Fach-Messe neu denken

Das Erleben des Open Summit als BarCamp auf der Messe CO-REACH in Nürnberg lässt mich nicht mehr los. In der Kombination BarCamp und Messe steckt noch weiteres Potential, so mein erster Eindruck, gleich nach dem Messebesuch. Deshalb erst einmal der Blick von außen auf eine ganz normale Fach-Messe:

Foto: Karlheinz Pape CC BY

Foto: Karlheinz Pape CC BY

Wem sollen Fach-Messen dienen? Was erwarten diese Menschen?

Aus meiner Sicht gibt es zwei große Gruppen von Fach-Messe-Besuchern.

  • Die einen suchen ganz konkrete Lösungen für ihre aktuellen Probleme.
  • Die anderen möchten sich orientieren, ob und was sich in ihrem Arbeitsumfeld gerade ändert.

Ich vermute, die erste Gruppe, die nach Lösungen sucht, ist die größere. Und nur die ist ja eigentlich für die Messe-Aussteller interessant. Betrachten wir also die Gruppe der Problem-Lösungs-Sucher genauer. Stellen wir uns vor, ein Verantwortlicher einer Weiterbildungsorganisation eines mittleren Unternehmens kommt auf eine einschlägige Fach-Messe, weil er in seiner Organisation ein Learning Management System (LMS) zur Kurs- und Teilnehmerverwaltung einführen will.

Seine Vorstellungen, was das LMS bei ihm leisten soll, sind aus seiner Sicht recht konkret. Aber er hat noch nicht mit so einem LMS gearbeitet, und kennt damit auch nicht die weiteren Möglichkeiten und auch nicht die vielen Schwierigkeiten, die nach der Einführung auftreten können. Mit diesen Vorstellungen geht er heute nacheinander an die Stände verschiedener Anbieter. An jedem Stand wird er vermutlich freundlich aufgenommen. Dort wird man sich bemühen, ihm die Vorteile der jeweiligen Lösung deutlich zu machen. Nach fünf oder sechs solcher Beratungen merkt unser Fachbesucher, dass er trotz der vielen Informationen eher unsicherer geworden ist. Seine Entscheidung kann noch gar nicht fallen, er muss erst noch tiefer in das Thema einsteigen. Etwas frustriert fährt er abends wieder nach Hause. Er weiß auch noch nicht, was er seinem Chef morgen berichten will.

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Wie könnte eine Messe diesen Fach-Besucher besser bedienen?

Im oben genannten Beispiel baut sich der Fach-Besucher sein Bild über eine mögliche Lösung aus Anbieter-Gesprächen zusammen. Diese Gespräche werden von den Anbietern aber alle verkaufs-interesse-geleitet geführt. Über mögliche Schwierigkeiten wird man hier kaum reden. Das weiß unser Fachbesucher auch, aber das hilft ihm nicht, sein Bild von einer guten Lösung wirklich rund zu machen.

Nun sind auf einer Messe aber ganz viele Besucher, die ihm vermutlich mit eigenen Erfahrungen besser helfen könnten, als die verkaufen-wollenden Anbieter. Welch einen Mehrwert könnte eine Messe bieten, wenn es gelänge, das Wissen der vielen Fachbesucher gegenseitig verfügbar zu machen.

Stellen wir uns wieder unseren Fachbesucher oben vor. Auf dieser neuen Messe geht er zunächst zur zentralen Kommunikations-Plattform, auf der sich alle 2 Stunden alle neuen Besucher sammeln, um die Erfahrungs-Kommunikation unter den Besuchern für die nächsten 2 Stunden zu planen. Jeder darf hier seine Frage einbringen, eigene Erfahrungen für andere anbieten, aber auch Themen-Diskussionen anbieten. Unser Fach-Besucher wird hier die Frage stellen: “Worauf muss man achten beim Einsatz eines LMS in einem mittleren Unternehmen?”

Die zentrale Kommunikations-Plattform ist ein immer wieder beginnendes BarCamp mit 30 Minuten-Sessions. Hier geht es um den Austausch unter anwesenden Besuchern auf gleicher Augenhöhe. Die ständig aktualisierten Sessionpläne werden mit Raumangaben auf der gesamten Messe gut sichtbar für alle dargestellt. Jeder, der sich für ein Thema auch interessiert, kann dazu kommen. Auch Anbieter natürlich, nur Verkaufsgespräche sind in den Sessions tabu.

Unser Fach-Besucher hat Glück. Tatsächlich gab es einige Kollegen aus anderen Unternehmen, die ihm ihre Erfahrungen in einer Session geschildert haben. Er weiß jetzt viel besser, was wichtig ist, und welche Fragen er bei den Anbietern stellen muss. Und so ganz nebenbei hat er auch noch Kontakte geknüpft. Von drei Kollegen hat er Visitenkarten bekommen. Er darf sie anrufen, wenn er weitere Fragen hat. Am nächsten Morgen berichtet er seinem Chef, nur 2 der vielen Anbieter kommen für sie in Frage. Und für die Einführung kann er sich Erfahrungen aus drei anderen Unternehmen abholen.

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Mehrwert für Fach-Besucher und für Aussteller

Dieses Modell basiert auf zwei gedachten Messe-Schwerpunkten,

  • der konventionellen Anbieter-Messe mit Messeständen – hier haben die Anbieter “das Sagen”
  • und der Besucher-Messe als Kommunikations-Plattform, auf der die Besucher “das Sagen” haben.

Messe-Besucher bekommen damit nicht nur zusätzliche neutrale Informationen, sie spüren auch eine deutliche Aufwertung. Sie sind gefragt, ihr Expertenstatus darf und soll hier sichtbar werden. Und reales Community-Building ist ebenfalls auf ganz einfache Weise möglich.

Die Anbieter profitieren ebenfalls doppelt:

  • besser informierte Nachfrager lassen schneller zum Abschluss kommen
  • und ein Beobachten der BarCamp-Sessions zeigt aktuelle Trends und Erfahrungen der potentiellen Kunden

Das ist noch eine Vision

Fach-Besucher werden ihre Gewohnheiten nicht alle gleichzeitig ändern. Aber das Beispiel Open Summit der CO-REACH von NürnbergMesse zeigt, dass es gelingt, Messe-Besucher auch zu BarCamp-Sessions zu bewegen. Wenn sich dann noch rumspricht, dass man sich dort viele neutrale Infos von Kolleginnen und Kollegen anderer Unternehmen holen kann, dürften die Teilgeber-Zahlen (Session-Besucher) deutlich steigen.

Fazit aus Sicht eines Learning-Professionals

Messen sind Lern-Umgebungen! Lernen findet immer statt, wenn man eine Herausforderung zu lösen beginnt. Zu Messen kommen Menschen, die ein Problem lösen wollen. Die sind froh, wenn ihnen das möglichst leicht gemacht wird. So eine besucherorientierte Aktiv-Messe bietet die Rahmenbedingungen für leichteres Lernen.

