter kann man auch als Zeitung zu einem Fachgebiet verstehen. Vorausgesetzt man folgt den Experten aus diesem Fachgebiet. Die kann man als Redakteure verstehen, die mit ihren Tweets auswählen, was sie für wesentlich halten. Und wer genügend vielen Experten (Redakteuren) folgt, kann einigermaßen sicher sein, dass er alle wichtigen Infos aus dem Fachgebiet erhält. Mit der Auswahl derer, denen man folgt, stellt man sozusagen seinen persönlichen sozialen Filter ein. Auf diesen Filter kommt es an. Den kann man aber ständig optimieren („Entfolgen“ und anderen folgen), das hat man selbst in der Hand. Darauf höre ich immer wieder: Dann sind das ja alles subjektive Stimmen, die einen auch in die falsche Richtung lenken können. Ja, das stimmt. Das ist bei einer Fachzeitschrift aber auch nicht anders. Nur dass dort meist nur ein Redakteur die Auswahl trifft. Und bei Twitter kann man sich beliebig viele, auch unterschiedliche Experten als Redakteure leisten.

Öffentliches Schreiben als Reflexions-Anreger

Das Verfassen von Tweets ist öffentliches Schreiben. Niemand will sich blamieren, deshalb wird jeder ganz selbstverständlich einmal mehr darüber nachdenken, ob das haltbar ist, was er hier schreibt, wo die Quelle ist, vielleicht sogar den zu empfehlenden Link suchen. Ein wesentliches Element von Lernen ist die Reflexion: Beim Schreiben von Tweets läuft die fast unbemerkt ganz nebenbei. Und was man sich mal aufgeschrieben hat, braucht man oft gar nicht mehr lesen hinterher, das hat man dann im Kopf. So geht es mir mit meinen Mitschrift-Tweets bei Konferenzen.

Erst wenn man es erklären kann, hat man es auch verstanden

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man über das Micro-Blogging zum echten Blog-Schreiben kommt. Beide Ausdrucksformen haben diesen Erklärungs-Charakter. Jeder will sich beim öffentlichen Schreiben verständlich ausdrücken, so dass andere mit dem eigenen Beitrag auch etwas anfangen können. Die schriftliche Form ist da sogar die verbindlichere, gegenüber dem Sprechen. Sie lässt ja auch mehr Zeit zum Durchdringen des Themas. Während das Tweeten auf den Punkt zu kommen fordert, erlaubt (und fordert) das Blog-Schreiben mehrere Gedanken im Zusammenhang darzustellen. Beide Beschäftigungen mit einem Thema lösen unweigerlich Lernen aus.

Twitter ersetzt mir heute alle Fachzeitschriften

Inzwischen folge ich über 200 Experten, und ich fühle mich besser informiert, als früher mit den einschlägigen Fachzeitschriften. Fast Täglich überfliege ich die „Überschriften“ und bei etwa jedem 30. Tweet bleibe ich hängen und folge dann ggf. dem angebotenen Link. Aber alles lesen zu wollen, was in meiner Timeline auftaucht, wäre unmöglich. Das nehme ich mir auch gar nicht vor. Auch das ist wie in einer Zeitung: Wer aus dem Urlaub zurückkommt. liest ja auch nicht alle inzwischen erschienenen Ausgaben. Und auch täglich liest man nur, wofür man gerade Zeit und Interesse hat.

Alles was dreimal in meiner Timeline erscheint, ist wohl wichtig und sollte ich lesen, denke ich mir. Ich vertraue da dem Spruch eines unbekannten Bloggers aus 2008: Wenn eine Information wichtig ist, wird sie mich finden!

Zusammenfassung:

Twitter ist aus meiner Erfahrung tatsächlich ein Lern-Booster. Die Auswahl der Experten, denen ich bei Twitter folge, bestimmt meinen sozialen Informationsfilter. Im Bereich Bildung / Weiterbildung tweeten fast alle wichtigen Experten, so dass Twitter als Nachrichtenkanal im Fachgebiet gut genutzt werden kann. Das öffentliche Schreiben von Tweets fördert die Reflexion über das Thema, was Lernen ganz automatisch auslöst. Twitter ist eine einfache Form des Bloggens mit niedriger Einstiegshürde (man braucht nur max. 140 Zeichen füllen).

 

P.S.: Oft höre ich das Argument, auf Twitter werde ja nur Belangloses geschrieben, z.B. was jemand gerade gegessen hat. Dazu noch zwei Anmerkungen: Erstens braucht man denen ja nicht folgen, und zweitens sollten wir darüber nicht urteilen. Es gibt Menschen, die nutzen Twitter um ihre Beziehungen zu anderen zu pflegen. Inhalte stehen dabei nicht im Vordergrund. Von außen betrachtet, ist das Pflegen der eigenen Community (Familie, Freunde, Kollegen, …) wichtiger als die Inhalte. Die Inhalte sind flüchtig und austauschbar, die Community aber muss beständig sein.

