Udemy senkt Kurspreise unter Volkshochschul-Niveau

Mit 451 Kursen in deutscher Sprache bildet Udemy heute schon das gesamte Themenspektrum von Volkshochschulen in Deutschland ab. Wie in vhs produzieren Dozenten den gesamten Kursinhalt selbst. Nur steht ihnen für alle selbst eingeworbenen Teilnehmer der volle Teilnehmerpreis zu, für die anderen bekommen sie 50% der Einnahmen. Die bisherige Kurs-Preis-Spanne zwischen etwa 10 und 300€ wird ab April 2016 reduziert auf 20 bis maximal 50€. Damit landen viele Kurse unterhalb von Volkshochschulpreisen.

udemy-logo

Udemy sitzt in San Francisco und wurde erst 2010 gegründet. Heute zu Beginn 2016 hat Udemy über 10 Millionen Teilnehmende, mit mehr als 42 Millionen Kurseinschreibungen in über 40.000 Kurstypen von mehr als 20.000 Dozenten. Englisch ist die häufigste Kurssprache, was die internationale Verbreitung erleichtert. Inzwischen sind Kurse aber in über 80 Sprachen zu finden, darunter auch 451 Kurse in deutscher Sprache, zu allen wesentlichen Themen, von Sprachkursen über IT-Kurse, Fotografie, Gesundheit und Fitness, Musik bis zur Prüfungsvorbereitung für bestimmte Abschlüsse.

Service für Dozenten

Udemy ist sehr bemüht, den Dozenten das Erstellen der Online-Kurse zu erleichtern, und die Dozenten zu erfolgreichen Kursleitern zu machen. Schließlich lebt Udemy ausschließlich von gutem Content erfolgreicher Dozenten. Eine faire Win-Win-Situation, wie es scheint. Um gute Dozenten zu gewinnen, gilt das Angebot, dass die Kursgebühr für jeden selbst eingeworbenen Teilnehmer zu 100% dem Dozenten gezahlt wird. Bei allen anderen Teilnehmern behält Udemy 50% der Kursgebühr ein. „Udemy kümmert sich um den Kundenservice, die Zahlungsabwicklung und Hosting-Gebühren, ohne Gebühren für Sie!“ so macht Udemy den Dozenten die Zusammenarbeit schmackhaft. Wer also vor hat, mit Online-Kursen Geld zu verdienen, der bekommt hier günstige Startbedingungen, ohne eigenen Aufwand für die Teilnehmerabwicklung und ohne selber viel ins Marketing investieren zu müssen. Das erledigt Udemy.

Dennoch regt Udemy Dozenten auch zum Marketing für die eigenen Kurse an. Dozenten haben in diesem Modell auch ein Interesse an vielen Teilnehmenden, sie sind ja auch Unternehmer in eigener Sache. Und Udemy ist natürlich ebenso an steigenden Teilnehmerzahlen interessiert.

Vorgehen für Kursqualität

Für den Kursaufbau gibt es Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit der Kurs von Udemy im abschließenden Quality Review Process auch freigegeben wird:

  • Video soll mindestens 60% des Kurses ausmachen (darf auch ScreenCast sein)
  • Video-Lektionen sollen jeweils zwischen 2 und 20 Minuten dauern, 5 bis 7 Minuten werden empfohlen
  • Gut gestaltete Texte, Folien können ergänzend eingesetzt werden
  • Mashups sind ebenso möglich: Videos neben erklärenden Folien

Udemy empfiehlt jeden Kurs zunächst der Dozenten-Community vorzustellen und deren Feedback einzuholen. Dafür gibt es eine geschlossene Facebook-Gruppe mit 37.000 Mitgliedern.

Die Kurs-Freigabe nach dem Quality Review Process wird lt. Udemy von einem Udemy-Team erledigt. Die beschriebenen Bedingungen sind aber eher technischer Natur. Eine inhaltlich didaktische Prüfung ist daraus nicht zu erkennen – und wohl auch schwierig für die vielen Themen.