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Open Summit – BarCamp als zentraler Kommunikationspunkt der Messe CO-REACH

In 2013 der erste Versuch der NürnbergMesse: Die damals noch “Mailingtage” genannte Messe mit einem innovativen Konferenzteil, einem BarCamp zu ergänzen. Heute heißt die Messe CO-REACH und das integrierte BarCamp Open Summit 2014 hatte rund 250 Teilnehmer.  Bild: Karlheinz Pape CC BY

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Ich erlebte 2 Tage ungewöhnlicher BarCamp-Atmosphäre. Gleich am Eingang Messe Ost in der großzügigen lichtdurchfluteten Vorhalle ein Riesenplakat mit Hinweis auf den dort platzierten Open Summit. Jeder eintretende Messebesucher musste daran vorbei, übersehen ging nicht. Blaue Bodenflächen leiteten zum BarCamp Open Summit, grüne zu den Ausstellungshallen. Morgens um 10.00 Uhr eine kurze Einstimmung “Das ist hier eine Un-Konferenz, also das Gegenteil von einer Konferenz, eher ein großes Pausengespräch”. So der Moderator Stefan Peter Roos auf der kleinen Bühne. Erstaunlich viele Besucher, denke ich bei der auch hier völlig selbstverständlich laufenden Vorstellrunde. Alle halten sich dran: Vornamen und zwei “Tags”, so als machten sie das jeden Tag. Danach füllt sich die Bühne ein wenig zögernd. Manch einer wartet erst ab. Nach und nach werden immer mehr Themen vorgeschlagen. Zu jeder Stunde ein neues Thema in fünf, manchmal sechs Räumen gleichzeitig:

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25 Sessions liefen am Mittwoch, 25.6.2014:

  • Stakeholder Kompass
  • Warum wir Culture Hacking benötigen
  • Best Practice: In 1 bis 2 Tagen zum neuen Shop-Konzept
  • PR 2.0 oder Social Media: Erfahrungen aus dem Mittelstand
  • Erfolgsfaktoren für Corporate Blogging
  • Ego- oder Selbst-Marketing
  • Google Glass ausprobieren
  • Offene Diskussion “DigitalSharecropping” und Lösungen für eine Zukunft ohne Facebook
  • Facebook und andere Katastrophen
  • Google erreicht Menschen. Ihre Webseite auch?
  • Daten und Kreativität
  • Content-Marketing in Theorie und Praxis
  • Nürnberg Web WeekBanking im Zeitalter des Smartphones
  • Vertrauen aufbauen mit “Links” – so geht Empfehlungsmarketing für Suchmaschinen
  • Storytelling zum Transport über viele Kanäle (Gunter Dueck)
  • Wie kommunizieren wir in 2030? Session zur Co-Reach Sonderschau
  • Banking im Zeitalter des Smartphones
  • Onpage SEO Klinik – Fit für das Google Ranking
  • Einsatz von Near Field Communication (NFC) für Cross Media Kommunikation
  • Sweat the small stuff – Eine Anleitung für multisensorisches Dialogmarketing
  • HR Innovation
  • Controlling im Online-Innovationsmanagment und Social Media Marketing
  • Innovationsmanagement im Großverlag
  • Temenos – Kulturraum für Kommunikation und Vertrauen
  • Qualifizierte Marktforschung durch systemisches Stellen

16 Sessions am Donnerstag, den 26.6.2014 (früheres Ende und Streik des öffentlichen Nahverkehrs in Nürnberg)

  • How to save 50% of your Online Budget
  • Rechtliche Aspekte des Video-Marketings
  • Qualitative Marktforschung durch systemisches Stellen
  • Data driven Marketing
  • SEO-Tools Hands on
  • Outsource your Live
  • OXID Online shop Marketing
  • Industrie 4.0 geht uns alle an
  • Animations-Tools
  • Wie kommt die Kreativität ins Unternehmen?
  • Google erreicht Menschen. Ihre Webseite auch?
  • Wie kommunizieren wir in 2030? Session zur CO-REACH Sonderschau
  • Reverse Engineer Market Success
  • Most modern PR Technologies
  • Vertrauen aufbauen mit “Links” – so geht Empfehlungsmarketing für Suchmaschinen
  • Stakeholder Kompass
Bild: Karlheinz Pape CC BY

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Insgesamt wurden also 41 Sessions gestaltet, während eines klassischen Messe-Betriebs! Tim Schikora, der mit drei anderen gemeinsam den Open Summit im Auftrag von NürnbergMesse vorbereitet hat, berichtet von rund 200 Anmeldungen bis zum Beginn der Messe CO-REACH. Während der Messe haben sich zusätzlich 90 Personen zur Teilnahme am Open Summit angemeldet. Man kann also von vermutlich 250 tatsächlich “Teilgebenden” ausgehen (ein paar vermutete No-Shows abgezogen). Damit ist das ungewöhnliche BarCamp Open Summit schon beim zweiten Mal in die Liga der großen BarCamps aufgestiegen.

Die 90 Spontan-Anmeldungen kamen auf jeden Fall aus den Reihen der Messebesucher. Natürlich hat das BarCamp auch Teilgeber angezogen, die aus der gut vernetzten Nürnberger Szene stammen, die vermutlich nicht zur CO-Reach gegangen wären, aber ein Interesse an den Themen Marketing und Social Media haben. Auch das dürfte im Interesse von NürnbergMesse liegen, einerseits wegen der Besucherzahl und andererseits sind das in der Regel auch die Blogger und Twitterer, die mithelfen, die Messe-Botschaften in die Welt zu tragen.

Messebesucher zahlen Eintritt – Open Summit BarCamp-Teilgeber nicht

DSCN4501BarCamps und Messen sind so unterschiedlich, dass man kaum vermutet, dass das zusammen gehen kann. Bei BarCamps sprechen wir von Teilgebern, weil ja jeder in irgendeiner Weise zum Gelingen beiträgt, als Session-Gestalter, in Session-Diskussionen, als Blogger, usw. Wer beiträgt, will dafür nicht bezahlt werden, aber auch nicht zahlen. Bei BarCamps wird höchstens ein finanzieller Beitrag der Teilgebenden für die Verpflegung akzeptiert. MesseNürnberg hat das ganz elegant gelöst: Jeder, der sich vorher zum Open Summit BarCamp angemeldet hat, bekam ein kostenloses 2-Tages-Ticket für die gesamte Messe. Deshalb konnte das BarCamp auch ohne Kontroll-Barrieren integrierter Teil des Messegeschehens sein. Damit wird es aber auch schwierig, die BarCamp-übliche Essens- und Getränke-Voll-Versorgung nur für die BarCamp-Teilgeber zu gewährleisten. Das würden ja die insgesamt 7000 Messeteilnehmer auch gern in Anspruch nehmen. Auch hier eine geschickte Lösung von MesseNürnberg: Extra für den Open Summit Teil gab es eine ganztägige Teilgeber-Betreuung mit zwei Hostessen, an deren Tisch es immer ein paar Gebäckteilchen zur Verfügung standen. Wasser gab es an mehreren Stellen der Open Summit Area, und im extra für den Open Summit blau gekennzeichneten Bereich stand ein Barista, der kostenlos edlen Espresso bereitete. Die Grundbedürfnisse von BarCamp-Teilgebern wurden also alle einfach aber wirkungsvoll befriedigt.