Nachtrag (05.01.2016): Hier sind 9 gut passende Tipps der Edutrainment Company, wie man Twitter zum Lernen einsetzen kann.

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HRM Forum Corporate Learning in Berlin

„Wir müssen das Lernen wieder den Lernenden zurückgeben“, so habe ich das HRM Corporate Learning Forum 2015 in Berlin eröffnet. Prof. Werner Sauter argumentiert hier ebenfalls für selbstgesteuertes Lernen. Schon weil niemand besser weiß, was er wirklich braucht, als die Lernenden selber. Dem kann ich nur zustimmen.

Corporate Learning Alliance

Im Herbst häufen sich die Tagungen. So war ich zum HRM Forum Corporate Learning in Berlin eingeladen, das von Karlheinz Pape wieder souverän moderiert wurde.

(Zu?) viele Vorträge, aber auch Diskussionen und Erfahrungsaustausch in kleinerem Rahmen prägten die Veranstaltung. Was mich besonders nachdenklich gemacht hat, war der Eindruck in einer Reihe von Präsentationen, aber auch in den Frage- und Diskussionsrunden, dass tradierte Denkweisen im Corporate Learning auch in zukunftsorientierten Tagungen weiterhin dominieren. Es scheint unheimlich schwer zu sein, aus seinen Denkroutinen, die man jahrzehntelang verinnerlicht hat, auszubrechen.

Dazu gehört vor allem die Fiktion, dass eine zentrale Personalentwicklung, die sich ständig Gedanken darüber macht, welche Inhalte die Mitarbeiter lernen sollten, besser weiß, was diese benötigen, als die Mitarbeiter selbst. Wodurch wird diese Illusion eigentlich genährt?

Warum stehen in den vorgestellten Konzeptionen meist immer noch die Inhalte im Vordergrund und nicht die Ziele des Lernens? Zu diesem Bild passten die vielfältigen Fragen…

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Nachdenklich nach dem eday 2015 im Essener Learning Lab

“Wie lernen wir künftig in Organisationen?” ist das Thema für den 8-wöchigen Corporate Learning 2.0 MOOC, der gerade angelaufen ist. Dabei stellen Unternehmen aktuelle Innovationsprojekte vor, wollen die mit den Corporate Learning Professionals offen diskutieren und gemeinsam weitere Ideen gewinnen.

Der MOOC läuft mit jetzt 1200 Teilnehmenden. Allein in der ersten Woche gab es weit über 500 Beiträge. Man kann langsam erkennen, wie Lernen sich ändern wird und was das für Konsequenzen für die Lern-Gestalter hat.

Wie wir künftig in Organisationen lernen werden, müsste ja auch an den Hochschulen zu erfahren sein, die Bildungs-Professionals ausbilden. Deshalb habe ich mich beim „eday“ des Learning Lab der Universität Duisburg Essen am 16.9.2015 angemeldet. An diesem Tag sollten Studenten aus den Online-Studiengängen Educational Media: Bildung und Medien  und Educational Leadership: Bildungsmanagement und Innovation  ihre Studien-Projekte vorstellen.

Bild: KhPape

Bild: KhPape

Gespannt kam ich in Essen an. Ein schönes Gebäude, großzügig, hell und lichtdurchflutet. Das Learning Lab ist auch gerade von Duisburg nach Essen umgezogen. Der eday 2015 war also gleich die Einweihungsfeier des neuen Standortes. Eröffnung in einem Raum mit großen Touch-Screens an zwei Wänden, fernsteuerbaren Kameras an 3 Seiten und funktionierendem WLAN. Das sei das eigentliche Learning Lab berichtete Prof. Kerres stolz. Mit Wischbewegungen könne man nun auch an diesen großen Touchscreens arbeiten. Das war für die Vortragenden in diesem Raum noch so ungewohnt, dass das „Wischen“ mehrmals der Hilfe von anderen bedurfte.

Jeweils 20 Minuten waren vorgesehen für die Projekt-Präsentationen der Studierenden. Wer in einem so innovativ wirkenden Learning Lab „Educational Media“ oder „Educational Leadership“ studiert, wird seine eigenen Projekte ganz sicher elegant ausgearbeitet überzeugend präsentieren. Irgendwie ist eine Präsentation ja eine Vermittlung eines Inhalts an die Zuhörer – wie bei in anderen Lern-Settings ja auch. Also ist eine solche Aufbereitung ja der Kern der eigenen Professionalisierung. Und wo sonst als in einem dieser Studiengänge sollte man diese Kompetenz besser einüben können. Hier kann ich sicher die Lern-Gestaltungs-Profis für künftiges, anderes Lernen erleben. Dachte ich.