Natürlich gibt es einen ausführlichen Einführungskurs für neue Dozenten als Udemy-Kurs, für den sich 222.000 Personen eingeschrieben haben. 45 Lektionen werden dafür angekündigt. Alles in dem Bestreben, den jeweiligen Dozenten auf dem Weg zum Top-Dozenten zu unterstützen. Allein schon die Anleitung für ein Intro-Video ist lesenswert und vermittelt Erfahrungen aus vielen Kursankündigungen.

Dozenten werden auch intensiv angeleitet, ihren Kurs so zu platzieren, dass er viele Teilnehmer anzieht. Hier eine Anleitung für die Kursthemenfindung.

Viele Tipps zum Produzieren von Lektionen, sind auch ausführlich beschrieben, hier ein Beispiel für Videos und guten Ton.

Udemy by numbers

Orientierung für Teilnehmer:

Die vielen Kurse sind nach verschiedenen Kategorien geordnet, von denen Udemy annimmt, dass Teilnehmende bei der Kurssuche davon ausgehen. Auch innerhalb der Oberkategorien gibt es Unterteilungen in dazu passende Unterkategorien, so dass das Finden des passenden Kurses möglichst leicht wird, was bei der großen Zahl naturgemäß wohl immer problematisch ist. Da sollen die Bewertungen anderer Teilnehmender helfen. Auffällig sind nur die teilweise noch sehr kleinen Bewerter-Zahlen und die sonst fast immer guten 5-Sterne-Bewertungen. In jedem Falle kann man sich vor der Kursbuchung einen kurzen Eindruck vom Dozenten und dessen Vorstellung des Inhalts verschaffen, meist als Video-Botschaft. Oder es wird eine der Video-Lektionen vorab zur Verfügung gestellt. Auch das hilft abzuschätzen, ob man mit Dargebotenem und Darbieter klar kommt.

Für den Überblick hier eine Auswertung aller Kurse in deutscher Sprache nach Oberkategorien von Udemy (Stand 3.3.2016):

  • Programmierung: 57 von 3425 (+476 kostenlos)
  • Wirtschaft: 70 von 4823 (+504 kostenlos)
  • IT und Software: 42 von 1437 (+164 kostenlos)
  • Büroproduktivität: 45 von 1393 (+136 kostenlos)
  • Persönlichkeitsentwicklung: 44 von 3310 (+294 kostenlos)
  • Design: 21 von 2104 (+234 kostenlos)
  • Marketing: 61 von 2281 (+275 kostenlos)
  • Lifestyle: 6 von 906 (+77 kostenlos)
  • Fotografie: 28 von 27 (+1 kostenlos) nur in Deutsch!
  • Gesundheit und Fitness: 43 von 1458 (+95 kostenlos)
  • Lehrer-Training: 7 von 361 (+ 81 kostenlos)
  • Musik: 12 von 842 (+55 kostenlos)
  • Akademische Kurse: 4 von 767 (+129 kostenlos)
  • Sprachen: 9 von 497 (+67 kostenlos)
  • Prüfungsvorbereitung: 2 von 180 (+76 kostenlos)

Kurse in Deutsch insgesamt: 451 Kurse.

Legende am Beispiel „Persönlichkeitsentwicklung“: 44 Kurse in Deutsch von insgesamt 3310 in allen Sprachen, davon werden 294 kostenlos angeboten.
(Möglicherweise werden einige auch in mehreren Kategorien gelistet, das konnte ich nicht überprüfen.)

Wie in der Tabelle zu sehen, bietet Udemy auch kostenlose Kurse an, wenn der Dozent das so will. Offenbar nutzen Dozenten den Udemy-Service für etwa 10 % der Kurstypen für kostenlose Lernangebote. Es gibt also auch einen deutlichen Anteil nicht-monetärer Motivationen unter den Dozenten.

Teilnehmende erwerben übrigens ein lebenslanges Zugangsrecht zu den gebuchten Kursen. Das macht schon zu Beginn völlig unabhängig von jeglichem Zeitdruck. Und das Auffrischen nach Jahren ist jederzeit kostenlos wieder möglich. Vermutlich wurde der Kurs bis dahin auch aktualisiert, so dass es dann nicht nur ums Auffrischen geht.