Besonderheiten eines Messe-BarCamps

Community-Building:
Dass ein BarCamp auf einer Messe auch funktioniert, ist mit diesem zweiten Open Summit BarCamp bewiesen. Aus meiner Sicht gibt es aber doch einige Unterschiede zu “normalen” BarCamps. Wer sich sonst zwei Tage lang zu einem BarCamp begibt, der wird meist integrierter Teil einer Community – zumindest für diese zwei Tage. Ein Teil der Open Summit Teilgeber war auch hier die ganze Zeit im Wesentlichen BarCamp-Teilgeber. Für die war dieser Community-Spirit auch spürbar. Ein größerer Teil war aber nur sporadisch dabei, mal in ein oder zwei Sessions. Innerhalb von Sessions war da kein wesentlicher Unterschied zu spüren. Das auch hier eingeführte und von allen akzeptierte “Du” wirkte integrierend und kommunikationserleichternd. Innerhalb von Sessions gibt es aber wenig Vernetzungs-Gelegenheit. Deshalb scheint mir gerade bei Messe-BarCamps die strenge Einhaltung der 45 Minuten Session-Zeit mit anschließender 15 Minuten Verteilpause so wichtig. Beim Verlassen des Session-Raumes sind fast alle im Gespräch, das sind die Vernetzungs-Gelegenheiten. Dann darf nicht gleich die nächste Session folgen, zu der mindestens einer der Gesprächspartner eilt.

 

Bild: karlheinz Pape CC BY

Bild: karlheinz Pape CC BY

Transparenz im Messegeschehen:
Die beginnt – wie bei anderen BarCamps auch – schon vor dem Camp, hier vor der Messe. Gerade weil BarCamps bei klassischen Messe-Besuchern noch nicht sehr bekannt sind, ist es erforderlich in der Messe-Kommunikation rechtzeitig und immer wieder auf den integrierten BarCamp-Teil hinzuweisen. Das BarCamp muss auch vorher schon greifbar, vorstellbar werden, um überhaupt ein Interesse zu wecken. Dafür ist hier eine völlig neue Software-Lösung entstanden, der Open Spacer von der Proud Sourcing GmbH, die im Vorfeld Session-Ideen sammelt, Kommentare und Bewertungen dafür zulässt, und beim Camp eine Social-Media-Wall erzeugt, die auf der ganzen Messe auf das aktuelle Geschehen des BarCamps hinweist. Hier die Webseite http://open-summit.com/, die ausschließlich “Open Spacer” nutzt. Erstaunliche 47 Session-Vorschläge gab es schon vor dem Open Summit 2014 auf dieser Plattform. Ein Hinweis auf ein sehr aktives OrgaTeam, das schon im Vorfeld Interessierte angesprochen hat.

Zentral aber ruhig:
Messen sind laut, viele Menschen bewegen sich vorbei, Konzentration auf ein Thema ist oft schwierig, höchstens Small Talk ist die Folge. BarCamp Sessions brauchen aber Konzentrations- und Intensiv-Gesprächszeit. Das geht nicht gut in einer Ecke der Ausstellungshalle. Die vielen Speaker-Zonen in Messehallen helfen sich mit immer größeren Beschallungsanlagen, um den Geräuschpegel zu überdecken. Keine gute Atmosphäre für intensive Gespräche auf gleicher Augenhöhe, wie wir sie in Sessions suchen. MesseNürnberg hat das gut gelöst: Zentral, jeder musste schon am Eingang dran vorbei, und ruhig, weil in Räumen auf der Empore im ersten Stock der Eingangshalle. Bewusst nicht in der Messehalle, sondern eher die professionelle Konferenzatmosphäre bietend, schien hier die stimmige Überlegung. BarCamps sind professionelle Konferenzen.

Künftig mehr Messe-BarCamps?

Das Beispiel der CO-REACH mit dem integrierten Open Summit BarCamp ist aus meiner Sicht überzeugend gut gelungen. (Nur über den Namen des BarCamp-Teils könnte man schon noch mal nachdenken.) Messen wandeln sich seit einigen Jahren. Die reinen Stand-Präsentationen werden ergänzt mit immer mehr Konferenzanteilen. Bühnen mit einem Vortrags-Programm gibt es in fast jeder Messehalle. Manche Messen laufen schon grundsätzlich mit angeschlossener klassischer Konferenz. Eigentlich sind Messen aber Kontakt-Möglichkeiten von Interessenten mit Anbietern und Experten. Das Messe-Ziel sind aus meiner Sicht persönliche Gespräche, und nicht das stille Zuhören bei Experten-Vorträgen.

Während Gespräche am Messe-Stand eher “Anbieter-Interesse-geleitet” empfunden werden, könnten die gemeinsamen Gespräche in BarCamp-Sessions das neutrale Gegengewicht zur eigenen Meinungsbildung werden. Es spricht nichts gegen eine Beteiligung von Anbietern in BarCamp-Sessions. Allein, dass dort viele Perspektiven (der anderen Teilgeber) zur Sprache kommen, und zusätzlich interessante Kontakte zu anderen Anwendern entstehen, dürfte sehr hilfreich für eigene Produkt-Entscheidungen sein. Messen dienen dazu, Kauf-Entscheidungen zu erleichtern.

BarCamps könnten zum zentralen und neutralen Kommunikationspunkt für Anbieter wie für Messe-Besucher werden. Das Prinzip der inhaltlichen Selbstorganisation stellt zudem sicher, dass es nur “gewünschte” Themen und “Teilgebende” gibt. Die Teilgeber bringen ihre Themen selbst ein, und lassen sich überraschen, wer zu dem Thema auch beitragen will. Vielleicht kommen künftig Messe-Besucher schon mit der Absicht zur Messe, das eigene Problem dort zunächst in einer BarCamp-Session zur Diskussion zu stellen. Um damit schon mal Ideen und Erfahrungen von anderen Teilgebern einzusammeln. Dann laufen auch die Gespräche mit den Anbietern am Messe-Stand viel flotter. Derzeit haben die Anbieter mit ihren aufwändig gestalteten Ständen die Kommunikations-Hoheit bei Messen. Im eingeschwungenen Zustand könnten BarCamps auf Messen den Kaufinteressenten eine deutlich höhere Kommunikations-Macht verschaffen. Das wertet Kauf-Interessenten auf Messen auf. Es wird sich wieder lohnen, solche Messen zu besuchen, bei denen man mitreden darf.

