Lernen auf neue Weise unterstützen in der VHS?

120 Volkshochschul-Programmplanerinnen und -planer aus Südbayern und 50 aus Nordbayern haben sich gerade in zwei Veranstaltungen des Bayerischen Volkshochschulverbandes ausgetauscht. Ich durfte die Keynote gestalten, Impulse zu neuem Lernen hieß der Auftrag. Hier die Folien:

Meine Perspektive auf Lernen ist geprägt vom Corporate Learning. Da ist sicher nicht alles auf alle Volkshochschulangebote übertragbar, aber die Zielgruppe Erwachsene haben wir in jedem Fall gemeinsam. Und für diese Zielgruppe gibt es tatsächlich eine wachsende Menge neuer Lernangebote im Internet, in Communities und neuen Veranstaltungsformaten. Das lenkt Teilnehmerströme auch für Volkshochschulen in andere Richtungen ab. Durch immer mehr gut aufbereitetes Lernmaterial im Internet, wird auch der Qualitätswettbewerb schärfer. Jeder, der seinen Vortrag oder sein Lehrvideo ins Internet stellt, möchte nicht der Schlechteste sein. Gute Stoffaufbereitungen bilden schon heute die dauerhafte Konkurrenz für viele inhaltsvermittelnde Semnare. Oft können Trainer gar nicht so viel Aufwand für die Inhaltsdarstellung treiben. Damit wird es für Lernende interessanter, sich das Lern-Video anzuschauen – und den Kurs gar nicht erst zu besuchen.

Zudem geraten Volkshochschulen mit ihrer nur regionalen Ausrichtung (Gemeinde oder Kreis) in eine schlechte Wettbewerbsposition, wenn überregionale Angebote mit geringen Beteiligungshürden, z.B. MOOC’s, massenhaft Teilnehmer sammeln, und damit künftig sogar Volkshochschulpreise unterbieten können. Sieht man sich dann noch das starke Wachstum von durch Privatpersonen organisierten regelmäßigen Events an (von WebMontag bis BarCamps: laut Zusammenstellung von Markus Teschner 46 allein im Großraum Nürnberg), und betrachtet man diese realen Events als Lern-Veranstaltungen, dann ist hier in vielen Regionen so etwas wie eine Schatten-VHS mit großem Zulauf entstanden.

Veränderungen bergen aber auch immer Chancen. 

Beginnen wir mit verfügbarem und gut aufbereitetem Lernmaterial im Internet: Das kann man nutzen, um damit die Flipped-Classroom-Idee als neue Lernform in VHS einzuführen. Die Inhalte schauen sich die Teilnehmer vor dem Kurs an, im Kurs wird dann nur noch gemeinsam an den zugehörigen Aufgaben gearbeitet.

MOOC’s können – eine oder besser noch mehrere – VHS ebenfalls anbieten. Egal ob cMOOC oder xMOOC, möglicherweise gewinnt man sogar die Landes-Rundfunkanstalt als Partner zu Erstellung der wöchentlichen Inputs, die ja möglicherweise auch als Radiobeiträge ihren Trigger-Input liefern könnten. Einen ersten vorsichtigen MOOC-Versuch gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk machen die hessischen VHS gerade.

Lern-Coaches, Lerner Services, wären ganz neue Dienstleistungen, die selbständiges Lernen unterstützen und informelles Lernen mit formalem Lernen gut verbinden könnten.

Und als größere Vision könnten VHS so etwas wie Wissensmanager für die lernende Region sein. So wie sich Unternehmen bemühen, immer mehr zu lernenden Unternehmen zu werden, um sich schneller weiterzuentwickeln, so können auch ganze Städte oder Landkreise ihr Einwohner-Potential zur eigenen Weiterentwicklung nutzen.

Ein schönes Beispiel für die Unterstützung einer lernenden Organisation gibt die Adidas-Open Corporate University. Vom Vorstand bis zum Praktikanten ist dort jeder mal Lehrender und mal Lernender. Die Open Corporate University stellt die Infrastruktur dafür, dass jeder sein Wissen weitergeben kann, egal ob als Seminar, als Video, Wiki-Eintrag oder Event – und gibt ebenfalls jedem Mitarbeiter die Möglichkeit sich dort Wissen abzuholen, dass er gerade braucht, und sich in Communities zu engagieren, die ihn interessieren.

Das müsste doch auch auf Gemeinden oder Landkreise anwendbar sein: Die VHS als anregende Infrastruktur für Wissensaustausch und Wissenskonstruktion für Bürger der eigenen Region. Also nicht das Aufbereiten und Vermitteln von Wissen ist dann die Kernaufgabe der VHS, sondern das Sichtbarmachen der vielfältigen Kompetenzen der Bürger, ggf. das Unterstützen beim Vorbereiten von „Wissensgebern“, und das Zusammenbringen von Lehrenden und Lernenden. Die VHS also eher als Community-Manager der Bürger ihrer Region.

Die ganze Region zu einer Community of Practice machen? Das war für viele Teilnehmer noch sehr viel Zukunftsmusik. Dennoch, als Entwicklungsmotor einer Region hätten Volkshochschulen eine wirklich neue und sehr wertvolle künftige Rolle.

VHS Bamberg

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