 

Fazit:

Obwohl es immer mehr gut aufbereitete Lern-Module kostenlos im Internet gibt, hat sich Udemy in nur 6 Jahren zu einem der größten Anbieter mit Bezahl-Content entwickelt. Interessant ist das den Volkshochschulen sehr ähnliche Geschäftsmodell, von Dozenten erstellte Kurse zu verkaufen. Im Unterschied zu Volkshochschulen werden Dozenten bei Udemy mehr als Unternehmer gesehen, denen ein fester Anteil der Kursgebühren zugesichert wird. Sie tragen damit auch das Risiko einer Kursentwicklung, die sich möglicherweise nicht lohnt. Das ist bei Volkshochschulen aber nicht anders: Nur wenn genügend Teilnehmer angemeldet sind, findet der Kurs statt und ein Honorar fließt auch nur dann.

Die drastische Preissenkung von Udemy auf 20 bis maximal 50 € zielt auf deutlich noch mehr Teilnehmer als bisher schon. Das deutschsprachige Kurs-Spektrum entspricht aus meiner Sicht schon heute dem von Volkshochschulen. Die Preise liegen dann wohl unter den vhs-Gebühren. Selbst wenn vhs jetzt beginnen würden, flächendeckende Online-Angebote zu entwickeln, hätte Udemy einen riesigen Entwicklungs-Vorsprung, der wohl kaum einzuholen sein wird. Aber Überraschungen sind ja immer möglich.

Und für Unternehmen wirkt Udemy als ein sehr attraktiver Online-Kurs-Anbieter. Das hängt ein wenig vom Preismodell für Unternehmen ab. Das wurde aber noch nicht veröffentlicht.

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5 Antworten zu Udemy senkt Kurspreise unter Volkshochschul-Niveau

  1. Joachim Sucker schreibt:

    Ja, das geht schon sehr in eine Richtung, die ich persönlich mit dem Konzept der „erweiterten Letnwelten“ (ELW) verbinde. Auch wenn VHSen ihre Stärke in den Präsenzangeboten sehen und über die ELW dies hin zu Blended-Angeboten ausbauen möchten, so sehe ich durchaus Bedarf und Entwicklung in reinen Online-Angeboten.
    Als Dozent sowieso. Die Vor-Ort-Angebote können meist den Return of Invest nicht erreichen, dadurch wird das Honorar eher zu einer Aufwandentschädigung. Reine Online-Angebote haben auf lange Sicht da mehr zu bieten. Mit einer stetigen Aktualisierung meiner Kurspakete und einem guten Udemy-Marketing werden wohl viele wichtige Kursleitungen den Rückzug von der VHS antreten. VHS ist dann eher der Lückenfüller. Auch das wird sich auf lange Sicht in der Qialität der Kurse niederschlagen.
    Eine Online-VHS sollte als weiteres Standbein der ELW nicht ausgeklammert bleiben.

  2. Pingback: Udemy Teil 2: Wachstum, Qualität und Dozenten als Unternehmer | Corporate Learning – Training und Wissensmanagement

  3. Pingback: Udemy Teil 2: Wachstum, Qualität und Dozenten als Unternehmer – CorporateLearningCamp – CLC16

  4. Pingback: Video-Interview: Disruption und Hochschullehre in Deutschland – Studieren.digital

  5. Daniel schreibt:

    Diese Entscheidung wurde von Udemy zum Glück wieder geändert. Die Preise können nun wieder bis 300€ vergeben werden. Ein Segen für Dozenten:

    Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um euch auf einen unserer Kurse aufmerksam zu machen: WordPress für Beginner – Agenturwissen schnell und kompakt.

    Die ersten 30 Anmelden sind kostenlos, also schnell sein! – Mehr Informationen unter:
    http://workoutseven.de/video11
    oder direkt auf Udemy:
    https://udemy.com/wordpress-fuer-beginner/

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