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Bild: Karlheinz Pape CC BY

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adidas Learning Campus – The New Way of Learning

Am 18. Juli 2014 startet der neue “adidas Learning Campus” offiziell in allen 160 Ländern der adidas Group mit einer Learning Week. Im neuen “Learning Campus” wird Lernen ungewohnt anders betrachtet “Die persönliche und private Entwicklung eines jeden Einzelnen muss im Vordergrund stehen. Die professionelle Entwicklung, aber auch die ganz persönliche Entwicklung”, so Christian Kuhna, der Architekt und Treiber des New Way of Learning im Headquarter der adidas Group.

Auf dem Weg zum Lernenden Unternehmen “bei dem Nachhaltigkeit des Lernens ein Wettbewerbsvorteil ist” soll der adidas Learning Campus eine prägende Rolle spielen. 5 Prinzipien bilden die Leitlinien für den neuen Weg des Lernens:

  • Working is learning and learning is working
  • Shift to an open and collaborative connected social learning environment
  • Leadership means sharing, teaching and learning
  • Innovation is part of everybody’s daily work
  • Create a new culture of self-driven live-long learning

Die Aufhebung der Abgrenzung von Lernen und Arbeiten, verbunden mit einer selbstgesteuerten Lernkultur scheinen mir dabei die wesentlichen Schlüssel. Das Lernen und alle Wege zur eigenen Entwicklung “gehören” hier jedem einzelnen Mitarbeiter. Dass Selbststeuerung beim Lernen kein überfordernder Anspruch an die Mitarbeiter ist, wird deutlich wenn man sich klar macht, dass 90% allen Lernens im Betrieb informelles Lernen ist. Und das gilt auch für die großen persönlichen Entwicklungs-Herausforderungen, wie ein Wechsel in eine andere Funktion oder Führungsaufgabe. Mitarbeiter sind aus meiner Sicht große Experten im etwas Sich-selbst-Erarbeiten. Informell (selbstgesteuert) zu Lernen scheint eine sehr natürliche Form des Lernens zu sein, bei der auch niemand auf die Abgrenzungs-Idee kommen würde: Hier Lernen und dort Arbeiten.

Und wer dann eine neue Kompetenz entwickelt hat, kann ja wieder zur Entwicklung seiner Kolleginnen und Kollegen beitragen, indem er sein Wissen, seine Erfahrungen Anderen zur Verfügung stellt. “You learn, you teach, you network, you collaborate” ist dabei auch die ausgesprochene Anforderung an alle adidas Mitarbeiter, vom Vorstand bis zum Praktikanten. Und das nicht nur intern. Openess ist ein weiteres Grund-Prinzip des adidas Learning Campus. “Je mehr man gibt, desto mehr bekommt man auch zurück. Das ist gerade bei Lernen und bei Wissen einer der Grundbausteine” begründet Christian Kuhna das Offenheits-Prinzip. Deshalb bietet der interne Learning Campus auch nur einen kleinen Teil der Lerninfrastruktur für adidas Mitarbeiter. Youtube, Coursera und Pinterest und externe Communities sind nur Beispiele für weitere dazugehörende Lernumgebungen der Mitarbeiter.

“Die adidas Universität ist kein Marmor-Gebäude, sondern das Smartphone, das jeder ohnehin dabei hat”, so Christian Kuhna. Bei einem Durchschnittsalter der adidas Mitarbeiter von 30,5 Jahren klingt das auch irgendwie plausibel. 64 % der heutigen Mitarbeiter zählen zur Generation Y. adidas denkt aber schon an die, die danach kommen. Denn wenn der Learning Campus richtig wirkt, müssen sich auch die gut bedient und unterstützt fühlen.

Was ist anders beim New Way of Learning?

  • Der einzelne Mitarbeiter ist der handelnde Akteur, wenn es um seine Entwicklung geht. Nicht die Personalentwicklung oder die Weiterbildungsabteilung. Die Herausforderungen setzt wohl die Führungskraft, die Aufgabe im Job.
  • Jeder ist mal Lernender und mal Lehrender. Diese Rollen der Mitarbeiter wechseln ständig – und selbstgesteuert, aus eigenem Antrieb.
  • Lernen und Lehren (Wissen weitergeben in allen Formen) ist integrierter Bestandteil jeder Arbeitsaufgabe und nicht separierbar
  • Arbeiten wie Lernen erfordert ein steigendes Engagement der Mitarbeiter in Netzwerken

Für den Learning Campus bedeutet das, eine noch ungewohnte Service-Rolle zur Entwicklungs-Unterstützung von Mitarbeitern zu übernehmen. Es geht mehr um die Bereitstellung von Infrastruktur für Wissenserwerb und Wissensaustausch, als um die Aufbereitung von Inhalten. Letzteres kann aber eine Dienstleistung für Mitarbeiter sein, die ihr Wissen zur Verfügung stellen wollen, sei es als Video oder als Seminar.

So viel als kurze Zusammenfassung des Vortrages von Christian Kuhna beim Lerntag Management 2.0 von Cogneon am 13.6.2014. Die Aufzeichnung des anschaulichen Vortrages gibt es hier oder hier:


In der kurzen Einstimmung zum Video spricht Christian Kuhna und Simon Dückert (Cogneon) auch über die ungewöhnlichen Crowdsourcing-Aktionen zur Ideen-Entwicklung. Hier die Aufforderung auf dem öffentlichen adidas Group Blog mit knapp 80 Kommentaren “Help us find the new way of learning”.

Hier die erste öffentliche Ankündigung “Bringing the adidas Group Learning Campus to Life” vom März 2014. Und hier ein Bericht zum “Shed”, der physischen Umsetzung eines Rahmens für neue Wege voneinander und miteinander zu lernen “Physical Locations fort he New Way of Learning”.

The New Way of Learning ist ein überzeugender und spannender Anfang. Und eine “Renaissance des Lernens”, wie Christian Kuhna treffend anmerkt. Lernen wird wieder als selbstverständlicher Austauschprozess zwischen Menschen verstanden – ohne die eingeführte Arbeitsteilung zwischen professionell Lehrenden und Lernenden. Man wünscht dem Leuchtturm-Projekt Learning Campus ein gutes Gelingen – und viele Nachahmer!

An der Stelle auch einen Dank an Simon Dückert, den Geschäftsführer von Cogneon, der die kostenlosen monatlichen Management 2.0 Lerntage eingeführt hat! Hier geht es zur jeweils aktuellen Lerntage-Info für Interessierte.

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Wissens-Transfer beim ersten WissensTransferCamp an der Technischen Hochschule Mittelhessen – WITRAC14

Das WITRAC 14 ist nun schon wieder 3 Monate her. Erfolgreich war es wirklich. Weitere WITRAC’s sollen folgen. Damit die Fakten nachlesbar bleiben, dieser Bericht:

Gespannt, aber mutig starteten diesmal 3 ehrwürdige und eher für klassische Konferenzformate bekannte Organisationen die gemeinsame Trägerschaft einer neuen Un-Konferenz, dem WissensTransferCamp. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände VhU, der Arbeitgeberverband HESSENMETALL und die Technische Hochschule Mittelhessen THM, haben das erste WissensTransferCamp am 7. und 8. März 2014 ins Leben gerufen. 79 “Teilgeber” aus rund 30 verschiedenen Unternehmen und Hochschulen sind zum “WITRAC14″ gekommen. Auf etwa 80 hatten die Veranstalter für dieses erste WITRAC auch gehofft.