Bild: KhPape

Bild: KhPape

Irgendwie kam das Gefühl dann aber nie auf. Powerpoint war das Mittel der Wahl bei den meisten Präsentationen. Bei einem leuchtete sogar der Schriftzug „Untertitel durch Klicken hinzufügen“ auf der Folie. Nur einer wagte sich an die freie Rede vor einer Infografik – oder sagen wir besser Schaubild, weil Infografik heute mit einer besonderen Art farblich und grafisch anschaulich gestalteter Überblicksbilder assoziiert wird. Ein Innovations-Highlight gab es dann doch: Die Erklärung zu einer App für „Wer kennt die Mediothek?“. Da übernimmt die App die erklärende Rolle der Bibliothekarin, und gibt den Schülern viel Freiraum fürs eigene Ausprobieren.

 

 

Soziales Lernen, voneinander, im Austausch untereinander, ist zumindest in den Unternehmen ein unübersehbarer Trend. Müssten dann nicht auch die künftigen Lern-Gestalter ihre eigene Ausbildung so erleben, um selbst zu spüren, was das mit einem macht, wie kraftvoll das sein kann, und welche Grenzen das auch hat?

Während der Vorträge blicken alle konzentriert auf den Vortragenden. Fast kein Ton sonst im Raum. Wenn die Studiengangsleiterin nach dem Vortrag dann zu Fragen auffordert, dann gibt es ausschließlich Fragen an den Vortragenden. Eine Diskussion unter den Studierenden scheint nicht üblich. Lernen wird hier offensichtlich hierarchisch eingeübt – von vorn in Richtung Plenum.

 

Bild: KhPape

Bild: KhPape

Dieses hierarchische Lernverständnis spiegelt auch die Einrichtung der neuen Seminarräume wieder. Lange Tischreihen hintereinander. Die Kreidetafel, das obligatorische Waschbecken und ein Overhead-Projektor gehört übrigens ebenfalls zur Ausstattung eines jeden Seminarraums dieses modernen Learning Lab.

Bild: KhPape

Bild: KhPape

Wie gewohnt habe ich meine Anmerkungen auch hier auf Twitter öffentlich gemacht. Ich vermutete, wer Educational Media studiert, wird sicher ebenfalls twittern. Meist ergeben sich dann über Tweets interessante Verbindungen, die man dann real vertiefen will. Ich blieb allein mit meinen Tweets. Nur einer antwortete mir auf Twitter, er wolle lieber real reden in der Kaffeepause. Meint er, das könne man dann nicht? Wenn doch Twitter seit 7 Jahren das Lern-Tool Nr 1 ist, laut Jane Hart, warum nutzt dann keiner der 100 Educational-Studierenden Twitter selbst? Haben die Studierenden vielleicht schon so viel Twitter-Erfahrungen gemacht, dass sie schon beim nächsten Hype sind, den ich nur noch nicht bemerkt habe?

Sehr nachdenklich verlasse ich das schöne Gebäude, in dem sicher so viel ganz anderes Lernen möglich wäre.

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CL20 MOOC und CLC15

Zwei Corporate Learning Events, einer als Präsenzveranstaltung und der andere als Online-Kurs, haben dafür gesorgt, dass dieser Blog in den letzten Monaten ein wenig zu kurz gekommen ist. Beide starten aber in den nächsten Tagen.

Der Corporate Learning 2.0 MOOC – #CL20 beginnt am 21.9.2015 um 14.00 Uhr. Eine ganz kurze Einstimmung haben uns die MOOC-Experten der FH Lübeck freundlicherweise hier zusammengestellt:

Stand heute gibt es rund 800 Anmeldungen für diesen cMOOC. Dieses große Interesse freut uns Veranstalter natürlich sehr. Wir, das ist die Corporate Learning Alliance – CLA, deren erstes gemeinsames Projekt dieser CL20 MOOC ist. Dabei sind wir nur die Paten für die 8 Unternehmen, die jeweils eine MOOC-Woche gestalten. Ein ungewöhnliches Experiment also mit einem konnektivistischen MOOC. Zum CL20 MOOC geht es hier.

Und mittendrin findet das nunmehr fünfte CorporateLearningCamp, wieder in Frankfurt Main, am 9. und 10. Oktober 2015 statt. Auch für das CLC15 gibt es ein schönes Teaser-Video von Lutz Berger, unserem freundlichen Video-Begleiter fast aller CLC’s:

Weitere Infos zum CLC15 gibt es hier .

Demnächst also wieder mehr hier auf diesem Blog.

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