Ungewohnte Perspektiven erwünscht

Wissens-Transfer – dieser noch wenig gebrauchte Begriff steht hier für eine neutrale Perspektive auf alle Formen von Lehren und Lernen und von Kommunikation und Zusammenarbeit. Das WissensTransferCamp thematisierte den Wissens-Transfer zwischen Menschen, ebenso wie den Wissens-Transfer zwischen Organisationen.

Der Blick auf die Transferprozesse von Wissen sollte neue Sichtweisen ermöglichen, die in den gewohnten Begriffs-Kategorien nur schwer zu erreichen sind. In der Auseinandersetzung mit üblichen und neuen Wegen zu Wissenserwerb und Wissenskreation will das WissensTransferCamp auch selbst eine Infrastruktur für den Wissens-Transfer sein: Das WITRAC14 ist ein Netzknoten mit Andockmöglichkeiten für die persönliche Vernetzung der “Teilgeber”, wie die Teilnehmer dieser Un-Konferenz im innovativen BarCamp-Format auch genannt werden.

Ziel: 2 Hauptaspekte beleuchten

Wissens-Transfer zwischen Hochschulen und Unternehmen und zwischen Unternehmen:

  • In Kooperationen: Hochschule und Wirtschaft und Wirtschaft und Hochschule
  • In Clustern: Unternehmen untereinander
  • In Kundenbeziehungen: Hersteller und Kunden
  • In der Gesellschaft: Kommunikation zwischen Organisationen und Öffentlichkeit / Politik

Wissens-Transfer zwischen Individuen:

  • Bei Lehrveranstaltungen
  • Bei Konferenzen, Tagungen, Besprechungen
  • In selbstorganisierten Formen: von Communities of Practice, über Internetforen, Blogs, bis zu Social Media-Gruppen
  • Mit Wissens-Transfer-Methoden, von Project Debriefing, Podcasts, Microblogging bis Daily SCRUM-Meetings

Diesen inhaltlichen Rahmen haben sich die Veranstalter vorgestellt. Die tatsächliche Agenda-Gestaltung übernehmen ja bei BarCamps die Teilgebenden an jedem Morgen neu. Damit werden genau die Themen diskutiert, die den Anwesenden aktuell wichtig sind.

Bildquelle: KhPape CC BY

Bildquelle: KhPape CC BY

Das Ergebnis

Obwohl etwa 60 % der Teilgebenden noch nie auf einem BarCamp waren, kamen insgesamt 34 Sessions an den beiden Tagen zusammen. Also fast jeder zweite hat eine 45-Minuten-Session gestaltet! Hier die von den Teilgebern eingebrachten Session-Themen:

19 Session-Themen am Freitag:

  • Zukünftige Studenten als Kompetenz-Wissensträger
  • CYNEFIN Framework
  • Wissens-Transfer per Lernplattform
  • Offenheit in der Organisation? Grenzen und Möglichkeiten
  • Didaktik & Wissenstransfer. Was haben sie gemeinsam?
  • Virtueller Klassenraum Präsenz vs. Digital Online Lernen
  • Lernen durch Problemlösen
  • Erfahrungstransfer Alt-Jung. Generationenverantwortung
  • Kompetenzmanagement an HS vor Hintergrund demographischen Wandels
  • Workplace Learning Kompetenzentwicklung im Prozess der Arbeit und im Netz
  • Lernende Teams
  • Verbesserung von Können
  • Strukturierter Wissenstransfer, aber wie?
  • Lehren => Lernen?
  • Lesson Learned “lernende Teams” Erfahrungen verdichten zu Know-how
  • 15 Jahre Expert Debriefing: Von den Anfängen bei Audi bis heute und morgen
  • Lernen mit agilen Methoden
  • Pair-Sensing: Workshop um ein beliebiges Thema zu zweit verständlich aufzubereiten
  • Funktioniert Flipped Learning?

15 Session-Themen am Samstag:

  • Kompetenz Kompakt: Kompetenz Management an Hochschulen
  • Kann man Erfahrungswissen explizieren?
  • Informelles Lernen in Mitarbeiter Netzwerken// Wie kann Wissens-Transfer in sozialen Netzwerken gelingen?
  • Lösungs-Idee / Wissenstransfer-System in der Praxis
  • Lessons Learned wie? Erfahrungaustausch zu Retrospektiven
  • Mitarbeit von Unternehmen in Studiengängen
  • Plattform für den Transfer, Sharepoint, Google+
  • Wissenskommunikation vs. Wissens-Dokumentation
  • Transfer-Experiment “Pair-Sensing”
  • Communication Camp: Ein Barcamp für Macher
  • Frauen und Technik: Interessenfindung zu Technik für Schüler
  • Autodidaktisch Musik lernen
  • Sinneswandel bei Königspositionen, Sinneswandel und Blockaden in Unternehmen
  • Wikis in Unternehmen – Fluch oder Segen?
  • Kulturelle Unterschiede beim Wissensaustausch
Bildquelle: KhPape CC BY

Bildquelle: KhPape CC BY

Selbstorganisation auch bei der Dokumentation

Selbstorganisation ist das beherrschende Grundprinzip bei BarCamps. So entsteht die Agenda, so werden die Sessions gestaltet, und so wird auch die Dokumentation den Teilgebenden überlassen. Hier können Veranstalter den Rahmen setzen, z.B. durch das Vorbereiten von Etherpads je Session, in denen bis zu 16 an einem Dokument gleichzeitig schreiben können. Nur noch ein stabiles WLAN und von den Teilgebenden mitgebrachte mobile Geräte sind dafür nötig.

Bildquelle: KhPape CC BY

Bildquelle: KhPape CC BY

14 von den 34 Sessions wurden auf diese Weise dokumentiert. Das sind immerhin 41 % aller Sessions. Ein respektables Ergebnis dieser für Unternehmens-Mitarbeiter noch ungewohnten Dokumentationsart. Und ein BarCamp dient ja hauptsächlich dem persönlichen Austausch und dem Ausbau des eigenen Netzwerks. Die schriftliche Dokumentation steht nicht im Vordergrund.

Insgesamt sind aber 16 Kurzvideos vor, während und nach dem Camp entstanden http://wissenstransfercamp.mixxt.de/networks/videos/videos.1. Diese Form der Dokumentation ist neu. Auch die 499 Tweets gehören inzwischen zur Dokumentation eines BarCamps. Das Wesentliche aus Sessions in mehreren Sätzen von maximal 140 Zeichen zusammenzufassen, will geübt sein. Auch hier machen erst die vielen Tweets das Bild rund. Beim WITRAC14 twitterten noch wenige. Die Zahl der Twitterer steigt – insbesondere nach Un-Konferenzen.

Teilnehmerurteile

Als gut empfunden wurde

  • Das Prinzip der offenen Kommunikation. Es wurde aus ganz verschiedenen Perspektiven diskutiert
  • Die breite Mischung an Hintergrundinformationen, da Professoren, Angestellte / Leute aus Unternehmen und Studierende dabei waren.
  • Dass viele neue Ideen geboren und Kontakte geknüpft werden konnten.
  • Die Diskussion untereinander auf Augenhöhe.
  • Die Gegebenheit, dass Professoren und Studierende offen in einem Raum diskutiert haben.
  • Aus dem Raum zu gehen ohne eine Lösung. Die Lösung für ein Problem musste nicht auf Ort und Stelle gefunden werden.
  • Dass durch wenig/begrenzte Zeit die Kreativität der Leute gefördert wurde (kein Platz für lange Diskussionen)
  • Die Bandbreite der Session-Themen

Als weniger gut empfunden wurde

  • dass bei 34 Session-Angeboten nur 10 besucht werden konnte.
  • dass eine Session sich generell schwer dokumentieren lässt.

Hat es sich gelohnt? / Wie würden Sie den Arbeitskollegen im Unternehmen davon berichten?

  • Es war eine gute (Zeit)-Investition.
  • Es lohnt sich Werbung im Unternehmen für ein solches BarCamp zu machen.
  • Es ist eine entspannte Art viel Input zu bekommen.
  • Es kommen verschiedene Sichten zum Vorschein. Es gab mehrere Perspektiven
  • Es entstanden viele Gespräche zwischendrin in den Pausen.
  • Es hat sich eine Diskussionskultur entwickelt bzw. sie wurde gepflegt.
  • Es würde sich durchaus lohnen, so eine Diskussionskultur in die Unternehmen zu übertragen.
  • Das ein oder andern Thema sollte beim nächsten Camp weiter vertieft werden.
  • Die Art der Kommunikation ist durchaus wertschätzend.
Bildquelle: KhPape CC BY

Bildquelle: KhPape CC BY

Fazit:

Wissens-Transfer scheint der entscheidende Schlüssel für die Gestaltung der Zukunft einer jeden Organisation und unserer ganzen Gesellschaft. Wissen macht nur Sinn, wenn es an Menschen gebunden ist. Deshalb ist auch der Wissens-Transfer zwischen Organisationen ein Transfer zwischen Menschen. Darum planen die Veranstalter auch ein nächstes WissensTransferCamp – wieder in Friedberg an der Technischen Hochschule Mittelhessen im Frühjahr 2015. Interessenten können sich hier kostenlos registrieren, um automatisch über den Termin des nächsten WITRAC informiert zu werden.

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Photographie Playground: Interaktive Ausstellung zum Lernen?

“Interaktive Ausstellung” so wird der Photographie Playground von Olympus beworben. Neugier und Interesse am Fotografieren lotste mich gestern in die Berliner Opernwerkstätten in Berlin Mitte. Ein altes heruntergekommenes Industriegebäude wurde von Olympus zur mehrstöckigen Kunst-Ausstellung umfunktioniert, verbunden mit der Aufforderung an die Besucher “Entdecke Raum und Kunst durch das Auge der Kamera”.

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Gleich am Eingang warteten eine Menge Leute in einer langen Schlange auf das Ausleihen einer Olympus-Kamera. Mir war die Schlange zu lang, deshalb ging ich gleich los, nur mit der eigenen Kamera in der Hand. Unterschiedliche Beleuchtungssituationen von völlig abgedunkelten Räumen, nur mit Spots oder Projektoren beleuchtet, bis zu tageslichthellen Räumen erwarten die Besucher. Darin ganz verschiedene raumfüllende Installationen von rund 10 Künstlern oder Künstler-Gruppen. Und immer mit der Aufforderung, selbst Teil des Kunstwerkes zu werden, oder die so immer anders wirkenden Werke im Bild festzuhalten, eigene Perspektiven und Kameraeinstellungen auszuprobieren. Bei jedem Werk hielt sich mindestens ein Experte bzw. eine Expertin auf, die auf Nachfrage gern Tipps gaben oder Kameraeinstellungen zeigten.

 

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Bild: Karlheinz Pape CC BY

Fast alle um mich herum fotografieren. Das steckt an. Besucher posieren sich innerhalb der Installationen, andere suchen gute Blickwinkel für das sehenswerte Foto. Eigentlich ist es hier zu dunkel, denke ich. Aber wenn die doch alle hier fotografieren? Ich beginne mit dem Experimentieren, verändere Kameraeinstellungen, und bin erstaunt, was doch alles aus der Hand im Dunkeln geht. Selbst die, die keine Kamera dabei haben, zücken ihr Handy um es auch mal zu probieren. Die meisten sind wohl als Paar gekommen. Die begutachten dann gleich gemeinsam die jeweiligen fotografischen Ergebnisse am Geräte-Display. Ich erlebe eine entspannte und kommunikative Atmosphäre hier. Grüppchen stehen da und dort immer wieder zusammen, alle Altersgruppen sind vertreten, überwiegen scheinen jedoch die unter 40 jährigen den Weg hier hin gefunden zu haben. Alle scheint das Interesse am Fotografieren zu einen.

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Hat das mit Lernen zu tun?

Ich bin ohne besondere Absicht dorthin gegangen. Im Rückblick habe ich ganz viel gelernt, auch noch bei der Bildauswertung danach zu Hause am PC. Ich vermute, so wird es den meisten Besuchern der Ausstellung gehen, die dort aktiv fotografiert haben. Damit war die interaktive Ausstellung eigentlich eine ideale Lernumgebung.

Bild: Karlheinz Pape CCBY

Bild: Karlheinz Pape CCBY

Was braucht eine lernanregende Lernumgebung?

Lernen setzt immer voraus, dass es eine Herausforderung gibt, die Lernende annehmen wollen. Hier war die Herausforderung, auch bei kritischen Belichtungs-oder Bewegungs-Situationen gute Bilder zu produzieren.

Handlungs-Lernen erfordert die Erlaubnis zum Experimentieren. Das wurde hier auch unterstrichen durch die Anmerkung am Eingang, dass jeder Besucher damit einverstanden sein muss, in dieser interaktiven Ausstellung fotografiert zu werden. Das Motto “Entdecke Raum und Kunst durch das Auge der Kamera” räumte alle Bedenken aus dem Weg.

Lernen braucht Anregungen. Hier waren das die vielen anderen Fotografierenden, deren Perspektiven und Motive. Und natürlich die imposanten Kunstwerke.

Lernen erfordert Reflexion, Feedback. Die schnelle Reflexion fördern Digitalkameras und Foto-Handys ja geradezu durch das Anzeigen des eben erstellten Bildes auf dem Display. Erfolg oder Misserfolg wird hier gleich sichtbar. Feedback holten sich die meisten von ihren Partnern, und manche von den ExpertInnen an den jeweiligen Installationen. Auch die Nachbereitung der Fotos zu Hause führt zu weiterer Reflexion des eigenen Handelns.
Weiterdenken könnte man sich eine Photography-Playground-Community, die dort gemachte Bilder kommentiert. Den Fotowettbewerb kann man aber auch als spezielle Feedback-Form verstehen.

Bild: karlheinz Pape CC BY

Bild: karlheinz Pape CC BY

Klar erkennbare Herausforderung, Experimentier-Möglichkeit, Handlungs-Anregungen und Reflexion/Feedback kennzeichnen aus meiner Sicht gute Rahmenbedingungen für Lernen. Die sind in der besuchten interaktiven Ausstellung alle gegeben. So wie Lernen hier fürs Fotografieren angeregt und unterstützt wird, könnte man doch auch Lernumgebungen für ganz andere Themen schaffen. Ein paar mögliche Beispiele:

  • Office-Programme fürs Büro anwenden:
    • Herausforderungen typischer Büroaufgaben an verschiedenen Ständen konkret darstellen
    • 1 Experte an jedem Stand
    • Jeder bringt seinen Laptop mit, oder Ausleihe vorbereiten
    • Anregungen durch kurze Anwender-Beiträge
    • Anwender-Community einbeziehen oder bilden
    • Eleganteste Teilnehmer-Lösungen prämieren
  • Programmier-Fähigkeit für speicherprogrammierbare Steuerungen verbessern
    • An verschiedenen Tischen steuerbare Modelle bereitstellen
    • 1 Experte an jedem Tisch
    • Programmier-Laptop mitbringen lassen oder ausleihen
    • Verschiedene wählbare Aufgabenstellungen am Tisch auslegen, Tln können aber auch eigene formulieren
    • Lösungen mit Ersteller-Namen den anderen bekanntmachen. Community-Bildung anregen
  • Musik-Instrument spielen verbessern:
    • Stände für bestimmte Instrumente
    • Ausleihe oder mitgebrachte Instrumente
    • Herausforderungen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden definieren, z.B. Ensemblespiel, Solostücke, Orchester
    • Für gemeinsames Arbeiten Termine und Räume festlegen
    • Musiker als Experten bereitstellen

Noch sind solche freiwilligen Lern-Events nicht üblich. Sie sind nur ein Angebot für Interessierte. Und die entscheiden selbst ob und wie lange sie hier ihre Kompetenzen weiterentwickeln wollen. Alles, was jemand hier geleistet hat, könnte ja in einem ePortfolio dokumentiert werden. Mit Kommentaren oder sogar mit Bestätigungen bestimmter Kompetenz-Levels. Die genauen Kriterien für diese Kompetenz-Level gehören wiederum zu den Herausforderungen, die Lernende für sich annehmen können.

DSCN0664Der Photography Playground ist kostenlos für (lernende) Besucher, weil Olympus sich davon Interesse für seine Kamera-Modelle verspricht. Es spricht aber auch nichts dagegen, den Besuch von solchen Lern-Events gegen ein Eintrittsgeld zu ermöglichen. Das rechnet sich insbesondere bei großen Teilnehmerzahlen. Am Ostersonntag feierte Olympus immerhin die 10.000. Besucherin.

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Social Video Learning – erste Anmutung

Frank Vohle bewegt sich als hätte er einen Tennisschläger in der Hand, bleibt abrupt in einer irgendwie verbogenen Haltung stehen und fragt, was daran falsch ist. Noch bevor jemand antworten kann, kommentiert er auch schon selber “Fehlhaltung in der linken Hüfte”. Um das Kommentieren geht es ihm. Genau an der Stelle. Und am besten ohne die wirkliche Bewegung anzuhalten. Weitere Kommentare sind willkommen, vielleicht sind die ja auch an ganz anderen Stellen hilfreich. Social Learning ist die Absicht.

Stellt man sich an Stelle von Frank Vohle ein Video eines Tischtennis-Spielers vor, das man anhalten kann, um genau an der Stelle einen Text-Kommentar hinzuzufügen, um Video mit Kommentar mit anderen Lernenden zu teilen – und um weitere Kommentare zu dieser und zu anderen Situationen zu bitten, dann ist das Social Video Learning. Trainer verschiedener Sportarten werden heute so ausgebildet. In Lerngruppen muss jeder “seine” Sportler beim Training oder Wettkampf “videografieren” und erste eigene Text-Kommentare situationsgenau platzieren. Zur Ausbildung der anderen Trainer gehört das Ansehen und Kommentieren der Kollegen-Videos – auch der Kommentare der anderen. Man lernt auf diese Weise mit- und voneinander. Und bei Bedarf kann der Bundestrainer auch noch seinen Kommentar abgeben. Alles ganz einfach, Video anhalten und den Text-Kommentar an der Stelle einfügen.

Irgendwas hat mich daran sofort angesprochen. Erstens ist diese Art von gemeinsamem Lernen bei allen sichtbar darstellbaren Abläufen verwendbar, z.B. bei mechanischen Service-Aufgaben. Und Zweitens scheint mir das Kommentieren eines Videos wesentlich leichter als Beschreibungen und Kommentierungen, z.B. in Text-Foren. Das Video transportiert ja schon den ganzen Kontext mit, den man sonst erst mühselig im Text beschreiben müsste. Die Einstimmung passiert quasi automatisch, da reicht dann wohl oft ein Halb-Satz um klarzumachen, was einem hier aufgefallen ist, oder was man anders machen sollte.

Fürs Lernen scheint mir das deshalb interessant, weil es eine Gruppe von Lernenden relativ leicht in die Lage versetzt, ohne viele (geschriebene) Worte voneinander und miteinander zu lernen. Jeder in so einer Lerngruppe ist mal Gebender und mal Nehmender, oder mal Lehrender und mal Lernender. Man muss nur die Kommunikation über den eigenen Lerngegenstand über Video verabreden, aber mit der Möglichkeit des punktgenauen Kommentierens. Die Technologie ist da heut ja keine Hürde mehr, jedes Smartphone gestattet das Aufnehmen von Videos. So ganz nebenbei und fast unbemerkt beginnt das Lernen ja schon bei der Wahl der Aufnahme-Perspektive für das was jetzt kommen wird. Man muss sich Gedanken machen, wie das jetzt ablaufen wird, was wichtig sein könnte, wann man enden will. Und wenn nach der Aufnahme ein erster eigener Kommentar gefordert wird, dann wird man sich das eigene Video noch einmal ansehen, und alle Situationen auf ihre Kommentar-Würdigkeit prüfen. Das fordert die fürs Lernen so wichtige Reflexion, beim Ersteller des Videos und bei den anderen Lernenden, die ebenfalls kommentieren wollen.

Social Video Learning so eingesetzt, fördert selbstgesteuertes Lernen einer ganzen Lerngruppe. Notwendige Experten-Inputs können bei Bedarf ja jederzeit ebenfalls als Kommentar eingefügt werden. Und die selbsterstellten und im Team kommentierten Lern-Videos sind am Ende auch noch als Beiträge fürs E-Portfolio und ggf. für die Zertifizierung verwertbar. Situationsgenau kommentierfähige Videos könnten der Schlüssel für weitgehend selbstgesteuertes Lernen in Lerngruppen sein. Bin sehr gespannt, wie sich diese im deutschen Sport bereits etablierte Idee des Unternehmens Ghostthinker weiterentwickelt.

Hier ein kurzes Interview mit Dr. Frank Vohle auf der didacta 2014: 

 

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Entwicklungstrend von Lern-Dienstleistungen

MOOC (Massive Open Online Courses), Virtual Classroom, Flipped Classroom, Konnektivismus als Lerntheorie – das alles sind sichtbare Angriffe auf bisherige “Geschäftsmodelle” etablierter Bildungs- und Weiterbildungs-Organisationen. Einerseits entwickeln sich Lern-Dienstleistungen – so können wir Entwicklungs-Angebote für Lernende auch verstehen – durch Skalierung in wirtschaftlich sehr attraktive Bereiche. Auch wenn MOOC heute meist noch nichts kosten, wird ein künftig möglicher Niedrig-Preis von z.B. 60 € je Kurs bei 10.000 Teilnehmern einen Umsatz von 600.000 € je Kurs bringen. So viel hat bisher noch kein Bildungsanbieter für nur einen Kurs eingenommen. Und selbst bei möglicherweise hohen Erstellungskosten von 300.000 € bliebe ein wirtschaftliches Traum-Ergebnis. xMOOC nennt man die Variante des massenhaften Online-Verteilens von aufbereiteten Inhalten und Lernaufgaben.

Bild: Universität Bonn von Thomas Wolf, www.foto-tw.de.

Bild: Universität Bonn von Thomas Wolf, http://www.foto-tw.de.

Andererseits ist mit dem Konnektivismus und den cMOOC (c für Connectivism) eine Sicht auf Lernen entstanden, die die Lernenden als autonome Lerner versteht, die wenig Anleitung brauchen, eher Anregung. Obwohl das gar nicht so neu ist – in reformpädagogischen Ansätzen gibt es so ein Lerner-Bild schon lange – zeigt diese innere Haltung als Lern-Dienstleister heute einige, auch wirtschaftliche Vorteile. cMOOC sind ja die ersten Umsetzungen des Konnetivismus, der davon ausgeht, das Wissen liegt im Netzwerk, und Lernen ist die Fähigkeit, Verbindungen in diesem Netzwerk zu knüpfen. Folgerichtig wird ein cMOOC vom Veranstalter nicht als Inhalts-Darbietungs-Event geplant. Vielmehr geht es darum, die Aufmerksamkeit aller Interessierten für den Kurszeitraum auf das ausgeschriebene Thema zu fokussieren und dabei eine Community-Bildung zu fördern. Nur wenige anregende Inputs kommen von den Veranstaltern, die meisten Inhalte tragen die Lernenden selbst zusammen oder erzeugen diese im Austausch untereinander. Hier kommt es aufs Klima in den entstehenden Communities an, und ums Sichtbarmachen von Communities, dort entstandenen Inhalten und Beitragenden, und nicht auf die Erreichung von bestimmten inhaltlichen Veranstalter-Zielen. Mit dem Zutrauen, dass die Lernenden sich schon die für sie richtigen Themen vornehmen werden, ist das Ergebnis für Veranstalter eines cMOOC nicht mehr planbar. Autonome Lerner wissen selbst, was sie wann lernen wollen oder müssen. Lern-Dienstleistungen auf Konnektivismus-Basis gestalten also die Rahmenbedingungen für Lernen in Communities und nicht die Lern-Inhalte und Lern-Aufgaben!

Beide Ansätze haben ihre Berechtigung. Beide benötigen viele Teilnehmer. Dann aber sind sie auch wirtschaftlich interessant, insbesondere wenn geringe Teilnahme-Gebühren üblich geworden sind. Und das betrifft dann jede Bildungsinstitution, auch die, die gar keine MOOC anbieten: Teilnehmerströme werden dadurch umgeleitet. 1000 Teilnehmer eines MOOC sind 1000 Teilnehmer, die sonst in 65 Kursen unterrichtet worden wären. Neben den MOOC gibt es weitere Bedrohungen klassischer Classroom-Seminare, z.B. Virtual Classroom und Flipped Classroom.

Zwei Antriebe scheinen derzeit die Bildungs-Szene unabhängig voneinander zu bewegen: Die weitere wirtschaftliche Optimierung (niedrigere Kosten je Tln) und die Annahme autonomerer Lerner, die ihre Lernprozesse selber am besten gestalten. Grafisch dargestellt ergibt sich folgendes Bild:


Selbstgesteuert Lernen ist gar nicht so ungewöhnlich. 80 bis 95% des betrieblichen Lernens erfolgt informell und damit selbstgesteuert. Damit sind wir eigentlich alle Meister im selbstgesteuerten Lernen!

Dass der Trend in Richtung Selbststeuerung auch beim Lernen gehen wird, verbunden mit dem Wunsch nach preislich günstigerer “Entwicklungs-Unterstützung”, scheint mir sicher. Erstens weil sich der Trend in anderen Dienstleistungsbereichen auch schon durchgesetzt hat: Die Reiseverbindung mit der Bahn suchen sich die meisten auch lieber selbst aus, nur noch wenige lassen sich die am Schalter gegen einen Aufpreis raussuchen. Und die Selbstbedienung im Laden wird von den meisten auch als angenehmer empfunden, als bei jedem Teil die Beratung eines Verkäufers zu bekommen. Vielleicht sprechen wir schon bald ganz selbstverständlich von Selbstbedienungs-Lern-Dienstleistern. Irgendwie bieten die MOOC ja schon heute solch ein Angebot. Wir müssten dafür nur nicht die Drop-outs registrieren, sondern die Drop-ins.

Mein Fazit:

Lern-Dienstleistungen werden zu individuell wählbaren Services, die sich Lerner nach eigenem Bedarf selbst zusammenstellen. Pauschal-Services (all inclusive) werden ebenso zur Wahl stehen, wie “Entwicklungs-Begleit-Services”, wöchentliche “Trigger-Services” (Sie wollten doch bis heute …) und “Zielerreichungs-Bestätigungs-Services”. Mit Inhalts-Aufbereitungen und -Darstellungen werden nur noch wenige Lern-Dienstleister Geld verdienen. Wie in anderen Branchen auch, werden nur einige mit ihren Angeboten die Lerner-Mengen erreichen, die notwendig sind um preislich mithalten zu können.

Ein wenig beruhigend: Jahrzehntelang haben wir Lerner so an klassische Lernsettings gewöhnt, dass die meisten noch etwas Zeit brauchen werden, bevor sie merken, dass selbstgesteuertes Lernen sehr angenehm ist.

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